Millenials und die Karriere

Chef werden? Nein, danke!

Nur noch eine Minderheit an jungen Leuten träumt davon, einmal Geschäftsführer oder sogar Unternehmer zu werden. Auch ihre Einstellung zum Geld hat sich einer Studie zufolge verändert. Was Millennials vom Job erwarten.
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Eine Umfrage zeigt einmal mehr, dass für junge Menschen im Job Inhalt und Atmosphäre mehr zählen als Hierarchie.
Junge Chefs

Eine Umfrage zeigt einmal mehr, dass für junge Menschen im Job Inhalt und Atmosphäre mehr zählen als Hierarchie.

DüsseldorfWer schon in jungen Jahren Führungsverantwortung zeigt, ist in Unternehmen gerne gesehen. Das gibt Pluspunkte im Bewerbungsgespräch, denn für die Firmen ist es wichtig, mögliche Managementtalente früh zu erkennen und ihnen den Karriereweg zu ebnen. Auf der Karriereleiter bis hoch ins Topmanagement zu klettern, das schwebte früher vielen Nachwuchskräften vor.    

Doch heute träumen nur noch wenige junge Leute davon, einmal Chef zu sein. Das unterstreicht eine aktuelle Umfrage des Personaldienstleisters Manpower. In 25 Ländern wurden rund 19.000 junge Berufstätige zu ihren Karrierewüschen gefragt. Sie sind im Alter von 20 bis 34 Jahren gehören damit zur Generation der sogenannten „Millennials“.

In Deutschland gaben nur 13 Prozent der Befragten an, dass die Übernahme einer Führungsrolle zu ihren Karrierezielen gehört. Nur vier Prozent möchten einmal Chef werden, nur sechs Prozent träumt davon, ein eigenes Unternehmen zu besitzen. Deutschlands Nachwuchs liegt damit im internationalen Vergleich zurück: Im Vergleich der 25 Länder war die Quote der Führungsrollen-Muffel nur in Norwegen und Japan noch höher.

Wie schlechte Chefs ihre Mitarbeiter vergraulen
Mitdenken nicht erwünscht
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Wunsch: Manuel B., 23, arbeitet im Bereich Kundenservice im Back Office. Er möchte, dass Vorgesetzte ihn ernst nehmen und ihm Handlungsspielraum lassen. Sein Chef muss für ihn ein Vorbild sein. Respekt erhält ein Vorgesetzter von Manuel, wenn er seine Sache gut macht und ihm etwas beibringen kann – nicht umgekehrt.
Mitarbeiterrealität: Manuel B. ist unzufrieden mit seinem Chef, denn er fühlt sich nicht gefördert. Er ist ein flinker Kopf und denkt mit. Wenn er ineffiziente Arbeitsschritte und Fehler identifiziert, will er sie gerne verändern – am liebsten eigenständig. Auch beim Chef entdeckt er solche Fehler. Der will aber nichts davon wissen – Manuel hat nichts zu melden. Er soll sich gefälligst an die Arbeitsanweisungen halten – das war’s.

Im Ton vergriffen
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Wunsch: Inge S., 49, arbeitet in einer sozialen Einrichtung. Sie wünscht sich, dass Vorgesetzte freundlich und angemessen kommunizieren. Insbesondere mit den psychisch erkrankten Menschen erwartet sie einen einfühlsamen Umgang.
Mitarbeiterrealität: Inge S. erlebt ihre Chefin als dominant und unsensibel: „Sie verträgt keine Kritik, teilt aber gut aus. Sie versucht mir Arbeiten aufzudrücken, auch wenn ich ihr sage, dass das die Kollegin macht. Wenn jemand in ihr Büro kommt und sie im Gespräch stört, reagiert sie sehr genervt und unwirsch. Das ist unsachgemäß und für eine Chefin nicht gebührlich.“

