Milliarden-Hilfe: Peugeot-Citroën gerät unter Staatseinfluss

Milliarden-Hilfe
Peugeot-Citroën gerät unter Staatseinfluss

Mit den Milliarden-Garantien für Peugeot erhält die französische Politik großen Einfluss beim Autobauer. In einem neuen Kontrollgremium muss der Staat alles abnicken. Genau das wollte die Eigentümerfamilie verhindern.
  • 5

ParisFrankreichs größter Autohersteller Peugeot-Citroën (PSA) muss künftig bei wesentlichen Entscheidungen die Zustimmung des Staates einholen. Finanzminister Pierre Moscovici und Industrieminister Arnaud Montebourg gaben Mittwoch bekannt, dass der Staat Anleihen der PSA-Bank im Umfang von sieben Milliarden Euro garantieren wird. Im Gegenzug werde ein Kontrollgremium eingerichtet, das „jeder Operation, die sich auf die Größe und Zusammensetzung der Gruppe und ihrer wichtigsten Filialen bezieht, sowie auf die Entwicklung ihrer wichtigsten Aktivitäten zustimmen“ müsse.

Zusätzlich werden zwei neue Posten im Aufsichtsrat geschaffen. Der eine wird von einem „Unabhängigem im engen Einvernehmen mit dem Staat“ besetzt, der besondere Befugnisse erhalten und dem Strategieausschuss des Aufsichtsrats angehören werde. Der zweite wird ein Arbeitnehmervertreter sein.

Außerdem verpflichte PSA sich, seine französischen Zulieferer besonders zu fördern. Das könnte aufgrund der Einkaufskooperation mit GM eventuell zu Konflikten führen, da GM allein daran interessiert ist, die günstigsten Konditionen zu erhalten – egal ob es sich um französische oder andere Zulieferer handelt.

Mit der neuen Aufsichtsstruktur gerät PSA faktisch unter Staatsaufsicht – eine Veränderung, die die Eigentümerfamilie Peugeot seit der Ankündigung eines Sanierungsplanes im Sommer befürchtet und zu verhindern gesucht hatte.

PSA-Chef Philippe Varin bemühte sich am Mittwoch vor der Presse, die Veränderungen herunterzuspielen. Es sei „völlig normal“, dass ein Kontrollgremium eingerichtet werde, um zu prüfen, was mit den Staatsgarantien geschehe. Anders als die Minister sagte Varin, der Ausschuss könne lediglich „Stellungnahmen formulieren“.

Mit der EU-Kommission werde es wegen der Staatsgarantien keine Probleme geben, fügte Finanzchef Jean-Baptiste de Chatillon hinzu: „Der größte Teil des neuen Finanzpaktes kommt von den Banken, nämlich 11,5 Milliarden an zusätzlichen Kreditlinien, so dass es sich nicht um eine Staatshilfe im Sinne der EU-Vorschriften handelt“. Man wird sehen, ob die EU-Kommission dieselbe Interpretation vornimmt.

PSA kündigte am Mittwoch auch die nächsten Schritte seiner Allianz mit GM an. Bis 2016 sollen vier neue, gemeinsame Plattformen für Modelle entstehen. In drei Fällen geht es um Autos, die von PSA und Opel/Vauxhall gemeinsam für den europäischen Markt gebaut werden. Nur in einem Fall, ein emissionsarmer Kleinwagen, ist ein Modell betroffen, das auch in den wachstumsstarken Märkten außerhalb Europas angeboten werden könnte.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Milliarden-Hilfe: Peugeot-Citroën gerät unter Staatseinfluss"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Staatseinfluss" Das ist wohl das Aus dieser Automarke! Hat jemals ein Staaat mit seiner Polit Laienspielertruppe schon mal was positives zustande gebracht?

  • @Ofelas
    schon mal etwas von Reparationszahlungen gehoert?
    Nach der Wiedervereinigung wurden fast die gesamte deutsche Luftfahrtindustrie unter franzoesische Schirmherrschaft gebracht.
    Der Euro ist darauf abgestimmt, den deutschen Einfluss in Europa zu schwaechen.

  • Wenn ich mich als Staat irgendwo einkaufe, würde ich auch nicht verstehen, warum ich meine Steuerzahler mit der Förderung ausländischer Zulieferer belasten sollte. Das halte ich für ein rein deutsches Phänomen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%