Milliarden-Deal gescheitert
Abbvie blitzt bei Shire ab

Ein Milliarden-Übernahmeangebot des US-Pharmakonzerns Abbvie hat Shire als zu niedrig abgelehnt. Die Aktien der Briten legen an der Londoner Börse kräftig zu. Shire ist vor allem wegen seines Firmensitzes interessant.
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LondonDer amerikanische Pharmariese Abbvie ist mit einer rund 46 Milliarden Dollar schweren Übernahmeofferte bei seinem britischen Rivalen Shire abgeblitzt. Abbvie bestätigte am Freitag den Vorstoß, nachdem Reuters einen Tag zuvor über die Gespräche berichtet hatte. Shire lehnte das Angebot der Amerikaner aber umgehend als zu niedrig ab. Die Offerte bilde auch die Wachstumsaussichten des Unternehmens nicht angemessen ab, erklärte das Management.

Shire gilt bereits seit längerem als Übernahmekandidat für US-Arzneimittelhersteller. Die Briten sind auf Mittel gegen seltene Krankheiten ausgerichtet – ein Geschäft mit hohe Margen. Zudem lockt Shire US-Konkurrenten aus Steuergründen an: Das Unternehmen hat seinen steuerlichen Sitz in Irland, wo deutlich niedrigere Steuersätze gelten als in den USA.

Shire wurde 1986 in Großbritannien gegründet und machte im vergangenen Jahr 4,76 Milliarden Dollar Umsatz. Den Großteil seiner Geschäfte erzielt das Unternehmen inzwischen in den USA. Seit 2008 liegt der Konzernsitz in Irland. Abbvie hatte vor, nach der Übernahme seinen steuerlichen Sitz nach Großbritannien zu verlegen. Für viele Unternehmen in der Gesundheitsbranche spielt die Suche nach Möglichkeiten zur Senkung ihrer Steuerlast derzeit eine wichtige Rolle.

Auch in der aktuellen Übernahmewelle in der Branche ist das ein zentraler Gesichtspunkt. So will der US-Medizintechnikkonzern Medtronic den in Dublin ansässigen Rivalen Covidien für 42,9 Milliarden Dollar schlucken und seine Firmenzentrale nach Irland verlegen. Auch beim fehlgeschlagenen Versuch des größten US-Pharmakonzerns Pfizer, den britischen Arzneimittelhersteller AstraZeneca übernehmen, waren steuerliche Aspekte ein Beweggrund.

Abbvie bot Shire ein Bar- und Aktientauschgeschäft an. Die Offerte bewertete Shire mit insgesamt 46,26 Pfund je Aktie. Der Baranteil lag bei 20,44 Pfund - dazu sollten 0,7988 Abbvie-Papiere je Shire-Aktie kommen. An der Börse sind Shire-Aktien aber inzwischen deutlich mehr wert: Die Shire-Aktie schoss am Freitag im Londoner Börsenhandel um rund zwölf Prozent auf 41,95 Pfund in die Höhe.

In einer Stellungnahme erklärte Shire, es habe ein Treffen mit Abbvie zu der Offferte gegeben. Die Shire-Führung habe sich danach aber entschieden, das Angebot abzulehnen. Nicht nur werde Shire unterbewertet, dazu kämen auch Risiken auf Grund der vorgeschlagenen Steuerstruktur, da Abbvie seinen Firmensitz nach Großbritannien verlegen wolle. Auch die Aussichten im Geschäft mit Medizin gegen seltene Krankheiten würden nicht angemessen berücksichtigt. Shire wolle bis 2020 verglichen mit 2013 seine Produktumsätze mehr als verdoppeln.

Abbvie war erst im vergangenen Jahr als Unternehmen entstanden. Es ging aus einer Abspaltung des US-Medizintechnikkonzerns Abbott Laboratories hervor. Top-Medikament von Abbvie ist das Arthritis-Mittel Humira, das für rund die Hälfte der Konzernumsätze steht. Abbvie entwickelt darüber hinaus Medikamente gegen Hepatitis C und Krebs. Der Konzern erzielte 2013 einen Umsatz von rund 18,8 Milliarden Dollar.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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