Milliarden-Kredit
Kraft sammelt Geld für Übernahme von Cadbury

Der amerikanische Nahrungsmittelriese Kraft Foods kämpft um die Finanzierung für die geplante Übernahme des britischen Süßwarenkonzerns Cadbury. Nach Informationen aus Finanzkreisen verhandeln die Amerikaner mit der US-Großbank Citigroup und der Deutschen Bank über einen Kredit im Volumen von acht Mrd. Dollar, der den Erfolg der Übernahme sicherstellen soll.

LONDON. „Die Investoren wollen ganz klar einen höheren Preis für Cadbury sehen, und die große Frage ist, ob Kraft, den am Ende wirklich bieten kann, ohne seine Finanzkraft zu gefährden“, sagt ein Londoner Investmentbanker. Kraft hat Cadbury Anfang der Woche ein Übernahmeangebot im Wert von 745 Pence je Aktie oder insgesamt 10,2 Mrd. Dollar unterbreitet. Der britische Traditionskonzern hat die Offerte allerdings zurückgewiesen und dabei Unterstützung von der Mehrheit der Analysten bekommen.

Der von Kraft Foods offerierte Preis sei „viel zu niedrig“, kritisierte etwa Warren Ackerman vom Brokerhaus Evolution Securities. Die Experten von Credit Suisse beziffern den fairen Wert von Cadbury auf 850 bis 875 Pence je Aktie. Sollte es Kraft gelingen, seine Offerte aufzustocken, sehen die meisten Analysten kaum Vermeidungsmöglichkeiten für Cadbury. Kraft gilt seit geraumer Zeit als idealer Partner für den britischen Traditionskonzern, und die Wahrscheinlichkeit einer freundlichen Gegenofferte durch die Konkurrenten Nestlé oder Hershey beziffern die Analysten von Evolution Securities auf lediglich 30 Prozent.

Sei der Veröffentlichung des Angebots ist der Aktienkurs von Cadbury auf 782 Pence und damit deutlich über den von Kraft angepeilten Preis gestiegen. Die Offerte der Amerikaner hat dagegen durch Kursverluste an der Börse und Wechselkurseffekte deutlich an Attraktivität verloren und war zwischenzeitlich nur noch 9,8 Mrd. Pfund oder 720 Pence je Cadbury-Aktie wert.

Kraft schiebt einen Schuldenberg von 19 Mrd. Dollar vor sich her, und bis August 2010 muss der Konzern nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg auslaufende Anleihen im Volumen von rund 1,25 Mrd. Dollar refinanzieren. Die Bonität des zweitgrößten Nahrungsmittelkonzerns der Welt wird von der Ratingagentur Moody’s mit der Note „Baa2“ bewertet, damit fällt sie noch in die Kategorie des „Investmentgrade“ und ist zwei Stufen über dem so genannten Junk-Status.

Zahlreiche Großinvestoren dürfen nur Investmentgrade-Anleihen in ihrem Portfolio halten und müssen sich von so genannten Junk Bonds trennen. Moody’s würde nach einer Übernahme zwar eine Herabstufung der Bonität von Kraft prüfen, aber dabei gehe es wahrscheinlich nur um eine Stufe, so dass die Note noch immer dem Qualitätsmaßstab „Investmentgrade“ entsprechen würde, ließ die Ratingagentur wissen.

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