Mifa und Maschmeyer Totalschaden in der Fahrradbranche

Stunden nach seiner Hochzeit mit Veronika Ferres musste sich Carsten Maschmeyer um die Mitteldeutsche Fahrradfabrik kümmern, an der er beteiligt ist. Sie steht vor dem Aus. Das könnte ihn Millionen kosten.
Update: 29.09.2014 - 07:40 Uhr 11 Kommentare
Produktion von E-Bikes im Sangerhausener Mifa-Werk: schlechte Nachrichten. Quelle: dpa

Produktion von E-Bikes im Sangerhausener Mifa-Werk: schlechte Nachrichten.

(Foto: dpa)

Deutschlands umtriebigster Investor Carsten Maschmeyer hat ein lebhaftes Wochenende hinter sich. Eigentlich wollte sich der Selfmade-Milliardär seinem persönlichen Glück widmen: Seit Monaten hatte eher die prächtige Hochzeit mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Veronika Ferres geplant: In Südfrankreich sollte es sein, nicht unter den Eichen seiner Heimatstadt Hannover, sondern unter den Palmen der Cote d'Azur.

Doch ein kriselndes Investment des Milliardärs verhinderte die ganz unbeschwerte Sause: Maschmeyer ist vor knapp zwei Jahren als Großinvestor bei der Mitteldeutschen Fahrradfabrik (Mifa) eingestiegen. Und dort läuft es alles andere als rund. Nach Handelsblatt-Informationen aus Finanzkreisen muss der Vorstand des Unternehmens voraussichtlich heute in Halle zum Amtsgericht und die Insolvenz beantragen.

Der Vorstand teilte am Montagmorgen mit, dass die Hälfte des Grundkapitals aufgebraucht sei. Das Eigenkapital im Halbjahresabschluss zum 30. Juni 2014 werde nach derzeitiger Einschätzung negativ sein. Der Vorstand muss aus diesem Grund unverzüglich eine Hauptversammlung einberufen.

Die Mifa ist mit rund 800 Mitarbeitern Deutschlands größte und traditionsreichste Fahrradfabrik. Allerdings macht ihr die asiatische, billigere Konkurrenz zu schaffen. Wie schlecht es um die Fabrik steht, war Maschmeyer bei seinem Einstieg nicht bekannt, weil das Unternehmen bei seinen Bilanzen getrickst hatte. Inzwischen ist der Schwindel bereinigt, Investoren aus Indien allerdings, die einsteigen und die Fabrik mit ihrem Geld wieder flott machen wollten, haben bis heute keinen Euro gezahlt.

Renditejagd in der „Höhle des Löwen“
TV-Richter
1 von 30

Der Finanz-Unternehmer Carsten Maschmeyer (56) wird Juror in der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“. Die dritte Staffel der Gründer-Show wird ab Herbst 2016 ausgestrahlt, die Dreharbeiten sollen im Februar 2016 beginnen. „Sie wollten einen weiteren Löwen, der tatsächlich brüllen kann. Und über das notwendige Kapital verfügt“, sagte Maschmeyer der „Bild“. Der Investor ist mit Schauspielerin Veronica Ferres (50) verheiratet. „Sie hat mir nur schon mal den generellen Tipp gegeben: „Lass die Krawatte weg und behalte dein fröhliches Lächeln, auch wenn eine Idee mal völlig daneben ist.“

"Die Höhle der Löwen"
2 von 30

Die Investoren Vural Öger (l-r), Judith Williams, Frank Thelen, Lencke Wischhusen und Jochen Schweizer werben hier gemeinsam für die VOX-Sendung "Die Höhle der Löwen". Zwei davon sind inzwischen ausgeschieden: der Reiseunternehmer Vural Öger und Lencke Steiner, Chefin einer Firmengruppe im Verpackungsbereich. Neben Maschmeyer ist auch Ralf Dümmel, Chef des internationalen Handelsunternehmens DS Produkte GmbH, neu dabei.

Flüchtlinge aufgenommen
3 von 30

Schauspielerin Veronica Ferres (50) und ihr Mann, der Unternehmer Carsten Maschmeyer (56), haben im Herbst 2015 Flüchtlingsfamilien aus Syrien bei sich aufgenommen. Dies ist ein gemeinsames Bild mit den Flüchtlingen.

