Milliarden-Klagen
US-Justiz verzögert Altrias Aufspaltung

Die Muttergesellschaft des weltgrößten Zigarettenherstellers Philip Morris und des Nahrungsmittelriesen Kraft plant, sich in zwei oder drei unabhängige Unternehmen aufzuspalten. Altria-Chef Louis Camilleri wartet auf Entscheidungen über mehrere Klagen gegen die US-Tabakbranche im Wert von über hundert Milliarden Dollar.

NEW YORK. Die langsam mahlenden Mühlen des US-Rechtssystems halten die Aufspaltung des Konzerns Altria auf. Die Muttergesellschaft des weltgrößten Zigarettenherstellers Philip Morris und des Nahrungsmittelriesen Kraft plant, sich in zwei oder drei unabhängige Unternehmen aufzuspalten.

Altria-Chef Louis Camilleri wartet auf Entscheidungen über mehrere Klagen gegen die US-Tabakbranche im Wert von über hundert Milliarden Dollar. Zwar hat sich das juristische Umfeld in den USA für Altria und andere Zigarettenhersteller leicht verbessert. Doch bis zu einer endgültigen Klärung der Milliardenansprüche wegen der Gesundheitsgefährdung durch Rauchen dürften Monate oder Jahre vergehen, erwartet Rechtsprofessor Carl Tobias von der Universität von Richmond im US-Bundesstaat Virginia.

„Auch wenn zuletzt wichtige Urteile zu Gunsten der Tabakfirmen fielen, ist die Sache noch keineswegs ausgestanden“, sagt Tobias. Die Zigarettenhersteller hätten bei einigen existenzbedrohenden Sammelklagen Etappensiege feiern können. Aber in mehreren individuellen Schadenersatzklagen von Rauchern und deren Hinterbliebenen urteilten die Gerichte zu Gunsten der Kläger. „Es scheint, dass die Gerichte Einzelfälle eher akzeptieren als Sammelklagen“, sagt der Professor.

Frustrierte Investoren, die seit November 2004 vergeblich auf Altrias Aufspaltung warten, haben mit ihren Aktienverkäufen dafür gesorgt, dass der Aktienkurs in den vergangenen zwölf Monaten schlechter abschnitt als der Gesamtmarkt. Mit einem Börsenwert von fast 150 Mrd. Dollar, einem Umsatz von knapp 100 Mrd. Dollar und 2,3 Mrd. Dollar Nettogewinn im vergangenen Jahr zählt Altria zu den weltgrößten Unternehmen. Der New Yorker Konzern stellt die weltweit führende Zigarettenmarke Marlboro her, zur Nahrungsmittelsparte Kraft gehören unter anderem Jacobs-Kaffee und Milka-Schokolade. Nach Ansicht von Analysten von Citigroup, Morgan Stanley und Goldman Sachs leidet die Altria-Aktie jedoch unter den offenen Tabakklagen.

Die juristischen Risiken gefährden den Erfolg der geplanten Aufspaltung. Denn Klägeranwälte haben bereits angekündigt, dass sie ihre Schadenersatzansprüche nicht nur gegen Altria, sondern auch gegen sämtliche Nachfolgefirmen richten werden. Dabei will Altria durch die Teilung in ein Nahrungsmittelunternehmen – Kraft – und ein oder zwei reinrassige Tabakhersteller – die US-Sparte Philip Morris USA und die Auslandssparte PMI – zumindest Kraft von künftigen Tabakprozessen isolieren und so den Aktienwert steigern. Die Kläger versuchen, dies zu verhindern.

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