Ich kompetent, du nicht
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Wunsch: Lara M., 27, ist Personalreferentin. Sie braucht eine Führungskraft, die ihr Anerkennung zeigt, sie unterstützt und ihr Selbstsicherheit gibt: „Sie muss ansprechbar sein, wenn ich Schwierigkeiten habe, ohne dass mir das als Inkompetenz ausgelegt wird. Ich möchte spüren, dass meine Arbeit und das, was ich tue, gesehen werden. Auch der menschliche, herzliche Umgang ist mir wichtig.“
Mitarbeiterrealität: Lara M. fühlt sich verunsichert und demotiviert. Sie wurde schlecht eingearbeitet, dafür wird sie nun von ihrem Chef umso mehr kontrolliert. Sie erhält von ihm sehr viel Kritik und wenig positive Rückmeldung: „Ich weiß immer schon, egal wie ich es mache, ist es ihm sowieso nicht recht. Das nagt sehr an meinem Selbstbewusstsein. Er verhält sich immer nach dem Motto ‚Ich bin der Chef und nur was ich sage, ist richtig‘.“

Leise Töne überhört
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Wunsch: Barbara L., 56, ist Verwaltungsangestellte. Für sie ist es wichtig, dass Vorgesetzte sie und die anderen Mitarbeiter gleichberechtigt behandeln. Sie möchte, dass ihr Chef ihren Verantwortungsbereich respektiert und sich genauso an die Regeln hält, wie es von ihr selbst erwartet wird.
Mitarbeiterrealität: Barbara L. erlebt leider etwas anderes: „Er hört die Mitarbeiter mehr, die lauter schreien. Ich bin eher ruhiger und setze mich nicht so stark durch. Dadurch komme ich oft kürzer.“ Neulich setzte ihr Chef einfach einen neuen Lieferanten ein, ohne sie darüber zu informieren, geschweige denn sich mit ihr abzustimmen. „Da stehe ich bei den anderen dumm da, wenn ich nicht einmal darüber Bescheid weiß.“

Wo das Chaos regiert
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Wunsch: Bettina O., 38, ist verantwortlich für die interne Kommunikation in ihrem Unternehmen. Sie arbeitet sehr gerne selbstständig und liebt eine „lange Leine“. Von Vorgesetzten braucht sie eigentlich nur eine klare Richtungsvorgabe. Dabei wünscht sie sich auch, dass ihr Chef ein Bild davon hat, was sie tut.
Mitarbeiterrealität: Bettina O. stellt ihre Strategie alleine auf. Ihre Vorschläge werden kritisiert, aber Verbesserungshilfen erhält sie keine. Sie sieht ihren Chef nur sehr unregelmäßig: „Er weiß dadurch oft gar nicht, was bei mir los ist. Manchmal besprechen wir meine Prioritäten und später fragt er nach der unwichtigsten davon. Oder er fragt mich, ob ich Zeit hätte, zu einem Meeting zu gehen, obwohl ich ihm kurz vorher gesagt habe, dass ich nicht weiß, wo mir der Kopf steht.“

Am Team vorbeigeschaut
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Wunsch: Karla D., 42, arbeitet als Psychologin in einer Klinik. Sie schätzt es, sich regelmäßig im Team auszutauschen. Sie wünscht sich, dass Vorgesetzte offen für Verbesserungsvorschläge sind und gute Rahmenbedingungen für ihre Arbeit schaffen: „Eine Führungskraft sollte nicht nur die Sachebene, sondern genauso das Team im Blick haben.“
Mitarbeiterrealität: Karla D. erkennt: „Mein Chef vernachlässigt seine Führungsrolle.“ Mitarbeitergespräche gibt es kaum. In der Arbeit mit Patienten erfährt sie Unterstützung, aber nicht, wenn es um ihre Belange geht. Es gab bereits einige längere krankheitsbedingte Ausfälle unter ihren Kollegen, trotzdem ändert der Chef nichts. Auch unterstützt er wenig, dass das Team gemeinsam Fälle bespricht und sich berät.

