Militärtransporter
EADS will A400M-Risiko abschieben

EADS will offenbar bessere Vertragsbedingungen für A400M durchsetzen. Dieser Rückschluss drängt sich zumindest auf angesichts der neusten Aussagen des Konzerns im Hinblick auf den A400M: Airbus droht indirekt mit dem Aus des Militärtransporters, wenn sich die Vertragsmodalitäten nicht ändern sollten.

MÜNCHEN. Das Geschacher um den Militärtransporter A400M geht in eine neue Runde. Am Montag bestätigte der Airbus-Mutterkonzern EADS, den Vertrag zum Bau der A400M ändern zu wollen. Die wichtigste Vertragsänderung sorgt in der Branche für Zündstoff: Demnach will EADS die Entwicklung und Lieferung der Triebwerke aus dem Vertrag ausgliedern. Bereits am Wochenende hatte sich Airbus-Chef Tom Enders für eine Trennung zwischen Triebwerk und Flugzeug ausgesprochen.

Die Triebwerke sind das größte Problem bei der A400M: Die Ingenieure bekommen die mächtigen Aggregate nicht in den Griff. Anders als in der Branche üblich, sieht der A400M-Vertrag die Lieferung des Flugzeugs einschließlich der Triebwerke vor. Damit trägt EADS das volle technische und wirtschaftliche Risiko. Das Desaster ist perfekt: Laut Vertrag müssten die ersten Flugzeuge in diesem Jahr ausgeliefert werden, jedoch drohen jetzt mindestens drei bis vier Jahre Verzögerung.

„Einen solchen Vertrag hätten wir niemals unterschreiben dürfen“, klagt Enders. Der Mutterkonzern EADS will die Triebwerkshersteller jetzt in die Pflicht nehmen. Im derzeitigen Vertrag sind sie nur Lieferanten für den Generalunternehmer EADS. Die Konsequenzen sind für den Konzern verheerend: Während die Haftung des Triebwerkskonsortiums Europrop International GmbH (EPI) auf maximal 200 Mio. Euro begrenzt ist, beziffert EADS ihr Risiko auf 5,7 Mrd. Euro, sollten die Bestellnationen den Liefervertrag über 192 Maschinen kündigen.

EPI lehnte am Montag jede Stellungnahme ab. Auch ein Sprecher der deutschen MTU wollte den Vorstoß von EADS nicht kommentieren. MTU ist gemeinsam mit der britischen Rolls-Royce, der französischen Snecma und Spaniens ITP Partner im EPI-Konsortiums. Branchenkreisen zu Folge wollen die EPI-Partner auf ihrem komfortablen Vertrag gegenüber EADS bestehen.

Die Airbus-Mutter wiederum kämpft gegen die Zeit, denn die sieben Bestellnationen haben nach der jüngsten Verspätung Enders und EADS nur eine kurze Gnadenfrist eingeräumt. Bis Ende Juni muss EADS die revidierten und verbindlichen Lieferpläne für die A400M vorlegen, bis dahin verzichten die Nationen auf ihr Kündigungsrecht. Noch halten Spanien, Frankreich und Deutschland schützend ihre Hand über das Projekt und verhindern das Aus des Militärtransporters, das alle Nationen einstimmig beschließen müssten. Paris und Madrid sind direkt an EADS beteiligt, Berlin indirekt.

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