Mikroelektronik
Chiphersteller in der Sackgasse

Nach Qimonda erschüttert eine zweite Pleite die Branche: Jetzt sucht der US-Konzern Spansion Schutz vor den Gläubigern. Die Pleite von Spansion ist keine Überraschung. Seit der Abspaltung von der Konzernmutter AMD im Jahr 2005 hat die Firma keinen Cent verdient.

MÜNCHEN. Der Halbleiterproduzent Spansion ist pleite. Weil die Amerikaner die Zinsen auf eine Anleihe nicht mehr bezahlen können, hat das Unternehmen jetzt Gläubigerschutz nach Chapter 11 des amerikanischen Insolvenzrechts beantragt. Der Hersteller sogenannter Flash-Chips folgt damit dem Münchener Wettbewerber Qimonda, der bereits vor fünf Wochen Insolvenz angemeldet hat.

Die Pleite von Spansion ist keine Überraschung: Seit der Abspaltung von der Konzernmutter AMD im Jahr 2005 hat die Firma keinen Cent verdient. In guten wirtschaftlichen Zeiten konnte sich Spansion gerade noch über Wasser halten. Seit Beginn der Wirtschaftskrise im vergangenen Sommer sind die Umsätze aber eingebrochen, für Spansion wurde es dadurch immer enger. Ende Februar schaffte es das Unternehmen dann nicht mehr, eine fällige Zinszahlung zu leisten.

Die Halbleiter-Branche gehört zu den Industrien, die am härtesten von der Wirtschaftskrise getroffen werden. Der Umsatz der Branche lag im Januar bei nur noch 15,3 Mrd. Dollar, wie der amerikanische Branchenverband Sia gestern mitteilte. Das sind 28,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit setzt sich der Abwärtstrend der Vormonate nahtlos fort. "Die Januar-Daten zeigten erneut, wie verunsichert die Kunden sind", sagte Sia-Präsident George Scalise.

Qimonda und Spansion sind die ersten prominenten Opfer der tiefen Rezession in der Branche. Es ist kein Zufall, dass es genau diese Unternehmen getroffen hat. Beide Hersteller hatten bereits mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, als sie noch Teil größerer Konzerne waren: Qimonda war bis 2006 ein Bereich von Infineon, Spansion ein Gemeinschaftsunternehmen von Fujitsu und AMD. Beide Firmen wurden abgespalten, weil den Muttergesellschaften das Geschäft zu riskant war. Auf eigenen Beinen haben es Qimonda und Spansion jedoch nicht geschafft, genügend Mittel für schlechte Zeiten anzusammeln.

Beide Unternehmen suchen jetzt händeringend nach Investoren. Allerdings müssen sich Interessenten auf eine lange Durststrecke einstellen. Die Analysten von Gartner gehen davon aus, dass die Umsätze der Chipbranche dieses Jahr weltweit um rund ein Viertel auf 194,5 Mrd. Dollar schrumpfen. Im schlimmsten Fall könnte es sogar um ein Drittel nach unten gehen. Erst 2013 werde die Industrie wieder das Niveau des vergangenen Jahres erreichen, prognostizieren die Experten.

Spansion bezeichnet sich selbst als weltweit führenden Hersteller von Flash-Chips und beschäftigt knapp 9 000 Mitarbeiter. Das Unternehmen produziert spezielle Halbleiter, die etwa in Handys eingebaut werden, um Daten zu speichern. Diese wurden aber in jüngster Zeit immer öfter durch eine alternative Flash-Technologie ersetzt, die günstiger ist. Spansion sitzt auf Schulden in Höhe von 2,4 Mrd. Dollar. Dem stehen Vermögenswerte von 3,8 Mrd. Dollar gegenüber. In den ersten neun Monaten 2008 ist ein Verlust von 352 Mio. Dollar aufgelaufen. Der Umsatz erreichte 1,8 Mrd. Dollar.

Seite 1:

Chiphersteller in der Sackgasse

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%