Milliarden-Anleihe Tesla verbrennt weiter Geld

Der Elektropionier Tesla gilt vielen als Vorbild. Doch die Kalifornier arbeiten vor dem Einstieg in den Massenmarkt immer noch mit deutlichen Verlusten. Nun werben sie bei Anlegern um frisches Geld.
Update: 07.08.2017 - 16:40 Uhr 6 Kommentare
Der Tesla-Chef verbrennt vor allem das Geld seiner Anleger. Quelle: dpa
Elon Musk

Der Tesla-Chef verbrennt vor allem das Geld seiner Anleger.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, FrankfurtStatt Öl und Gas verbrennt der Elektropionier Tesla das Geld seiner Anleger. Allein im abgelaufenen zweiten Quartal schrumpften die Barreserven der Kalifornier um 1,16 Milliarden Dollar. Die Ausgaben seien zuletzt auf ein historisches Hoch von 100 Millionen Dollar pro Woche gestiegen, gestand Finanzchef Deepak Ahuja bei der Präsentation der jüngsten Quartalszahlen ein.

Denn um die Produktion für das Model 3 aufzubauen, muss Tesla kräftig investieren. Und auch in der Batterieherstellung baut der Elektropionier seine Kapazitäten weiter aus. Darum braucht Tesla nun frisches Geld. An diesem Montag kündigten die Kalifornier an, Unternehmensanleihen in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar ausgeben, die in acht Jahren fällig werden. Damit wolle man sich einen Puffer für die Produktion des Model 3 schaffen, teilte das Unternehmen mit.

Bis Donnerstag gehen Vertreter von Tesla auf „Roadshow“, um bei Investoren für die Anleihe zu werben. Erst danach ist mit der Platzierung zu rechnen. Tesla hat zwar schon Wandelanleihen begeben, also Anleihen, die Investoren in Aktien tauschen können, eine herkömmliche Anleihe von Tesla gab es bislang aber nicht. Und Werbung bei den eher konservativen Anleiheinvestoren, denen es vor allem darauf ankommt, dass sie ihr Geld am Ende der Laufzeit zurückbekommen, ist nötig, denn Tesla ist ein schwacher Schuldner.

So feiern Tesla-Jünger die ersten Model 3-Fahrzeuge
Tesla-Chef Musk lässt sich bei der Übergabe des ersten Model 3 von Mitarbeitern feiern
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Elon Musk weiß, wie man einen Rockstar-Auftritt hinlegt. Zu lauter Musik rast der Tesla-Chef mit einem roten Exemplar seines ersten günstigeren Wagens Model 3, springt raus und lässt sich im Scheinwerferlicht von seinen Mitarbeitern feiern.

Der Anlass ist ein Meilenstein für Tesla: Die ersten 30 Model 3 werden nach einem Monat Serienproduktion an ihre Besitzer übergeben - allesamt Tesla-Beschäftigte. Die ersten 30 von mehr als einer halben Million Vorbestellungen, die Tesla erst einmal lange abarbeiten muss...

Vorstellung des Tesla Model 3
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Die Zeremonie am Tesla-Werk im kalifornischen Fremont läutet ein neues Kapitel in einem der spannendsten Duelle ein, die heute die Wirtschaft zu bieten hat: Tesla gegen den Rest der Autoindustrie. Eine Firma aus dem Silicon Valley, die früh komplett auf Elektromobilität setzte und von Autobossen zunächst als Exot mit mickrigen Produktionszahlen im für die weitaus meisten Menschen unerschwinglichen Luxussegment abgetan wurde. Doch inzwischen weht in der Branche ein anderer Wind...

Erste Wagen des günstigeren Tesla Model 3 auf dem Fabrikgelände in Fremont, bereit zur Übergabe an ihre Besitzer
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Inzwischen sagen viele Experten, dass dem Elektroantrieb die Zukunft gehöre, auch wenn es eine lange Übergangszeit geben werde. Für Tesla wird es also künftig nicht mehr darum gehen, mit einigen zehntausend Wagen im Jahr zahlungskräftige Enthusiasten zu begeistern, sondern gegen die geballten Kraft der Autoindustrie mit einer Vielzahl von Modellen, Designvarianten und der traditionellen Markenbindung von Kunden anzutreten...

Das Model 3 ist der Wagen, der Tesla in einen breiteren Markt bringen soll
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Und angesichts der Vorreiterrolle der Kalifornier dürfte auch der Fortschritt der Elektromobilität am Erfolg dieses Fahrzeugs gemessen werden. Milliarden steckte Musk in den Ausbau der Produktionsanlagen und der Batteriefertigung. Eine riesige Wette.

Wenn sie aufgeht, wird Tesla in Fremont jährlich eine halbe Million Model-3-Wagen und rund 100.000 der größeren und teureren bisherigen Fahrzeuge Model S und Model X bauen. In Arbeit ist auch ein Lastwagen, der noch dieses Jahr präsentiert werden soll. Anleger glauben an Musk: Tesla ist trotz überschaubarer Stückzahlen der wertvollste US-Autohersteller an der Börse...

