Messe
Auto-Kotau in Schanghai

Offenbar ist die Autoshow in Schanghai die wichtigste Branchenmesse der Welt, noch wichtiger als die IAA in Frankfurt. Denn auf jeder anderen Automesse fehlt der ein oder andere Autobauer. Nur hier sind alle da. Dementsprechend buhlen die deutschen Autobauer um Chinas Massen - und verpassen dabei vielleicht den Trend der Stunde.

SCHANGHAI. Auf solch ein Lob wird Kanzlerin Angela Merkel lange warten müssen. "Wir freuen uns, dass die Maßnahmen der chinesischen Regierung greifen", frohlockte dagegen VW-Konzernchef Martin Winterkorn zum Auftakt der Autoshow im fernen Schanghai.

Auf dem schneeweißen Podium des deutschen Autobauers in Halle W2 legte Winterkorn sogar noch nach: "VW glaubt fest an China", so sein klares Bekenntnis. Und im Blitzlichtgewitter der versammelten Weltpresse ernennte er die kommunistisch geführte Volksrepublik sogar zum "zweiten Heimatmarkt" des Konzerns.

Willkommen in der Krise. Noch vor wenigen Jahren wären solche China-Bekenntnisse, zumindest öffentlich, kaum denkbar gewesen. Doch die Zeiten ändern sich. Denn, so die klare Botschaft aller internationalen Hersteller in Schanghai: In China entscheidet sich die Zukunft der Autobranche. Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche, der die neue E-Klasse persönlich auf die Bühne des Messestandes fuhr, haderte nicht mit Lob für das Reich der Autokunden. "Schanghai ist zur wichtigsten Automesse der Welt geworden", so Zetsche.

Die PR-Abteilung in Stuttgart ließ sich den tiefen Kotau vor dem Markt der Märkte auch richtig etwas kosten. So warb der Mercedes-Stern gestern auf einer vierseitigen Hochglanzbeilage zur Automesse im Parteiorgan "China Daily". Slogan auf schwarzen Grund: "Jeder Schritt des Führers zählt." Darunter war allerdings kein Mao-Bild zu sehen, sondern ein Foto der neuen S-Klasse.

Bei so viel Freundlichkeiten konnte auch das High-Tech-Image des deutschen Konzerns nicht leiden, als bei der Weltpremiere des S-Modells in der drückend heißen Messehalle zunächst das Mikrofon der chinesischen Sängerin Dadawa ausfiel. "Wenigstens wissen wir jetzt, dass sie wirklich live singt", meinte ein Messebesucher in Anspielung auf den Playback-Skandal bei der Olympia-Eröffnung in Peking.

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