Militärtransporter
EU-Länder haben Geld für A440M zusammen

Die Abnehmerländer des Militärtransporters A400M sollen sich auf die Finanzspritze für Hersteller Airbus geeinigt haben. Mit 3,5 Milliarden Euro extra soll der Konzern für sein Flugzeug rechnen können.
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Paris

Das Gefeilsche um das Milliarden-Rettungspaket für den Militärtransporter A400M ist Kreisen zufolge beendet. Die europäischen Abnehmerländer des Airbus-Flugzeugs sollten noch am Donnerstag das lange erwartete Abkommen für eine staatliche Finanzspritze von 3,5 Milliarden Euro unterzeichnen, sagten am Dienstag mehrere Personen, die mit dem Vorgang vertraut sind. Regierungsvertreter von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Belgien, Spanien, Luxemburg und der Türkei wurden dazu ins spanische Sevilla eingeladen. Dort wird das Flugzeug A400M gebaut.

Die sieben Käuferstaaten des A400M hatten sich bereits im März 2010 auf Milliardenhilfen verständigt. Sie akzeptierten eine Preiserhöhung um zwei Milliarden Euro und gewährten dem Hersteller EADS außerdem einen Vorschuss von 1,5 Milliarden Euro auf künftige Exportgewinne. Damit sollten rund 10.000 Arbeitsplätze gesichert und die Rüstungsindustrie gestützt werden. In der Zwischenzeit rutschte Europa aber in eine Schuldenkrise und viele Staaten müssen den Gürtel enger schnallen. Zahlreiche Verhandlungen über das Rettungspaket waren die Folge. Besonders Großbritannien sperrte sich Kreisen zufolge gegen den Vorschuss. Zudem kam EADS jüngst wegen der überraschend vollen Firmenkasse im vergangenen Jahr in Erklärungsnot. Der Konzern hatte seinen Kollaps angedroht, sollte der A400M-Preis nicht nachgebessert werden.

EADS hat Probleme mit dem massiven Turboprop-Triebwerken für die Verzögerungen bei dem Militärtransportflugzeug verantwortlich gemacht. Der Konzern räumte aber auch ein, Fehler gemacht und sich zunächst zu sehr auf den ebenfalls verspäteten Großraumjet A380 und interne Querelen des früheren Managements konzentriert zu haben. Die A400M hat eine Verspätung von vier Jahren. Die Flugzeuge sollen ab 2013 ausgeliefert werden. Im Rahmen der Einigung wurde die Bestellung um zehn Maschinen auf insgesamt 170 reduziert.

Deutschland nimmt nur noch 53 anstatt der geplanten 60 Flugzeuge ab, Großbritannien kappte seine Order um drei auf 22 A400M. Bei der Bundeswehr soll der Militärtransporter ab 2014 nach und nach die über 30 Jahre alten Transall ersetzen. Während der Airbus-Mutterkonzern EADS nach den langen Verhandlungen am Ziel scheint, läuft es bei den Verkehrsmaschinen von Airbus derzeit nicht so rund. Der im französischen Toulouse ansässige Boeing-Konkurrent verkaufte von Januar bis März lediglich ein Flugzeug. Zwar gingen Aufträge über 69 Maschinen ein, dem standen aber 68 Stornierungen gegenüber. Boeing verzeichnete im gleichen Zeitraum netto - also abzüglich der Stornierungen - 88 Aufträge.

Allerdings erfreut sich die modernisierte Version des Airbus-Verkaufsschlagers A320 großer Beliebtheit. Bislang lägen bereits 300 Kaufabsichtserklärungen vor, teilte Airbus am Mittwoch mit. Der Flugzeugbauer entschied daher, die Auslieferungen der A320neo um sechs Monate auf Oktober 2015 vorzuziehen. Mit neuen Triebwerken und aerodynamisch modernisierten Flügel-Enden soll die A320neo bis zu 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen. Airbus hatte die Aufpolierung des Modells im Dezember bekanntgegeben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Nichts fliegt und schon wieder Geld für die Manager und Experten. Billiger und gerechter wäre es, die Manager und Experten erhalten ab sofort kein Geld mehr bis das Flugzeug beim Kunden fliegt zum Angebotspreis. Die Differenz hat der Hersteller zu tragen!

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