Milliarden-Kapitalerhöhung
VW will Scania komplett übernehmen

Volkswagen will bei seiner Lkw-Marke Scania künftig ohne Einschränkungen entscheiden können und strebt eine Komplettübernahme der Skandinavier an. Um die Offerte zu finanzieren, plant VW eine Milliarden-Kapitalerhöhung.
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FrankfurtVolkswagen will für 6,7 Milliarden Euro die restlichen Anteile am schwedischen Lkw-Bauer Scania übernehmen. Je Scania-Aktie biete Volkswagen 200 schwedische Kronen (umgerechnet rund 22,26 Euro), teilte der Konzern am Freitag mit. Bisher halten VW und MAN zusammen 62,6 Prozent des Kapitals und 89,2 Prozent der Stimmrechte an Scania.

Zur Finanzierung der Komplettübernahme plant der VW-Vorstand eine Kapitalerhöhung. Durch die Ausgabe von Volkswagen-Vorzugsaktien wollen die Wolfsburger bis zu zwei Milliarden Euro einsammeln, wie der Konzern am Freitag mitteilte. Zudem will das Unternehmen Hybridkapital begeben. Die Annahmefrist für das Angebot an die Scania-Aktionäre werde voraussichtlich vom 17. März bis zum 25. April laufen.

Strukturelle Veränderungen bei Scania, insbesondere mit Blick auf die Beschäftigten und die Produktionsstandorte sowie Entwicklungszentren, seien nicht geplant. „Volkswagen hat eine lange, erfolgreiche Tradition in der behutsamen Integration starker Marken unter seinem Konzerndach, bei gleichzeitiger Wahrung ihrer Identität, ihrer Traditionen, ihrer spezifischen Stärken und eines hohen Maßes an Eigenständigkeit“, sagte Konzernchef Martin Winterkorn.

Vorantreiben soll die Lkw-Allianz ab dem kommenden Jahr der ehemalige Daimler -Manager Andreas Renschler. Der langjährige Lkw-Chef der Stuttgarter solle am 1. Februar 2015 als Nutzfahrzeugvorstand bei VW anfangen, teilte der Konzern weiter mit.

Mit der Anteilsaufstockung will Europas größter Autobauer die schleppende Zusammenarbeit der beiden Lkw-Töchter Scania und MAN forcieren. Bisher gleichen die Bemühungen eher der Zähmung von zwei Widerspenstigen, beide Lkw-Bauer beharren auf eigenen Entscheidungsspielraum.

Die Komplettübernahme von Scania lässt sich VW viel Geld kosten. Das Angebot entspreche einer Prämie von 57,0 Prozent bzw. 53,3 Prozent je Scania A- bzw. B-Aktie auf den 90-Tage-Durchschnittskurs, erklärten die Wolfsburger. Voraussetzung für den Erfolg der Offerte, ist das VW mindestens 90 Prozent der Anteile einsammelt, um so die restlichen Aktionäre im Rahmen eines Squeeze-Outs aus dem Unternehmen drücken zu können.

Die vollständige Übernahme von Scania solle es dem VW-Konzern ermöglichen, schneller und umfassender die gemeinsame Strategie für das Nutzfahrzeuggeschäft umzusetzen, wichtige gemeinsame Projekte zügiger zu realisieren und auf diese Weise zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten und Synergien aus der Zusammenarbeit zwischen Volkswagen, Scania und MAN zu erzielen. Im Durchschnitt erwartet Volkswagen ein langfristiges zusätzliches Synergiepotenzial von mindestens 650 Millionen Euro operatives Ergebnis pro Jahr. Angesichts der langen Produktlebenszyklen im Nutzfahrzeuggeschäft werde es jedoch zehn bis 15 Jahre dauern, bis dieses Potenzial voll ausgeschöpft sein werde, erklärte der Wolfsburger-Konzern. Die Lkw-Tochter MAN führt VW durch einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag bereits an der kurzen Leine führt.

Die Wolfsburger haben seit mehr als einem Jahrzehnt Milliarden in den Aufbau ihrer Beteiligung an MAN und Scania gesteckt. Sie folgen damit der Idee des ehrgeizigen VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech von einem schlagkräftigen Verbund, mit dem Volkswagen in der Konkurrenz mit Daimler und Volvo mithalten will.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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