Leere Zimmer
4 von 30

„Da in meinem Haus in Hannover seit längerer Zeit die Kinderzimmer ungenutzt leer stehen, haben wir uns entschieden, Kriegsflüchtlingen Unterkunft zu gewähren“, sagte Maschmeyer der „Bild“-Zeitung. Seine Ehefrau Veronica Ferres engagiert sich außerdem in Schulen - hier beim Vorlesetag Mitte November.

Gemeinsames Wohnzimmer
5 von 30

Alle lebten unter einem Dach, mit gemeinsamem Wohnzimmer und gemeinsamer Küche, berichtet die „Bild“-Zeitung. Die beiden Männer flohen zu Fuß beziehungsweise per Schiff und holten ihre Frauen und die insgesamt fünf Kinder nach, nachdem sie in Deutschland als Bürgerkriegsflüchtlinge anerkannt wurden.

Ferres wird bescheiden
6 von 30

Wer gehört und gesehen habe, was diese Flüchtlinge erlebt hätten, „der wird sehr bescheiden und dankbar für das Leben, das wir Deutsche hier in unserem Land in Sicherheit und mit seinen großartigen Chancen führen dürfen“, sagte Ferres. Hier besucht sie mit ihrem Mann die Bambi-Verleihung im November 2015.

„Unendlich kostbar“
7 von 30

Maschmeyer nannte die Erfahrung des Zusammenwohnens „unendlich kostbar“. Nach zehn Wochen unter einem Dach sei jetzt für die erste Familie eine eigene Wohnung gefunden worden, bald solle auch die zweite ein neues Zuhause haben.

Die Inder sind selbst vom Fach: Hero Cycles gehört zu den Weltmarktführern in der Fahrradbranche. Sie verhandeln seit 16 Monaten mit den Deutschen. Nachdem der Bilanzschwindel aufgeflogen war, waren sie nur noch bereit, 25 Millionen Euro für 90 Prozent des Unternehmens zu zahlen. Eine Einigung mit Anleihegläubigern, die Voraussetzung für den Verkauf war, konnte die Mifa Anfang des Monats bekanntgeben. Deswegen gingen alle Beteiligten davon aus, dass der Verkauf glatt über die Bühne gehen würde.

Doch das Geschäft kam nach Handelsblatt-Informationen bisher nicht zustande. Im Gegenteil: Die indischen Verhandlungspartner hätten sich genau umgeschaut, heißt es aus Kreisen des Mifa-Vorstands. Sie hätten sich Fertigungsprozesse und Know-how abgeschaut und bei dem Bau einer neuen Fabrik in Indien angewandt. Die Rede ist von Wirtschaftsspionage im großen Stil. Kopieren statt kaufen, so lautet der Vorwurf, zu dem Hero bisher nicht Stellung nahm.

Bei der Mifa übernimmt am Mittwoch ein neuer Vorstandsvorsitzender das Ruder: Der Handels- und Industrieexperte Thomas Mayer (56) erbt den Chefposten von Hans-Peter Barth, der kürzlich mit sofortiger Wirkung abberufen wurde. Mayer sei künftig unter anderem für die finanziellen und rechtlichen Belange des Fahrradbauers verantwortlich. Im vergangenen Jahr machte Mifa einen Verlust von 13,2 Millionen Euro. Auch für das laufende Jahr wird mit einem negativen Ergebnis gerechnet.

