Merck & Co habe sich „verrechnet“
Fachmagazin: Vioxx ist gefährlicher als gedacht

Die Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ hat eine Studie zu den Risiken des Schmerzmittels „Vioxx“ korrigiert. Die neuen Ergebnisse dürften dem Pharmakonzern Merck & Co – nicht zu verwechseln mit der deutschen Merck KGaA – gar nicht behagen.

HB ATLANTA. Die Gefahr von Herzproblemen steige nicht erst nach einer Einnahmezeit von 18 Monaten, sondern kontinuierlich, erklärte Chefredakteur Jeffrey Drazen. Zwar träten Herzinfarkte und Schlaganfälle häufiger bei Patienten auf, die mindestens eineinhalb Jahre lang mit Vioxx behandelt wurden. Die eigentliche gesundheitliche Schädigung könne aber dennoch zu einem früheren Zeitpunkt erfolgt sein. „Das ist ein spitzfindiger, aber entscheidender Punkt“, so Drazen. Grund für die Korrektur seien Rechenfehler von Merck, das an der Studie beteiligt war.

Die Veröffentlichung am Montag revidierte die Ergebnisse einer im März 2005 publizierten Langzeitstudie. Diese hatte zur Folge, dass Merck & Co das Mittel vom Markt nahm. Gegen den US-Pharmakonzern sind wegen Vioxx rund 13 000 Klagen anhängig. Das Unternehmen erklärte am Montag, es stehe zu den ursprünglichen Ergebnissen der Untersuchung. Der Konzern hatte Vioxx im September 2004 vom Markt genommen.

Der Vioxx-Skandal hat Merck bereits zig Millionen Dollar an Entschädigungen gekostet. Erst im April hatte ein Geschworenengericht in der US-amerikanischen Stadt Atlantic City Merck für die Herzerkrankung eines Klägers haftbar gemacht. Das Gericht sprach einem 77-jährigen Rentner 4,5 Mill. Dollar (3,7 Mill. Euro) Schadensersatz zu. Merck habe den Kläger nicht hinreichend über die möglichen Herzkreislauf-Risiken von Vioxx informiert.

Viel schlimmer als die Schadenersatz- und Strafsummen wirkte sich für Merck jedoch der Umsatzverlust aus. Im Jahr 2003 nahm Merck durch das Medikament mehr als 2,5 Mrd. Dollar ein.

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