Warten auf den Chef
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Wunsch: Dieter K., 58, ist Projektleiter. Er arbeitet am liebsten, wann er möchte und so, wie er es für richtig hält. „Mein Chef soll mich einfach in Ruhe meine Arbeit machen lassen. Ich brauche eigentlich nicht unbedingt einen Chef, zumindest keinen, der mir alles vorschreibt“, sagt er. Er wünscht sich eine flexible Gestaltung von Prozessen und Vertrauen von seinem Chef.
Mitarbeiterrealität: Dieter K. ärgert sich über seinen Chef: „Ich engagiere mich, arbeite sogar an Urlaubstagen, und wenn ich dann mal aus privaten Gründen nicht da bin, macht er gleich eine große Welle. Wenn ich hingegen etwas von ihm brauche, ist er schwer zu erreichen.“ Auch Kalkulationen für kleinere Standardangebote muss Dieter K. vom Chef absegnen lassen. Der lässt mit einer Antwort aber gerne auf sich warten.

Dabei ist es keineswegs so, dass nur junge Leute in Schwellenländern auf jeden Fall einmal Chef werden wollen. In Frankreich erklärten 29 Prozent der Befragten dies zu ihrem Karriereziel. Überraschend dabei: In Frankreich ist die Bereitschaft zur Übernahme von Führungsverantwortung bei jungen Frauen und Männern fast gleich hoch. In Deutschland reizt das Thema Führung deutlich mehr Männer als Frauen.

Die Manpower-Umfrage zeigt einmal mehr, dass für junge Menschen im Job Inhalt und Atmosphäre mehr zählen als Hierarchie. Einem Drittel der Befragten ist es wichtig, in ihrem Berufsleben mit „großartigen Menschen“ zusammenzuarbeiten. 14 Prozent wollen mit ihrer Arbeit einen „positiven Beitrag zum Ganzen“ leisten. Und Geld spielt für sie auch eine bedeutende Rolle: 27 Prozent gaben als Karriereziel an, einmal viel Geld zu verdienen.

So zufrieden sind deutsche Arbeitnehmer
Deutsche sind zufriedener als erwartet
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Die deutschen Arbeitnehmer sind zufriedener in ihrem Job als Personal-Experten denken. Das geht aus der aktuellen Zufriedenheits-Studie des Karriereportals Linkedin hervor, an der hierzulande 1000 Arbeitnehmer und mehr als 500 Personaler teilnahmen. So gehen die HR-Experten mehrheitlich davon aus, dass jeder vierte Mitarbeiter „gar nicht“ oder „nicht sehr erfüllt“ ist – tatsächlich ist das nur bei jedem Zehnten der Fall.

Deutsche sind zufriedene Arbeitnehmer
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Im Vergleich zu anderen Ländern sind deutsche Arbeitnehmer laut der Studie am zufriedensten. Mehr als 56 Prozent der Befragten hierzulande gaben an, erfüllt oder sehr erfüllt im Job zu sein. Männer sind demnach tendenziell glücklicher über ihren Job als Frauen.

Personaler bewerten Gehalt über
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Eine gute Beziehung ist für deutsche Arbeitnehmer laut Studie am wichtigsten, um am Arbeitsplatz glücklich zu sein. Erst dann folgen das Gehalt und die Möglichkeit, bei der Arbeit eigene Ideen einzubringen und auch umzusetzen. Doch vielen deutschen Personalern ist nicht bewusst, welche Faktoren Mitarbeiter zufrieden machen: In der Befragung schätzen HR-Experten den Faktor Gehalt als den wichtigsten ein, gefolgt von der Beziehung zu Kollegen und zum Vorgesetzten. Die Möglichkeit, eigene Ideen zu realisieren, kommt bei ihnen erst an neunter Stelle.

Work-Life-Balance ist elementar
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Dass das Gehalt für viele deutsche Arbeitnehmer eine untergeordnete Rolle spielt, zeigt sich auch bei der Befragung zur Work-Life-Balance: Für ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben würden fast acht von zehn Angestellten laut Studie eine Lohnkürzung in Kauf nehmen.

