Milliarden-Investition Daimler baut neue Fabrik für E-Autos in China

Daimler will mit dem Partner BAIC für 1,9 Milliarden Dollar eine neue Fabrik in China bauen. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe überrascht.
Update: 25.02.2018 - 15:55 Uhr Kommentieren
Der Stuttgarter Autobauer will zusammen mit dem Partner BAIC ein neues Werk in China bauen. Quelle: Reuters
Daimler-Werk in China

Der Stuttgarter Autobauer will zusammen mit dem Partner BAIC ein neues Werk in China bauen.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfMitten in der Aufregung um den Einstieg des chinesischen Autobauers Geely bei Daimler haben der Stuttgarter Autobauer und sein chinesischer Partner BAIC Motor eine Milliarden-Investition in China angekündigt. Zusammen wollen sie mehr als 1,9 Milliarden Dollar in den Ausbau der Produktionskapazitäten in China investieren, um der Nachfrage im größten Automarkt der Welt nachzukommen, wie es in einem Dokument von BAIC an die Hongkonger Börse heißt.

Die Pläne sind ein Bekenntnis Daimlers für seinen langjährigen Partner BAIC. Geely hatte am Freitag seinen Einstieg bei den Stuttgartern mit knapp zehn Prozent bekanntgegeben. Haupteigner Li Shufu will eine Allianz für das autonome Fahren und die Elektromobilität schmieden und ist hauptsächlich an der Batterietechnologie von Daimler interessiert.

Li trifft sich einem Insider zufolge am Montag in Stuttgart mit Daimler-Vertretern. Ein Daimler-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Außerdem macht der neue Großaktionär bei Deutschlands größtem Premium-Autobauer auch in Berlin seine Aufwartung. Li werde mit dem Wirtschaftsberater von Kanzlerin Angela Merkel, Lars-Henrik Röller, zusammenkommen, hieß es in Regierungskreisen. Die „Bild am Sonntag“ berichtete, das Treffen im Kanzleramt am Dienstag sei Teil einer Charmeoffensive des chinesischen Milliardärs.

Die Bundesregierung sieht jedenfalls keine Notwendigkeit einzugreifen. Es handele sich um eine unternehmerische Entscheidung, sagte der Regierungssprecher. "Aufgrund des Charakters des Investments als Minderheitsbeteiligung besteht weder außenwirtschaftsrechtlicher noch wettbewerbsrechtlicher Handlungsbedarf." In der Vergangenheit waren die Engagements chinesischer Firmen bei deutschen Technologieunternehmen - etwa dem Roboterbauer Kuka oder dem Chipunternehmen Aixtron - in Berlin durchaus kritisch gesehen worden.

Konkurrierende Partmerschaften

Geely will den Anteil an Daimler zunächst nicht ausbauen, wie Li Shufu am Wochenende mitteilte. Vielmehr gehe es ihm um eine Allianz, um es bei selbstfahrenden und elektrischen Autos mit neuen Wettbewerbern wie Tesla, Google oder Uber aufnehmen zu können. Kein großer Autokonzern könne den Kampf ohne Partnerschaften gewinnen, sagte Li. Um die Technologieführerschaft übernehmen zu können, müsse man umdenken und Stärken bündeln und teilen. „Diese Vision spiegelt sich in meiner Investition bei Daimler wider.“

Daimler arbeitet allerdings schon mit Renault bei der Entwicklung von Autos und Nutzfahrzeugen zusammen, der französische Konzern ist mit gut drei Prozent an den Stuttgartern beteiligt. Auch mit BAIC verbindet Daimler eine langjährige Partnerschaft. Mit der gemeinsamen Milliarden-Investition in China solle ein existierender Standort von BAIC umgebaut und in das Gemeinschaftsunternehmen Beijing Benz Automotive eingebracht werden, erläuterte ein Daimler-Sprecher.