Es sieht deswegen alles danach aus, als sei der Gang zum Insolvenzrichter heute unvermeidlich. Der Termin beim Amtsgericht ist bereits eingetragen. Der Millionen-Verlust, den Maschmeyer macht, dürfte die Kosten der Traumhochzeit deutlich übersteigen. Als Trost bleibt vielleicht, dass einem die schönen, und vergleichsweise günstigen Dinge oft länger und klarer in der Erinnerung bleiben, als die unschönen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Mifa und Maschmeyer - Totalschaden in der Fahrradbranche

11 Kommentare zu "Mifa und Maschmeyer: Totalschaden in der Fahrradbranche"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Man wird wohl davon ausgehen dürfen, dass einer der weltgrößten und zudem noch erfolgreichen Fahrradhersteller es nicht nötig hat, bei einem leider an den Rand des Bankrotts, wenn nicht sogar mitten in einen solchen hinein, gewirtschafteten Fahrradhersteller Industriespionage zu betreiben. Erst recht nicht auf dem Wege, dass man sich Einblicke durch die vorgetäuschte Absicht einer aufwendig inszenierten Firmenübernahme verschafft. Eine umgekehrte, gegen die MIFA gerichtete Unterstellung wäre glaubwürdiger. Doch ist man dort, zumindest in dieser Beziehung, allem Anschein nach leider zu ehrlich gewesen.

  • ein asien weit verbreiteter witz.

    was macht man nachdem man einem inder die hand geschuettelt hat ?

    antwort:
    man zaehlt nach ob man noch alle 5 finger hat.

  • Wie erbärmlich - solch eine Unterstellung, zeigt wessen Geistes Kind Sie sind!

    Meine Firmen haben das halbe Erzgebirge mit Fördermitteln der Sächsischen Aufbaubank finanziert. Die meisten Bank-, Bauspar- Versicherungs- und Finanzberater kennen so was nur vom Hören-Sagen!

  • Dass Sie von der Stasi bis auf die Unterhosen ausgezogen wurden, berechtigt Sie doch nicht, unschuldigen Kapitalanlegern in betrügerischer Absicht das Geld aus der Tasche zu ziehen.

  • „Dass Herr Maschmeyer mit getürkten Bilanzen ausgetrickst wurde, ist so eine Art ausgleichender Gerechtigkeit, denn viele seiner ehemaligen geschädigten Kunden gönnen ihm diesen Reinfall“.

    Diese Argumentation ist lediglich ein Alibi gegen die unzähligen Straftaten gegen Westinvestoren! Dies ist absolut unabhängig davon, ob selbsternannte Finanzberater die Bürger ganz legal plünderten – in West und Ost – oder, ob man sein Geld ehrlich verdiente, weil man ein Marklücke ausnutzte und nicht unerheblich zum Aufschwung Ost beigetragen hatte.

    Weil wir uns in Chemnitz weigerten, Schutzgeld an Polizisten und Schmiergeld an Behörden zu bezahlen, erhielten die Sachsen-Jungs einen Freibrief, um jedes Wochenende unsere Baustellen zu plündern.

    Als im Erzgebirge eine Autoschubserbande von Versicherungsdetektiven dingfest gemacht wurde, die einen Versicherungsschaden von über 100 Mio. DM anrichtete, war ich nicht unerheblich an der Aufklärung beteiligt, da ich selbst in solch einen getürkten Unfall verwickelt wurde.
    Involviert waren ganz Dörfer, sowie Richter, Staatsanwälte, Polizisten und Gutachter. Ich musste es bitter büßen. Ich wurde mit Prozessen überzogen, wo die Meineidschwörer in ihren Uniformen voll und ganz auf ihre Kosten kamen!

    Mehrmals wurde ich von der Rechtsaufsichtsbehörde darum gebeten, Bürgermeistern und Kämmerern dabei zu helfen, wie sie aus ihren 5-10 Mio. BHW Bausparverträgen wieder herauskommen, bei Gemeinden mit 5000 Einwohnern wohlgemerkt.
    Hatte die Verträge auf 100.000 reduziert, andere komplett gekündigt und die Abschlussgebühr zurückgefordert, was auch geschah.

    Also ist die Schadensfreude bei Maschmeyer nur ein Alibiargument, die unzähligen Straftaten, sogar Mordanschläge gegen Westinvestoren zu rechtfertigen. Ne, ne. So geht das nicht!!!

    Heut würde ich es ganz genau so machen wie Maschmeyer!! Er hat Hunderte Millionen damit verdient - ich wurde von den Ex-Stasis bis auf die Unterhose ausgezogen.
    http://www.siggi40.de/stasi-nostra/

  • "Carsten Maschmeyer ... Das könnte ihn Millionen kosten.

