Michael Pluta
Märklin-Insolvenzverwalter kassiert Einstweilige Verfügung

Hat er es gesagt oder handelt es sich um eine Fehlinterpretation? Der Finanzinvestor Kingsbridge, oftmals als Heuschrecke betitelt, wehrt sich gegen angebliche Äußerungen des Märklin-Insolvenzverwalters Michael Pluta. Dieser soll die Eigentümer des Modelleisenbahnherstellers zu Unrecht schlechter Unternehmensführung beschuldigt haben. Jetzt trafen sich die Kontrahenten vor Gericht.

HB GÖPPINGEN/STUTTGART. Der vorläufige Insolvenzverwalter des Spielwarenherstellers Märklin darf dem Finanzinvestor Kingsbridge keine Misswirtschaft mehr vorwerfen. Kingsbridge habe eine entsprechende einstweilige Verfügung gegen Michael Pluta erwirkt, teilte der Investor am Freitag mit.

Demnach dürfe der vorläufige Insolvenzverwalter nicht mehr behaupten, Kingsbridge habe das Traditionsunternehmen "systematisch ausbluten" lassen. Auch dürfe er nicht mehr behaupten, dass "Schweigegeld" gezahlt worden sei, um dieses Vorgehen geheim zu halten. Sollte er gegen die Auflagen verstoßen, drohe ihm ein Ordnungsgeld von bis zu 250 000 Euro - im schlimmsten Fall sogar eine Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten.

Pluta kündigte an, Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Landgerichts Stuttgart einzulegen. "Wir haben schon längst klargestellt, dass wir die beanstandeten Äußerungen gar nicht gesagt haben, sondern dass es sich um Fehlinterpretationen handelt. Deshalb werden wir Rechtsmittel gegen die einstweilige Verfügung einlegen", teilte er mit.

Kingsbridge hatte zunächst versucht, sich außergerichtlich zu einigen und Pluta aufgefordert, derartige Behauptungen künftig zu unterlassen. Die Äußerungen Plutas und seines Mitarbeiters Fritz Zanker seien "unwahr", "frei erfunden" und "ehrschädigend", hatte der Investor Ende Februar mitgeteilt.

Anfang Februar hatte Märklin Insolvenz angemeldet. Betroffen davon sind derzeit nur die deutschen Standorte. Märklin beschäftigt nach eigenen Angaben insgesamt 1 300 Menschen, in Deutschland sind es rund 650 in Göppingen und etwa 60 in Nürnberg. Das Nürnberger Werk soll voraussichtlich geschlossen werden.

Die Sanierung des überschuldeten Modelbahnherstellers Märklin ist nach Ansicht des Insolvenzverwalters möglich. "Ich denke, dass die Sanierung Märklins gut über die Bühne gehen wird", sagte Pluta am Rande einer Ausstellungseröffnung zur Geschichte des Unternehmens am Donnerstagabend in Hamburg.

Der Insolvenzverwalter rechnet Ende April mit einer Übernahme durch einen Käufer. "An Interessenten mangelt es nicht: Insgesamt gibt es 110 ernsthafte und weniger ernstzunehmende Käufer", sagte Pluta. Darunter sei auch ein achtjähriger Junge, der sein ganzes Erspartes hergeben würde, um die Firma zu retten.

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