Milliarden-Angebot für Botox-Hersteller
Pharmabranche greift zur Übernahme-Spritze

Der kanadische Pharmariese Valeant bietet fast 50 Milliarden Dollar für den Botox-Hersteller Allergan. Außerdem tauschen Novartis und Glaxo-Smithkline Unternehmensteile – eine Übernahmewelle in der Branche könnte folgen.
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DüsseldorfMit Botox lassen sich Prominente nicht nur ihre Falten wegspritzen. Das Nervengift ist auch als Behandlungsmittel gegen Migräne, Blasenschwäche oder neurologische Bewegungsstörungen im Nacken zugelassen. Das macht begehrt – und teuer. Am Dienstag gab der kanadische Pharmariese Valeant Pharmaceuticals bekannt, dass er den Botox-Hersteller Allergan übernehmen will.

Das Angebot hat es in sich: Knapp 46 Milliarden Dollar ist Valeant dem US-Hersteller wert. Der Finanzinvestor und Allergan-Großaktionär William Ackman unterstützt die Offerte.

Die Pharmabranche ist in Bewegung. Am Dienstagmorgen hatten Novartis und Glaxo-Smithkline (GSK) mit einem Tauschgeschäft bereits für einen Paukenschlag gesorgt. Der Schweizer Konzern Novartis, nach Pharmaumsätzen die Nummer zwei der Welt, und die britische GSK tauschen verschiedene Sparten miteinander und gründen zusätzlich ein Gemeinschaftsunternehmen. Auch das US-Unternehmen Eli Lilly ist mit von der Partie und bekommt im Rahmen des Konzernumbaus von Novartis eine Sparte ab.

„Die Entwicklung ist spannend und es ist durchaus möglich, dass eine neue Phase von Fusionen und Übernahmen bevorsteht“, sagte sagte Analyst Thorsten Strauß von der NordLB zu Handelsblatt Online.

Konkret kauft Novartis seinem Konkurrenten Glaxo-Smithkline für 14,5 Milliarden Dollar (10,5 Milliarden Euro) das Geschäft mit Krebsmedikamenten ab. Im Gegenzug verkaufen die Schweizer GSK für 7,1 Milliarden Dollar ihre Impfsparte. Eli Lilly übernimmt für 5,4 Milliarden Dollar den Bereich für Tiergesundheit von Novartis.

Im Rahmen der Vereinbarung gründen Novartis und GSK ein Gemeinschaftsunternehmen für rezeptfreie Medikamente – laut dem Baseler Unternehmen entsteht dadurch eine der weltweit führenden Firmen für Gesundheitsprodukte. Novartis wird an dem neuen Unternehmen einen Anteil von 36,5 Prozent halten. Die Gründung des Joint Ventures sei überraschend, sagte NordLB-Analyst Strauß. Derartige Vertriebsvereinbarungen sind zwar nicht neu, waren in den vergangenen Jahren aber eher die Ausnahme.

Dem am Dienstag verkündeten Mega-Deal war eine Strategie-Überprüfung bei Novartis vorausgegangen. In einem ersten Schritt verkaufte das Management um Konzernchef Joe Jimenez im November das Geschäft mit Bluttransfusions-Diagnostik an die spanische Grifols. Nicht hinterfragt werden die drei großen Bereiche Pharma, Generika und Augenheilkunde. „Die Transaktionen markieren eine Neuausrichtung des Konzerns“, erklärte Jimenez am Dienstag.

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  • Nachdem die Pharmaforschung de facto eingestellt wurde gehts ans Tauschen: wie beim Autoquartett...

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