Milliarden-Offerte
Chinesen greifen nach kanadischem Ölkonzern

Der staatliche chinesische Ölriese CNOOC will den kanadischen Energiekonzern Nexen übernehmen - für sagenhafte 15,1 Milliarden Dollar. Das ist die bislang teuerste Übernahme durch ein chinesisches Unternehmen überhaupt.
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DüsseldorfChinas staatlicher Erdölförderer China National Offshore Company (CNOOC) greift nach dem kanadischen Energiekonzern Nexen. Das Unternehmen bietet 27,50 Dollar je Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von 61 Prozent auf den Schlusskurs vom 20. Juli. Der Kaufpreis beziffert sich auf 15,1 Milliarden Dollar - Nexen ist an der Börse nicht einmal halb soviel wert. Nach Angaben von US-Medien handelt es sich um die größte Übernahme eines chinesischen Unternehmens im Ausland überhaupt.

Das Management beider Unternehmen sei sich einig, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung vom Montag. Das Nexen-Management empfiehlt den Aktionären, dem Angebot zuzustimmen. Der CNOOC-Verwaltungsratsvorsitzende Wang Yilin sprach von „spannenden Möglichkeiten“, die sich durch den Zukauf ergäben. Die Mitarbeiter von Nexen würden eine wichtige Rolle beim internationalen Wachstum der Firma spielen, ergänzte CNOOC-Konzernchef Li Fanrong.

Der kanadische Ölförderer beutet unter anderem Ölsand-Vorkommen in seinem Heimatland aus und bohrt in der Tiefsee nach Öl und Gas. Aber das Unternehmen ringt mir Problemen. Der Gewinn war im ersten Halbjahr um fast 60 Prozent gefallen. Eine Ölquelle im Golf von Mexiko hat sich als wenig ertragreich herausgestellt. Auch in der Förderung von Ölsand und in den Nordsee-Feldern ringt Nexen mit Schwierigkeiten.

Die Chinesen zahlen einen satten Aufschlag. Der Kaufpreis entspricht dem 8,8-fachen Gewinn vor Steuern und Zinsen von Nexen. Mit dem Kauf sichert sich CNOOC den Zugriff auf Ölanlagen in Kanada, Großbritannien, Westafrika sowie im Golf von Mexiko. Die Förderkapazität entspricht 207.000 Fass Öl am Tag. "Das ist eine wirklich gute Zeit für Zukäufe", sagt Shi Yan, ein Energie-Analyst aus Shanghai. "Der Rohölpreis ist niedrig, ebenso die Bewertung von Energiefirmen an den Börsen."

Der chinesische Konzern will die Ölproduktion in diesem Jahr um 2,7 Prozent auf 340 Millionen Fass Öl steigern. Im ersten Quartal hatten die Chinesen Produktionseinbußen erlitten, nachdem ein Ölfeld zeitweilig geschlossen werden musste. Erst im Mai nahm Chinas Offshore-Ölgruppe 320 Kilometer südöstlich von Hongkong eine gigantische Plattform für Tiefseebohrungen im Südchinesischen Meer in Betrieb. China ist damit das erste Land, das dort bohrt.

Nur eine Stunde nach der Verkündung des Megazukaufs wurde ein weiteres chinesisches Milliardengeschäft bekannt: Der ebenfalls staatliche Energieriese Sinopec beteiligt sich für 1,5 Milliarden Dollar an der Öl- und Gasförderung der kanadischen Firma Talisman in der britischen Nordsee.

Die Megaübernahme von Nexen muss allerdings noch von den Behörden in Kanada, den USA, China und möglicherweise der EU gebilligt werden.

Seit Jahren versucht China durch milliardenschwere Zukäufe im Ausland, seinen immensen Energiehunger zu stillen. Chinas staatliche Rohstoffkonzerne kaufen sich in ausländische Unternehmen ein oder schließen mit ihnen riesige Lieferverträge. Allerdings stießen sie bislang dabei immer wieder auf Ablehnung: So verbot der US-Kongress CNOOC im Jahr 2005 den Kauf des kalifornischen Konkurrenten Unocal, und die australische Regierung blockierte den Einstieg des chinesischen Rohstoffkonzerns Chinalco bei Rio Tinto.

Mit Material von dpa und Bloomberg.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

Kommentare zu " Milliarden-Offerte: Chinesen greifen nach kanadischem Ölkonzern"

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  • Welches Geld? Die Mehrheit der Deutschen hat doch Schulden! ;-)

  • Die Chinesen sind nicht blöd, sie versuchen, sich noch rechtzeitig von den Konfetti- USD und Euro zu trennen und dafür reale Werte zu erhalten .

    Wir Bürger müssen aufpassen, daß wir noch rechtzeitig unser Geld retten und in Sachwerte, Beetongold und physische Edelmetalle gehen.

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