    Keine Bange, seine Frau kompensiert diesen Verlust sicher durch Einnahmen aus ihren qualitativ hochwertigen Filmen bei den gebührenfinanzierten Sende-"anstalten" von ARD und ZDF...

  • Wenn das so einfach wäre.
    Ein maßgeschneidertes Rad für jeden.
    Was Herrn Wolter da vorschwebt, hätten die Marktführer längst angeboten, wenn es genügend Kunden dafür gäbe.
    Ein ebike mit guter Ausstattung kostet heute fast 3000 €.
    Sogar die Testsieger in dieser Preisklasse werden in Outlet-Läden verramscht.
    Ich habe ein 3000 €-Testsieger-Bike bei einem der großen Anbieter im Outlet-Store fast 700 € billiger erhalten und habe den Kauf nicht bereut.
    Dass Herr Maschmeyer mit getürkten Bilanzen ausgetrickst wurde, ist so eine Art ausgleichender Gerechtigkeit, denn viele seiner ehemaligen geschädigten Kunden gönnen ihm diesen Reinfall.

  • Hochzeitsgeschenk von MIFA
    ----------
    Damit hatte er wohl nicht gerechnet.
    Mifa hatte die Bilanzen "geschönt". Sitzt da ein Grieche mit im Aufsichtsrat?

    Die indischen Verhandlungspartner hätten sich genau umgeschaut, heißt es aus Kreisen des Mifa-Vorstands. Sie hätten sich Fertigungsprozesse und Know-how abgeschaut und bei dem Bau einer neuen Fabrik in Indien angewandt. Die Rede ist von Wirtschaftsspionage im großen Stil. Kopieren statt kaufen, so lautet der Vorwurf, zu dem Hero bisher nicht Stellung nahm.

    Ist auch billiger als selbst zu entwickeln.
    Das haben die Japaner und Koreaner so gemacht, das machen die Chinesen so und jetzt auch die Inder.

  • Leider irren Sie sich hier. Mifa hatte Steppenwolf übernommen, einen bayerischen Hersteller, der eben dieses Prinzip verfolgte. Es gab zwar das Fahrrad von der Stange, es konnte aber auch vollständig konfiguriert werden. Ich selbst besitze ein Steppenwolf. 2012 ging der Hersteller in Insolvenz.

    http://www.dgap.de/news/corporate/mifa-uebernimmt-premiumhersteller-steppenwolf_1133_729996.htm

    Im Rahmen meines Studiums simulierten wir mit EIS einen Fahradhersteller. Dabei wurden zwei Strategien verfolgt, Premium oder Masse. Hier zeigten sich schon die Schwierigkeiten bei drei Herstellern. Heute gibt es davon zu viele, die doch alle das selbe Produkt anbieten. Spielraum gibt es da nur sehr wenig.

    Der Trend geht zur Konsolidierung. Insb. Unternehmen wie die Accell Group oder Trek spielen dabei eine große Rolle. Kleine, traditionsreiche unternehmen bleiben dabei auf der Strecke. Fahrrad ist heute nicht mehr gleich Fahrrad, sondern High Tech. Und das können die kleineren Unternehmen nicht mehr bedienen.

  • Meine Meinung, ist dass man wusste das die Inder nicht einsteigen werden. Aus diesen Grund hat man die Anleihgläubiger zu einem hohen Selbstverzicht ihrer Forderungen gebracht.

    Jetzt sollte dieses Tränenkabinett aufhören und den Gläubigern für ihre Anteile neue Aktien im Tausch dieser ausgeben.

    Hintergrund:

    Der starke Euro wird nicht mehr existieren. Draghi verwässert den Euro der Art stark, dass nicht mal davon ausgegangen werden kann, dass der Euro sich bei einer Dollarparität halten könnte, denn die USA verwenden zukünftig das alte strategische DMark-Modell.

    Eine Sanierung durch den Tausch von Anleihen in neue Aktien wäre daher ein guter positiver Schritt für alle Beteiligten.

    Ich persönlich würde zu einem Nennwert von 10% der Anleihe diese kaufen. Den Preis halte ich für fair.

    Mit freundlichem Gruß

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%