Vorstellung des Tesla Model 3
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„Es war nie unser Ziel, teure Wagen zu bauen“, betont Musk. Das habe sich nur so ergeben, weil die Elektrowagen zunächst nicht günstiger zu produzieren gewesen seien. Und jetzt finanzierten die Käufer von Model S und Model X das günstigere neue Modell mit.

Die 35.000 Dollar als Grundpreis des Model 3 sind aber wie so oft in der Branche erst der Anfang. Bucht man alle Extras wie Fahrassistenz-Funktionen, eine bessere Innenausstattung und eine andere Farbe als Schwarz, kommen fast 60.000 Dollar zusammen...

Wer jetzt bestellt, muss bis Ende 2018 warten, sagt Musk. Nach Deutschland dürfte es kaum ein Model 3 vor dem kommenden Jahr schaffen.
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Das ist kein Schnäppchen mehr, entscheidend ist im Moment aber dennoch vor allem die Frage, ob Tesla den massiven Produktionssprung von rund 84 000 Fahrzeugen 2016 auf 500 000 im kommenden Jahr sauber hinbekommt.

„Die Nachfrage ist hier nicht das Problem“, merkt Musk trocken mit Blick auf die halbe Million Vorbestellungen für das Model 3 an. Im ersten Produktionsmonat Juli wurden 50 Fahrzeuge gebaut, 20 von ihnen behält Tesla für Tests ein. Im September sollen 1500 Wagen produziert werden, auch mit 20 000 Fahrzeugen im Monat zum Dezember wird es lange dauern, die Warteliste abzuarbeiten...

Blick in den aufgeräumt-sachlichen Innenraum des Model 3
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Um den Produktionsschub zu meistern, ließ Musk die Konstruktion des Model 3 drastisch vereinfachen - auch nachdem es bei vorherigen Wagen Probleme mit ausgeklügelten Design-Ideen wie den Flügeltüren des Model X gab. Selbst die Entwicklung der Rücksitze hatte damals die Produktion des SUV um Monate aufgehalten.

Obwohl sich der Umsatz im zweiten Quartal nahezu verdoppelte, fuhr Tesla einen Verlust von 336 Millionen Dollar ein. Insgesamt hat das Unternehmen jetzt nur noch gut drei Milliarden Dollar Barbeständen in der Bilanz – dem gegenüber stehen Verbindlichkeiten im Wert von fast acht Milliarden Dollar.

Teslas Kreditwürdigkeit ist damit äußerst schwach. Die Ratingagentur Standard & Poor's bewertet sie nur mit der Note „B-“. Demnach ist die Zahlungsfähigkeit selbst bei stabilem Konjunkturumfeld nicht ganz gesichert. Anleihen mit Ratings von „BB+“ bis „C“ oder „D“ bezeichnet man als Junkbonds oder Ramschanleihen.

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6 Kommentare zu "Milliarden-Anleihe: Tesla verbrennt weiter Geld"

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  • Angeblich wurden bereits 500.000 Autos des Model 3 vorbestellt. Bei einer Anzahlung von 1.000 $ kämen so schon alleine eine halbe Milliarde Dollar herein. Sollten ECHTE Kaufverträge bestehen, hätte Tesla überhaupt gar keine Geldprobleme. Geht man von einem Durchschnittspreis von bescheidenen 40.000$ aus (inkl. ein paar Extras), kämen 20 Mrd. $ in die Kasse. Muss also ziemlich übel aussehen, wenn Tesla jetzt eine Anleihe über 1,5 Mrd. $ aufgibt. Der Glauben an Tesla zählt. Zumindest darin ist Musk einsame Spitze, und das meine ich nicht abwertend, sondern mit großem Respekt. Tesla ist kein normales Unternehmen, Tesla ist eine riskante Wette, die hoch fliegen, aber auch tief landen kann.

  • Ich bin immer noch der Meinung, dass diese Kettenbrieffinanzierung irgendwann am Ende ist. Dann wird jeder schreiben, er habe es so vorhergesagt. ;)

  • Abgerechnet wird am Ende. Mal schauen, wie viele wirklich ein E-Auto wollen... und wie groß die Ernüchterung ist, wenn man feststellt, das Reichweiten in Realbetrieb nur ca. 35% der Angaben ausmachen..usw....

  • Die verlieren ca 10 Millionen pro Tag, das ist denen egal, der Topf um den es geht muß riesig sein.

  • Musk ist ein Kommunikatons- und Marketinggenie. Er verspricht Visionen, "Erneuerbare Energien", Elektromobile, Massentransportmittel, Raumfahrt und so ziemlich alles was die Herzen der Journalisten und vieler Menschen erwärmt.

    Alle seine Unternehmen sind dauerhaft defizitär. Die Versprechen von Gestern...

    Wie von Herrn Horn ausgeführt, kann ein Geschäftsmodell auch darin bestehen dass ein Unternehmen regelmässig Kapital aufnimmt. Solange sich ausreichend Mitmenschen begeistern lassen, funktioniert dies.

  • So lange sich immer wieder Investoren finden, die die Miese ausgleichen, ist auch ein verlustträchtiges Geschäftsmodell tragfähig.

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