Metallverarbeiter
Plünderei-Vorwürfe bei Schumag

Über dem Aachener Metallverarbeiter Schumag braut sich Unheil zusammen. Ein neu eingesetzter Vorstand hat eine Millionenzahlung an eine Firma veranlasst, an der er gemeinsam mit seinem Vater Anteile hält. Eine anonyme Anzeige spricht von "Ausplünderung". Jetzt kommt heraus: auch der neue Berater des Vorstands steht mit dem Gesetz in Konflikt.

AACHEN. Der Metallverarbeiter Schumag taumelt von einer Schreckensmeldung zur nächsten. Die Umsätze des Aachener Traditionsunternehmens sind in den ersten Monaten 2009 im Jahresvergleich um bis zu 50 Prozent eingebrochen, knapp ein Drittel der rund 600 Stellen wurden abgebaut. Am Freitag trat der Vorstandsvorsitzende Rainer Kiechl mit sofortiger Wirkung zurück.

Hintergrund ist ein Streit mit dem Aufsichtsrat, der an Kiechl vorbei ein Geschäft mit einer Firma erzwungen hat, an der zwei Aufsichtsräte der Schumag sowie ein Sohn eines Aufsichtsrats beteiligt sind. Der Sohn, Nicolaus Heinen, ist inzwischen neuer Vorstandschef der Schumag. Die Staatsanwaltschaft Aachen prüft den Vorfall.

Damit hat die Aufregung aber noch kein Ende: Denn Nicht nur Nicolaus Heinen, sondern auch der neue Berater des Vorstands, Steffen Walpert, hat die Aufmerksamkeit deutscher Behörden erregt. Am vergangenen Donnerstag erging gegen Walpert ein Urteil des Landgerichts Köln. Darin wird der Steuerberater dazu verpflichtet, 128 979 Aktien der Afendis AG zurückzugeben, die ihm von einem Mandanten treuhänderisch übereignet worden waren.

Nach Darstellung des Klägers nahm Walpert die Aktien, weigerte sich aber später, diese wieder zurückzugeben. Er vermutet, Walpert habe die Aktien längst auf eigene Rechnung verkauft. Die Staatsanwaltschaft Köln, die ihre Ermittlungen gegen Walpert vorläufig eingestellt hatte, um auf das Urteil des Landgerichts zu warten, wird diese nun voraussichtlich wieder aufnehmen. Walpert lehnte auf Anfrage jeden Kommentar hierzu ab.

Die Vorgänge und die beteiligten Personen bei der Schumag AG sorgen im Umfeld für größte höchste Unruhe. Bernd Depping, der Verwalter der insolventen Muttergesellschaft Schumag Holding, hat nun einen eigenen Mann in den Aufsichtsrat der Schumag AG entsandt. Er soll klären, welche Grundlage es für die Geschäfte mit den Ein-Mann-Firmen Adcon und Victum gibt, an denen die Schumag-Aufsichtsräte Peter Koschel, Heinz Peter Heinen und dessen Sohn, Nicolaus Heinen beteiligt sind.

Nach Angaben des Aufsichtsratschefs Hans Ohlinger sind hier bereits mehr als drei Mio. Euro geflossen. Es gehe um Geschäfte in Russland. Weil der zurückgetretene Schumag-Chef Kiechl und der kürzlich ohne Begründung entlassene Vorstand Heiner Kudrus sich geweigert hatten, ihre Unterschrift für diese Geschäfte zu leisten, stattete der Aufsichtsrat kurzerhand den erst seit Juni amtierenden Vorstand Nicolaus Heinen mit einer Alleinvollmacht aus. Kurz danach floss das Geld.

Noch immer ist unklar, wofür die drei Mio. Euro eigentlich bestimmt sind. Aufsichtsrat Koschel schrieb dem Handelsblatt auf Anfrage, die Investitionen seien "zur Schuldentilgung und Geschäftsaufrechterhaltung" nötig. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen geht es konkret um Altschulden aus einem Geschäft, das Koschel über eine andere Firma mit demselben russischen Partner tätigte, der nun mit der Schumag zusammenkommen soll. Warum allerdings die Schumag diese Altlasten ausgeglichen hat, ist unklar.

Ebenso nebulös erscheint die Rolle der Betriebsratsvertreter im Aufsichtsrat. Sie engagierten für die Aushandlung eines Sozialplanes ausgerechnet eine Anwaltskanzlei, die der Familie Heinen nahe steht. Hierfür musste die Schumag mehr als 200 000 Euro zahlen - eine ungewöhnlich hohe Summe. Derzeit versucht die Gewerkschaft, per einstweiliger Verfügung Einsehen in den Sozialplan zu erlangen - ein wohl einmaliger Vorgang. Die Betriebsräte, die sich am Freitag hinter den neuen Vorstand stellten, ließen Fragen nach ihren Motiven unbeantwortet.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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