Milchkonzern
Lactalis will Parmalat kaufen

Nun liegt das Angebot auf dem Tisch: Der französische Molkereikonzern Lactalis will den italienischen Rivalen Parmalat für knapp 3,4 Milliarden Euro ganz übernehmen.
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Mailand

Lactalis hatte seinen Anteil an dem Lebensmittelkonzern im März bereits auf 29 Prozent verdoppelt und bemüht sich seitdem um die Kontrolle über Parmalat. Das Vorpreschen der Franzosen war in der italienischen Politik allerdings auf Vorbehalte gestoßen.

Dort macht man sich Sorgen, dass immer mehr italienische Großkonzerne von französischen Firmen aufgekauft werden. Die Regierung in Rom arbeitet bereits an einem Fonds nach französischem Vorbild, um strategisch wichtige Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen.

Lactalis ist die größte Molkerei in Europa, selbst aber nicht an der Börse gelistet. Das Unternehmen kündigte an, 2,60 Euro je Aktie für Parmalat zu zahlen. Das Angebot entspreche einem Aufschlag von gut 21 Prozent auf den durchschnittlichen Kurs in den vergangenen zwölf Monaten. Parmalat solle an der Mailänder Börse notiert bleiben. Experten rechnen nun mit einem Gegenangebot aus Italien. "Lactalis hätte es nicht besser machen können", sagte Analystin Simone Ragazzi von der Centrobanca. "Als nächstes wird vermutlich eine italienische Gegenofferte kommen."

Als Lactalis jüngst seinen Parmalat-Anteil aufstockte, gingen in Rom die Alarmglocken an: Die Regierung fürchtet, eines der bekanntesten Unternehmen des Landes könnte unter ausländische Kontrolle geraten. Erst kürzlich kündigte der französische Luxusgüterkonzern LVMH an, den italienischen Uhren- und Schmuckhersteller Bulgari zu kaufen. Zudem streiten italienische und französische Aktionäre um den italienischen Versorger Edison.

Eigentlich hatte Lactalis gehofft, bei einem Aktionärstreffen im April seine Kandidaten in den Verwaltungsrat zu bringen und dadurch die Kontrolle zu übernehmen. Durch ein Dekret der Regierung in Rom wurde das Treffen aber auf Ende Juni verschoben - genügend Zeit also für ein rein italienisches Konsortium, um eine Offerte vorzubereiten.

Parmalat war 2003 zusammengebrochen. Die Firma gilt als attraktives Übernahmeziel, auch wegen der 1,4 Milliarden Euro in bar, die sich unter anderem aufgrund juristischer Vergleiche nach dem Kollaps angesammelt haben. Parmalat-Aktien legten bis zum frühen Nachmittag um mehr als elf Prozent zu auf 2,57 Euro.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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