Metallhersteller
Aurubis-Chef sieht Existenz gefährdet

Der Kupferkonzern Aurubis fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. Mit Sorge blickt Unternehmenschef Bernd Drouven auf das neue Energiekonzept der Bundesregierung. Er sieht die Zukunft von Europas größter Kupferhütte in Gefahr - und droht mit Wegzug.
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FRANKFURT. Die Eröffnung einer Werkseinfahrt am Standort Lünen ist für Aurubis-Chef Bernd Drouven eigentlich keine große Sache. Gekommen ist er Ende vergangener Woche dennoch: Für ihn ging es um mehr. Er sorgt sich um die Zukunft von Europas größter Kupferhütte. Und da sind für Drouven die anwesenden Politiker, darunter der SPD-Abgeordnete Dieter Wiefelspütz, genau das richtige Publikum.

Mit Sorge blickt Drouven auf das neue Energiekonzept der Bundesregierung, in dem die Entlastung der energieintensiven Industrien zusammengestrichen werden soll. Bislang sind die Hersteller von Kupfer, Zink und Aluminium als große Stromverbraucher weitgehend von der Ökosteuer befreit. Dass soll sich ändern: Am Freitag berät der Bundestag über eine Absenkung der Entlastung von 95 auf 73 Prozent. Werden die Pläne der schwarz-gelben Regierung Gesetz, dann verliert Aurubis drei Millionen Euro per anno. Bei einem Jahresumsatz von 6,7 Milliarden Euro sieht der Betrag klein aus, schwerer wiegt aber ein gebrochenes Versprechen. "Wir hatten bei der Einführung der Ökosteuer zugesichert bekommen, dass es keine Abstriche bei der Entlastung geben wird", sagte Drouven dem Handelsblatt. Nun soll es anders kommen. "Das wäre ein Vertrauensbruch."

Europäische Kommission fordert Entlastung für Industrie

Aurubis droht wie auch andere Metallproduzenten im internationalen Wettbewerb zurückzufallen. "Die aktuelle Diskussion zu den Energiepreisen und CO2-Zertifikaten wird zum Verlust der deutschen und europäischen Kupferindustrie führen", sagte der Aurubis-Chef. Die Zukunftssorgen sind nicht grundlos. Bislang hat es die Bundesregierung verpasst, ein Lösung für die Zeit nach 2013 zu präsentieren. Ab dem Jahr bekommt die europäische Industrie CO2-Zertifikate nicht mehr geschenkt, sondern muss diese einkaufen. Der Metallindustrie drohen erheblich Mehrkosten, im globalen Wettbewerb könnte sie nicht mehr mithalten.

Die Europäische Kommission hat dies erkannt und die Mitgliedsländer aufgefordert, eine Entlastung für die energieintensiven Unternehmen zu schaffen. "Im Energiekonzept der Bundesregierung findet sich aber kein Wort dazu", beklagt Drouven. Der Konzernchef forderte daher den Bund auf, hier zügig eine Regelung zu finden.

Mehrkosten für den Staat sieht er hierbei nicht. Denn durch den Kauf der CO2-Zertifikate fließt genügend Geld in die Kasse, um die großen Stromverbraucher zu entlasten.

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