Metallindustrie
Tarifparteien suchen die Entscheidung

Einigung oder großer Metallerstreik: Vor der entscheidenden Verhandlungsrunde in der Metallindustrie am Dienstag überwiegen moderate Signale. Eine Garantie für eine Lösung ist das aber nicht. Für den Fall eines Scheiterns will die IG Metall schon am Mittwoch den Arbeitskampf einleiten.

BERLIN. Unmittelbar vor einem möglichen Arbeitskampf in der Metall- und Elektroindustrie sind beide Tarifparteien vorsichtig auf Kompromisskurs eingeschwenkt: Die IG Metall stellt sich nunmehr auf einen Lohnabschluss mit deutlich verlängerter Laufzeit ein. Im Gegenzug deutete der Arbeitgeberverband Gesamtmetall gestern weitere Zugeständnisse an. "Beide Seiten, die IG Metall genauso wie wir, werden sich jetzt aufeinander zubewegen", sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser dem Handelsblatt. Man werde sich "nach Kräften" um eine Einigung bemühen.

Die Tarifparteien treffen sich am Dienstag im Bezirk Baden-Württemberg zur voraussichtlich entscheidenden Verhandlung in der Tarifrunde für die bundesweit 3,6 Millionen Metaller. Zwar ist damit die Gefahr eines Arbeitskampfs im wichtigsten deutschen Industriezweig nicht abgewendet - im Fall eines Scheiterns will die IG Metall schon kurzfristig eine Urabstimmung beschließen. Mit den aktuellen Signalen zeigt sich jedoch erstmals seit Beginn der Tarifgespräche Anfang Oktober ein greifbares Bemühen um eine Lösung.

IG-Metall-Chef Berthold Huber signalisierte am Wochenende, dass er sich einen Tarifvertrag mit deutlich mehr als zwölf Monaten Laufzeit gut vorstellen könne. "Die IG Metall hätte dann kein Problem damit, über 18 oder gar 20 Monate abzuschließen", sagte er der "Wirtschaftswoche". "Ich verstehe, dass die Betriebe Planungssicherheit brauchen." Auch räumte er ein, dass sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert habe, seit die IG Metall Anfang September ihre Tarifforderung von acht Prozent beschlossen hat. Zwar rückte er nicht offen von der Prozentzahl ab, doch ist die Kopplung an eine zwölfmonatige Laufzeit damit faktisch weg.

Kannegiesser zufolge soll es nun darum gehen, vor allem die "Struktur" des seit Ende Oktober vorliegenden Lohnangebots der Arbeitgeber für eine weitere Annäherung zu nutzen. Dazu zählt eine dauerhaft wirksame Tariferhöhung zum 1. Januar, die bisher mit 2,1 Prozent angesetzt ist. Vorweg würde es danach eine vergleichsweise hohe Einmalzahlung geben, die sich als Tribut an die im ersten Halbjahr 2008 noch gute Wirtschaftslage interpretieren lässt. Mit 0,8 Prozent eines Jahresentgelts, so der Arbeitgebervorschlag, würde sie im Schnitt 350 Euro ausmachen. Für Betriebe in schwieriger Lage soll indes eine Halbierung möglich sein.

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