Das sind die Bestseller von Daimler
Starke Absatzzahlen
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Beim Stuttgarter Autobauer läuft es rund: Dank neuen Bestwerten beim Absatz hat der Autobauer Daimler auch bei Umsatz und Ergebnis noch einmal deutlich zugelegt. 2017 verbuchte Daimler einen Umsatz von 164,3 Milliarden Euro – sieben Prozent mehr als im Jahr zuvor. Lagen die Stuttgarter 2012 noch hinter den Rivalen aus München und Ingolstadt, so ist die Marke Mercedes jetzt mit 2,2 Millionen verkauften Autos 200.000 Einheiten vor BMW und 400.000 Stück vor Audi. Die Bestseller im Überblick.

Kompaktklasse
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2017 war mehr als jedes vierte verkaufte Fahrzeug bei Mercedes-Benz ein Kompaktwagen – insgesamt 620.000 Mal wurde ein Wagen aus dieser Kategorie verkauft. Dazu gehören beispielsweise die A-Klasse (im Bild) und die B-Klasse.

Kompaktklasse
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Wachsen konnte Mercedes Benz im Kompakt-Segment auch, weil die Marke die Modellpalette um Autos wie die Limousine CLA, den CLA Shooting Brake (im Bild) oder den SUV GLA erweitert hat. Die beiden größten Märkte für Kompaktwagen waren Deutschland und China.

Mittelklasse
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Der Bestseller bei Mercedes ist allerdings das Mittelklasse-Modell C-Klasse: Die Limousine und das T-Modell wurden insgesamt 450.000 Mal verkauft. Ein Viertel ging auf die Langversion der C-Klasse Limousine zurück, ein Modell, das ausschließlich in China gebaut und verkauft wird.

Obere Mittelklasse
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Auch die neuen Modelle der Mercedes E-Klasse haben in ihrem ersten Verkaufsjahr Rekorde gebrochen. Nie war die E-Klasse so beliebt wie in den vergangenen zwölf Monaten – 350.000 Mal wurden die Limousine und das T-Modell verkauft. Daimler schaffte es, mit den neuen Modellen eine Absatzsteigerung von 40 Prozent zu erzielen. Größter Abnehmer der Limousine ist China, dort wurden die Verkäufe sogar verdoppelt.

SUV
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Stärkste Produktkategorie ist bei Daimler – wie auch im Vorjahr – das Segment SUVs: Die Beliebtheit der Geländewagen stieg weiter stark an. 850.000 SUVs konnte der Konzern absetzen. Mit 14 Prozent Absatzwachstum trugen die SUVs maßgeblich zum Verkaufserfolg der Marke bei.

SUVs
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Getrieben wurde das Wachstum in dem Segment vor allem durch starke Verkäufe der Kompakt-SUVs. Bestseller waren die Modell GLC (im Bild) und GLA, die auf den Plattformen der C-Klasse und der A-Klasse basieren.

In dem Werk sollen verschiedene Mercedes-Modelle produziert werden, inklusive Elektro-Autos. Die Pläne hätten nichts mit dem Einstieg von Geely zu tun, betonte der Sprecher. In einer Mitteilung des Konzerns hieß es: „Daimler kennt und schätzt Li Shufu als chinesischen Unternehmer mit besonderer Kompetenz und Zukunftsorientierung, mit dem man den industriellen Wandel konstruktiv diskutieren kann.“

Li bemüht sich schon länger um einen Einstieg bei Daimler. Doch im Herbst hatten die Stuttgarter milliardenschwere Avancen von Geely zurückgewiesen, wie die Nachrichtenagentur Reuters damals von Insidern erfuhr. Die Asiaten hätten über eine Kapitalerhöhung mit einem Anteil von bis zu fünf Prozent einsteigen wollen.

Li änderte seine Taktik und erwarb im Stillen den Anteil von knapp unter zehn Prozent, der nach aktuellen Kursen gut sieben Milliarden Euro wert ist. Geely war zuletzt auf Expansionskurs. Die schwedische Automarke Volvo gehört seit Jahren zum Konzern.

Vor wenigen Wochen waren die Chinesen zudem beim schwedischen Lkw-Bauer Volvo eingestiegen. Im vergangenen Jahr kaufte die Zhejiang Geely Holding die Mehrheit beim Sportwagenbauer Lotus.

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