Milchwirtschaft und Fleischwarenbranche
Fressen oder gefressen werden

Die deutsche Milchwirtschaft und auch die Fleischwarenbranche stehen vor der größten Übernahmewelle ihrer Geschichte. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Rölfs Partner Management Consultants und des Handelsblatts, die im Oktober erscheint.

DÜSSELDORF. Für diese Entwicklung spreche, so die Autoren der Studie, vor allem der geringe Konzentrationsgrad beider Branchen: In der deutschen Milchwirtschaft bestimmen die fünf größten Unternehmen nur ein Viertel des Marktes.

In der Fleischwarenbranche sieht es kaum anders aus. Ihnen gegenüber stehen auf Handelsseite nur eine Handvoll, dafür aber mächtige Akteure wie Rewe und Edeka sowie die Discounter Aldi und Lidl. Die Einzelhändler nutzen zunehmend ihre Einkaufsmacht, um für möglichst wenig Geld bei ihren Lieferanten die beste Ware zu bekommen.

Wenn sich das Kräfteverhältnis weiter zugunsten des Einzelhandels verlagern sollte, werde sich das Einkaufsverhalten von Aldi, Edeka und Co. vor allem bei Frisch- und Kühlprodukten verändern, hatte vor Jahren schon eine Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young prophezeit.

Genau das ist inzwischen eingetreten. Der Einzelhandel kauft inzwischen nicht mehr einzelne Produkte oder Sortimente, sondern interessiert sich für die gesamte Wertschöpfungskette - von den Zutaten bis hin zur Produktion in inzwischen eigenen Fabriken . Eine Entwicklung, die in der Fleischwarenbranche bereits zu beobachten ist. So produzieren Edeka und Rewe ihre Handelsmarken bereits in eigenen Fleischwerken.

Der ursprünglich reine Einzelhändler Edeka ist mit einem geschätzten Umsatz von fast zwei Milliarden Euro inzwischen sogar der größte deutsche Fleischwarenhersteller. Edeka liegt damit weit vor Markenproduzenten wie der Bochumer Firma Zimbo oder der Nestlé-Tochter Herta.

"Eine Analyse der Konsolidierungsdynamik der Branche lässt auf eine deutliche Konzentration in den nächsten Jahren schließen", sagt Martin Tschochner, Partner von Rölfs Partner und einer der Autoren der Studie.

Dieses Tendenz wird auch auf den internationalen Fachmessen für Molkereiprodukte, Tiefkühlkost, Fleisch und Wurst (Inter-Mopro, Inter-Cool, Inter-Meat), die am kommenden Sonntag in Düsseldorf beginnen, für reichlich Gesprächsstoff sorgen. Gemeinsam mit der parallel stattfindenden Fachmesse für Hotellerie, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung (Hogatec) präsentieren mehr als 1 500 Aussteller aus dem In- und Ausland ihre neuen Produkte. Insgesamt werden nächste Woche mindestens 75 000 Fachbesucher in Düsseldorf erwartet.

In der bisher von Konzentrationstendenzen noch wenig erfassten Molkereiwirtschaft sowie im Fleisch verarbeitenden Gewerbe wird es nach Ansicht von Experten schon bald nicht anders zugehen als auf anderen Märkten, wo es schon länger heißt: Fressen oder gefressen werden.

Ein Prozess, der in anderen Sparten der Nahrungsmittelindustrie längst abläuft. Das hat zuletzt die milliardenschwere Übernahme des zuvor lange als unverkäuflich geltenden US-Kaugummikonzerns Wrigley durch den Schokoladenriegelhersteller Mars gezeigt, genau so wie der fast schon handstreichartig vorbereitete Kauf der amerikanischen Großbrauerei Anheuser-Busch durch den belgisch-brasilianischen Braukonzern Inbev. ;

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