Je höher die Position, umso zufriedener der Mitarbeiter
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Je höher ein Mitarbeiter die Karriereleiter in einem Unternehmen erklimmt, desto zufriedener ist er laut Untersuchung. Während im Junior-Level jeder Zehnte angibt zufrieden zu sein, macht diese Angabe im geschäftsführenden Bereich jeder dritte Angestellte.

Im Mittelstand sind Mitarbeiter unzufriedener
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Wenn es um Mitarbeiterzufriedenheit geht, müssen mittelständische Unternehmer offenbar nachsitzen: Während in Kleinst- und Großunternehmen drei Viertel aller Mitarbeiter angaben, glücklich zu sein, machte im Mittelstand nicht einmal jeder Zweite diese Angabe. Dabei können sie Arbeitskräfte nur an sich binden, wenn sie für Zufriedenheit am Arbeitsplatz sorgen. Die Umfrage ergab außerdem, dass die große Mehrheit der Personaler davon überzeugt ist, dass glückliche Mitarbeiter nicht nur länger im Unternehmen bleiben, sondern produktiver sind und als Markenbotschafter für den Betrieb fungieren.

In Dortmund gibt es die meisten zufriedenen Mitarbeiter
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Obwohl in Dortmund die Arbeitslosenquote mit 11,6 Prozent im September 2016 deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt liegt, sind die Arbeitnehmer in der Ruhrpott-Metropole die zufriedensten in der Republik: Sechs von zehn Studienteilnehmern aus Dortmund gaben an, glücklich über ihren Job zu sein. Auf Platz zwei landet Berlin, gefolgt von Stuttgart, Köln und Hamburg.

Die hohe Zahl der Führungsrollen-Muffel könnte sich für die Unternehmen als großes Problem erweisen. Zwar bauen viele Firmen Hierarchieebenen ab und streichen Posten im mittleren Management. Dennoch sind  auch in den modernen Arbeitswelten Chefs nötig. „Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass sich die deutsche Wirtschaft zukünftig zusätzlich zum Fachkräfte- auch auf einen Führungskräftemangel einstellen muss“, sagt Herwarth Brune, Chef von Manpower in Deutschland.

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4 Kommentare zu "Millenials und die Karriere: Chef werden? Nein, danke!"

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  • @Marc Hofmann: ...anwendbar ist... Life-Balance... so ist es richtig!

  • @Franz Paul: Einfach nur genial, ja, es ist so!

    @Marc Hofmann: Haben Sie nicht gestern noch vom Jobcenter gesprochen und Ihrem Ärger, den sie mit ihm haben? Würde somit meinen, dass das Wort working-life (nicht live) ist deshalb bei Ihnen gar nicht anwendbar, sondern eher nur Live-Balance. Und die wiederum sieht dann wiederum gar nicht so gut aus, meine ich ;-)

  • Wer wird denn auch so blöd sein und sich in Deutschland noch um irgendwas bemühen? Schmeiß deinen Pass weg, schrei Asyl! Asyl! und du erhältst Vollversorgung bis an dien Lebensende.
    Wozu denn was gescheites lernen? Man kann auch ohne jede Bildung Bundestags-Vizepräsidentin werden. Wozu eine Firma gründen? Zahllose Behörden und Institutionen schlagen vom ersten Tag an auf dich ein, behindern, verbieten, kontrollieren, kassieren, und wenn du es geschafft hast, gibt es neue Gesetze, Veordnungen und Vorschriften, und deine ganze Branche wird von GrünLinks abgeschafft. Nee, Deutschland hat fertig. Lohnt sich nicht mehr.

  • Wer will denn heute noch Chef sein?
    Viel zu viel Verantwortung bei niedrigem Privatanteil.
    Da sieht meine working-live-Balance erheblich besser aus.

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