Messe als Indikator
Erfolg für Fitness und Wellness

Mit einer neuen Rekordmarke bei der Besucher- und Ausstellerzahl ist die weltgrößte Messe für Fitness und Wellness (Fibo) zu Ende gegangen. Das belegt die Dynamik des so genannten zweiten Gesundheitsmarkts.

ESSEN Mit einer neuen Rekordmarke bei der Besucher- und Ausstellerzahl ist am Sonntag die weltgrößte Messe für Fitness und Wellness (Fibo) zu Ende gegangen. Vom 10. bis zum 13. April trafen in Essen 47 300 Fach- und Privatbesucher (2007: 45 000) auf 476 Aussteller (2007: 420) aus 35 Nationen - im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 5,1 bzw. 12,8 Prozent.

Das Wachstum spricht für den bei Messeexperten beliebten Leitsatz: "Die Messen sind das Spiegelbild der Märkte." Tatsächlich wächst der so genannte zweite Gesundheitsmarkt, das heißt der Markt für privat finanzierte Gesundheitsprodukte und-dienstleistungen, kontinuierlich. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger gibt jeder Deutsche zusätzlich zur Krankenversicherung pro Jahr im Schnitt 900 Euro für seine Gesundheit aus. Die Gesamtsumme der privaten Gesundheitsausgaben betrug im Jahr 2007 60 Mrd. Euro - 2003 waren es noch 49 Mrd. Euro. Und die Tendenz steigt weiter: Für das Jahr 2020 prognostizieren die Experten von Roland Berger ein Volumen von 75 Mrd. Euro jährlich.

Dabei durchdringt das Thema Gesundheit immer mehr Lebensbereiche. Die Menschen setzen längst nicht mehr nur bei Lebensmitteln und Kosmetik auf natürliche Produkte, sondern zum Beispiel auch in den Bereichen Wohnen, Kleidung oder Freizeit: Von ergonomisch geformten Sitzmöbeln über atmungsaktive oder mit UV-Schutz versehene Kleidung bis hin zum Urlaub in Heilbädern oder Kurorten. Aus diesem Trend entstehen für alle Unternehmen, auch für die, die Produkte und Leistungen außerhalb des Gesundheitsbereichs anbieten, vielfältige Geschäftsmöglichkeiten. Diese Chancen werden jedoch, laut Studie, bisher nur zögerlich wahrgenommen.

"Die Marktforschung vieler Unternehmen beschäftigt sich wenig bis gar nicht mit dem Gesundheitskonsumenten"", bemängelt Joachim Kartte, Leiter des Bereichs Pharma & Healthcare bei Roland Berger. "Das Thema Gesundheit erscheint vielen Geschäftsleuten zu kompliziert, sie scheuen sich davor", erklärt der Autor der Studie die allgemeine Zurückhaltung der Wirtschaft beim Einstieg in den zweiten Gesundheitsmarkt.

Was sich Kartte wünscht, sind Unternehmen, die den "Hype" um diesen Markt - seiner Ansicht nach vergleichbar mit dem damaligen "Hype" um die Informationstechnologie - erkennen und vor allem nutzen. Zur Demonstration nennt er Firmen, die mit ihren Produkten auf dem richtigen Weg seien.

Dazu gehöre zum Beispiel die Kooperation zwischen dem Computerkonzern Apple und dem Sportartikelhersteller Nike. Beim so genannten Sport Kit handelt es sich um einen Nike-Laufschuh mit einem speziellen Apple-Sensor. Dieser Sensor verwandelt den Musikspieler iPod Nano in einen Trainingscomputer, der Distanz, Zeit oder Kalorienverbrauch misst. "Dieses Produkt ist der Renner", sagt Kartte. Weitere Vorbilder für den Gesundheitsexperten sind der Textil- und Bekleidungshersteller Levis, der eine Jeans aus besonders hautverträglicher Bio-Baumwolle verkauft, und den Reiseveranstalter Tui, der in einem speziellen Vital-Katalog nur Präventions- und Kurreisen anbietet. "Die meisten Unternehmen müssen im Bereich Gesundheit viel kreativer werden, um das Potenzial des Marktes zu nutzen", fordert Kartte.

Kirsten Ludowig
Kirsten Ludowig
Handelsblatt / Stellvertretende Ressortleiterin Unternehmen & Märkte
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