Milliarden-Investitionen
Bosch kämpft um Platz an der Sonne

Der durch die Autokrise geschwächte Bosch-Konzern steckt Milliarden in die Solartechnik. Ziel ist eine tragende Rolle in der jungen Industrie, den Zugang zu allen wichtigen Technologien hat sich Bosch verschafft. Aber der Markt ist schwierig. Allein in Deutschland zählt die Solarindustrie 200 Unternehmen.
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STUTTGART. Trotz fallender Preise und eines turbulenten Marktumfeldes treibt der Bosch-Konzern den Umbau vom weltgrößten Autozulieferer zum breit aufgestellten Technologiekonzern voran. Vor allem auf dem weltweiten Solarmarkt erhoffen sich die Südwestdeutschen großes Potenzial. "Es wird zu einer Konsolidierung der Solar-Branche kommen", sagt Holger von Hebel, Chef der Solarsparte, dem Handelsblatt. "Es werden etwa zehn große Hersteller entstehen, die mehr als 50 Prozent des Marktes dominieren werden, und Bosch wird einer davon." Von Hebel führt die neu formierte Bosch Solar Energy AG seit September 2008. In diesem Jahr kämpft er gegen fallende Preise und einbrechende Umsätze. Dennoch fühlt sich Bosch stark genug, Konkurrenten wie Solarworld und Q-Cells zu überholen und den großen chinesischen Herstellern die Stirn zu bieten.

Das wird kein leichtes Unterfangen. Der Markt ist unübersichtlich. Allein in Deutschland zählt die Solarindustrie 200 Unternehmen. Vergleiche sind schwierig, da einige Firmen nur Module zusammenschrauben, andere die komplette Bandbreite bieten. Bosch hat sich Zugang zu allen wesentlichen Technologien verschafft. Von der Zelle über das Modul bis hin zum schlüsselfertigen Projektgeschäft bietet der Konzern die gesamte solare Wertschöpfungskette. Mehr als eine Mrd. Euro hat Bosch im Sommer 2008 in die Übernahme des Thüringer Solarzellen-Produzenten Ersol gesteckt. Eine weitere halbe Mrd. Euro investiert das Unternehmen am Ersol-Standort Arnstadt in ein neues Werk. Zudem hat Bosch mit der mehrheitlichen Übernahme des Modulproduzenten Aleo für einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag die Wertschöpfung vertieft.

Boschs Zukäufe gelten als zu teuer

Die Logik der Bosch-Strategie bezweifelt in der Branche niemand, aber beide Zukäufe gelten als teuer. Für Ersol zahlte Bosch pro Aktie einen Aufschlag von 60 Prozent. Aleo kostete deutlich mehr als der Aufbau einer eigenen Modulfertigung. Die kurzfristige Betrachtung über den Kaufpreis spiele nicht die entscheidende Rolle, versichert von Hebel: "Tatsache ist, dass wir ohne die Zukäufe viele Jahre gebraucht hätten, um auf den heutigen Stand von Ersol und Aleo zu kommen."

Die Anstrengungen der Stuttgarter sind gewaltig. Vor allem, weil der Konzern in diesem Jahr wegen der Autokrise erstmals seit Kriegsende mit einem Milliardenverlust und einem Umsatzminus von 15 Prozent auf weniger als 40 Mrd. Euro rechnet. Der in Stiftungsbesitz befindliche und mit hoher Eigenkapitalquote ausgestattete Konzern stellt neben Automobiltechnik auch Industrietechnik, Hausgeräte und Elektrowerkzeuge her. Der Eintritt in die Solartechnik gehört zur langfristigen Strategie des Konzerns, unabhängiger von der Autoindustrie zu werden. Die steuert bisher mehr als 60 Prozent zum Konzernumsatz bei.

Strategisches Ziel von Bosch sei es, langfristig in den Zukunftsmarkt Solartechnik einzusteigen, sagt von Hebel. Der Konzern ist davon überzeugt, dort "auskömmliche Margen" erzielen zu können. Zudem gebe es erhebliche Synergien der Querschnittstechnologie mit den bestehenden Konzernsparten, wie etwa der Halbleiterfertigung.

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