Merkel contra von Beust
Hin und her beim EADS-Einstieg

Nach den Worten von Hamburgs Erstem Bürgermeister Ole von Beust hat sich die Bundesregierung dafür entschieden, Anteile am krisengeschüttelten Airbus-Mutterkonzern EADS zu kaufen. Von der Bundesregierung kam aber prompt ein Dementi. Die Kanzlerin selbst trat vors Mikrofon und tat ihre Meinung kund.

HB HAMBURG. „Das gekauft werden wird, steht fest“, sagte von Beust am Donnerstag nach einem Gespräch mit dem neuen Airbus-Chefs Louis Gallois. Dieser hatte dem Hamburger Werk des Flugzeugbauers einen Antrittsbesuch gemacht. Er begrüße den Entschluss der Bundesregierung, sagte der CDU-Politiker. Kanzlerin Angela Merkel habe die Entscheidung getroffen. Eine Arbeitsgruppe soll die Modalitäten des Einstiegs erarbeiten und speziell klären, welchen Beitrag Hamburg leistet.

„Es ist noch keine Entscheidung gefallen“, widersprach Angela Merkel der Darstellung am Donnerstag nach Gesprächen mit dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac in Paris. Sie versicherte aber auch, dass die Regierung in jedem Fall das „deutsche Bekenntnis zu Airbus und EADS auch zukünftig deutlich“ machen werde. Im Laufe des Tages hatte es mehrfach Verwirrung um einen Einstieg gegeben.

Auch Niedersachsen prüft Einstieg

Neben Hamburg und dem Bund erwägt auch Niedersachsen staatliche Finanzhilfen und einen Einstieg bei EADS. Auf die Frage nach der Bereitschaft der Landesregierung, sich zu engagieren, sagte Ministerpräsident Christian Wulff am Donnerstag in Hannover, zunächst sei eine konkrete Initiative des Unternehmens erforderlich. „Wir führen keine Diskussion im luftleeren Raum“. In Niedersachsen hat Airbus mehrere Werke; tausende Menschen arbeiten dort für das Unternehmen.

Großaktionär Daimler-Chrysler will sich von einem Teil seiner Anteile am Airbus-Mutterkonzern EADS trennen. Das würde das Gleichgewicht zwischen der deutschen und der französischen Aktionärsseite zum Kippen bringen. Politiker und Gewerkschafter fürchten bei einem Übergewicht der Franzosen, die Konzernführung könne das Unternehmen auf Kosten der deutschen Standorte sanieren.

Airbus-Chef verspricht faire Lastenverteilung

In einem Interview hat Airbus-Chef Gallois jedoch versprochen, bei der Umsetzung des beschlossenen Sparprogramms auf eine faire Lastenverteilung zwischen den verschiedenen Ländern zu achten. Bei seinem Antrittsbesuch hat er sich zum Hamburger Werk bekannt, das zuletzt wegen der Lieferverzögerungen beim Bau des Superjumbos A380 schwer in die Kritik geraten war. Er erklärte am Donnerstag: „Wir sind uns völlig bewusst, dass Hamburg eine der Hauptsäulen der Produktion ist.“ In Hamburg arbeiten 11 000 der deutschlandweit 20 000 Airbus-Mitarbeiter.

Konkrete Maßnahmen zur Beendigung der schwersten Krise in der Unternehmensgeschichte nannte der Franzose nicht. Gallois ließ allerdings keinen Zweifel daran, am Restrukturierungsplan seines Vorgängers Christian Streiff festhalten zu wollen. Zugleich sprach er sich für einen firmeninternen Wettbewerb zwischen den beiden wichtigsten Standorten Hamburg und Toulouse aus, es dürfe aber „keinen „Krieg“ geben, betonte er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Hamburger Bürgermeister von Beust.

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