Milliarden-Kampf um Allergan

Valeant will Botox-Hersteller feindlich übernehmen

53 Milliarden Dollar waren zu wenig: Nachdem der US-Botox-Hersteller Allergan ein weiteres Angebot des Pharmariesen Valeant abgelehnt hatte, greifen die Kanadier zu anderen Mitteln. Sie wollen das Management austauschen.
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53 Milliarden Dollar für Faltenglätter: Der Botox-Hersteller Allergan wollte vom Milliarden-Angebot nichts wissen. Quelle: ap

53 Milliarden Dollar für Faltenglätter: Der Botox-Hersteller Allergan wollte vom Milliarden-Angebot nichts wissen.

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New York/WinnipegNach mehreren vergeblichen Anläufen zur einvernehmlichen Übernahme des Botox-Herstellers Allergan fährt der kanadische Pharma-Konzern Valeant nun schwerere Geschütze auf. Eine feindliche Übernahme sei zwar nicht der bevorzugte Schritt, sagte Valeant-Chef Mike Pearson am Dienstag.

Aber die Pläne seines Unternehmens seien strategisch so ausgereift und finanziell so attraktiv, dass dieser Weg sinnvoll sei. Daher werde Veleant noch diese Woche eine Tausch-Offerte für Allergan vorlegen, wodurch Valeant dann die Möglichkeit habe, eine Offerte direkt an die Allergan-Aktionäre zu richten. Das Management des Faltenglätter-Produzenten hatte zuletzt auch die auf mehr als 53 Milliarden Dollar erhöhte Offerte abgelehnt.

Um zum Ziel zu gelangen, schmiedet Pearson eine Allianz mit dem ebenfalls an einer Fusion interessierten Allergan-Hauptaktionär. So wird der Hedgefonds Pershing in den nächsten Tagen auf eine außerordentliche Hauptversammlung hinarbeiten, bei der das Allergan-Management dann weitgehend ausgetauscht werden soll.

Die größten Deals in der Pharma-Branche
Platz 9 – Roche für Genentech – 47 Milliarden Dollar (2008)
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Das Schweizer Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche sicherte sich 2008 für 46,7 Milliarden Dollar die amerikanische Biotech-Firma Genentech. Die Übernahme gilt als Glückgriff, da Roche als weltweit führender Produzent von Krebsmedikamenten von der Genforschung Genentechs profitiert. Roches bekanntes Vogelgrippe-Medikament Tamiflu (hier im Bild) hingegen stand mehrfach in der Kritik. Der Schweizer Konzern soll Studien zur Wirksamkeit des Medikaments manipuliert haben.

Platz 8 – Pfizer für Pharmacia – 61 Milliarden Dollar (2002)
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Pfizer zum Ersten: 60,7 Milliarden Dollar in Aktien ließ sich der US-Pharmakonzern im Jahr 2002 die Übernahme des schwedischen Unternehmens Pharmacia kosten. Da nach der Fusion das Haarwuchsmittel Rogaine und die Potenzpille Viagra von einem Unternehmen hergestellt wurden, scherzte der damalige Pfizer-Chef Hank McKinnell (l.): „Rogaine und Viagra zusammen, was kann sich ein Mann mehr wünschen“.

Platz 7 – Pfizer für Wyeth – 65 Milliarden Euro (2009)
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Pfizer zum Zweiten: Rund 64,5 Milliarden Dollar bezahlten die New Yorker für Wyeth, das zum Zeitpunkt des Kaufs ebenfalls zu den zehn größten Pharmaunternehmen der Welt zählte. Mit der Übernahme baute Pfizer sein Portfolio aus, vor allem in Richtung Impfstoffe und Biotechnologie.

Platz 6 – Sanofi für Aventis – 65,6 Milliarden Dollar (2004)
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Nur auf dem Papier eine Fusion unter Gleichen: Für gut 65,6 Milliarden Dollar übernimmt der französische Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo das deutsch-französische Unternehmen Aventis. Es entsteht Sanofi-Aventis, der größte Medizinhersteller Europas. Die Fusion gilt als kurios, da Sanofi-Synthélabo vor der Übernahme deutlich kleiner als Aventis war. Später legte der Konzern mit Sitz in Paris den Beinamen Aventis wieder ab. Sanofi ist heute Weltmarktführer für Impfstoffe.

Platz 5 – Actavis für Allergan – 66 Milliarden Dollar (2014)
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Lange hatte sich der Botox-Hersteller Allergan gegen eine Übernahme durch den kanadischen Wettbewerber Valeant gewehrt. Dann schlug die Stunde von Actavis: Der amerikanische Branchenriese und Allergan einigten sich auf den Deal. Allergan wehrte dadurch die feindliche Übernahme durch Valeant ab. Für Actavis war der Zukauf ein Kraftakt, der Konzern war selbst kaum größer als sein Übernahmeziel.

Platz 4 – Abbott Laboratories spaltet sich auf – 67 Milliarden Dollar (2011)
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Das amerikanische Pharmaunternehmen Abbott Laboratories spaltete rund 66,6 Milliarden Dollar seines Kapitals in Aktien ab und lagert es zunächst in eine Tochtergesellschaft aus. Die Medizintechnik und Generikaproduktion wurde unter dem Namen „Abbott“ weitergeführt, die Sparten Spezialmedikamente und Biotechnologie hingegen unter dem neuen Namen „AbbVie“ ausgegliedert. Auch Abbotts Flaggschiff, das Arthritis-Medikament Humira, ging auf die neue Gesellschaft über. Im Januar 2013 wurde AbbVie schließlich komplett in die Unabhängigkeit entlassen und wird seitdem an der Wall Street unter dem Kürzel „ABBV“ gelistet.

Platz 3 – American Home Products für Warner-Lambert I – 76 Milliarden Dollar (1999)
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Rund 75,5 Milliarden Dollar betrug das Volumen bei der freundlichen Übernahme des amerikanischen Hygienekonzerns Warner-Lambert durch American Home Products (AHP). Dem Hygienekonzern gehörten seinerzeit unter anderem die Marken Wilkinson Sword und Listerine. Doch AHP überhob sich: Als der Deal schon als perfekt galt, betrat US-Branchenriese Pfizer die Bühne. Er unterbreitete den Aktionären von Warner-Lambert seinerseits ein feindliches Übernahmeangebot – und erhielt den Zuschlag. Eine Strafzahlung von 1,8 Milliarden Dollar von Pfizer versüßte AHP die Niederlage aber zumindest etwas.

Mit einer neuen Allergan-Führung könne dann doch noch eine Fusionsvereinbarung ausgehandelt werden. Der Fonds unter der Leitung von Investor Bill Ackman hält an Allergan 9,7 Prozent. Einer Einberufung der Aktionärsversammlung müssen Eigner mit Stimmrechten über 25 Prozent zustimmen. Valeant zeigte sich zuversichtlich, diese Schwelle zu erreichen.

Allergan bekräftigte dagegen, das vorliegende Valeant-Gebot sei zu niedrig. Valeant bietet den Aktionären des Unternehmens aus dem kalifornischen Irvine inzwischen 72 Dollar in bar und 0,83 Valeant-Aktien je Allergan-Anteilsschein.

  • rtr
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