Milliarden-Projekt
Wacker baut Siliziumfabrik in den USA

Die neue Energiepolitik in den USA lockt deutsche Investoren. Neben Siemens, Schott und Solarworld will auch der MDax-Konzern Wacker groß in den USA investieren.
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MÜNCHEN/FRANKFURT. Der deutsche Chemiekonzern treibt für eine Milliarde Dollar den Bau einer Siliziumfabrik im US-Bundesstaat Tennessee voran. "Wir wollen mit dem Markt wachsen und brauchen dazu neue Kapazitäten", sagte Wacker-Chef Rudolf Staudigl im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Wacker ist weltweit der zweitgrößte Anbieter für polykristallines Silizium, den Grundstoff für Solarzellen. Die Münchener produzieren das Material bislang nur in Deutschland und bauen auch diese Produktion weiter aus. Die Kosten für die Investitionen lässt sich Wacker zum Teil von der Solarindustrie vorfinanzieren. "Wir haben mit unseren Kunden mittel- und langfristige Abnahmeverträge", sagte Staudigl.

Die Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien setzen große Hoffnungen auf den US-Markt. Nachdem der Absatz durch die Finanzkrise in diesem Jahr geschmälert wurde, soll das von US-Präsident Barack Obama initiierte Förderprogramm für einen Boom sorgen. Die Regierung Obama fördert die Ansiedlung der deutschen Unternehmen mit massiven Steuergutschriften.

Die Deutsche Bank erwartet, dass die USA im Jahr 2012 Deutschland als größten Solarmarkt ablösen werden. Vor allem der Südwesten der USA gilt wegen seiner hohen Sonneneinstrahlung als idealer Standort für die Solarindustrie. Experten gehen davon aus, dass in den Bundesstaaten Arizona und New Mexico schon bald Netzparität erreicht ist. Das ist der Punkt, an dem Solarenergie genauso teuer ist wie konventioneller Strom.

Um die Führung auf dem Markt für alternative Energien in den USA ringen neben einheimischen Konzernen wie General Electric vor allem Japaner und Chinesen. Die deutschen Unternehmen gelten international aber als sehr konkurrenzfähig, weil sie hierzulande von der hohen Einspeisevergütung profitiert haben.

Eine Mrd. Dollar will das im M-Dax notierte Unternehmen in die neue Fabrik stecken, in der Polysilizium hergestellt werden soll, der Grundstoff für Solarzellen. „Wir wollen mit dem Markt wachsen und brauchen dazu neue Kapazitäten. Außerdem ist es wichtig, dass die Anlage im Dollar-Raum entsteht“, sagte Wacker-Chef Rudolf Staudigl im Interview mit dem Handelsblatt.

Wacker treibt das Projekt mit guten Vorzeichen mitten in der Rezession voran: In Amerika locken derzeit üppige Zuschüsse für Vorhaben, die Technologie für regenerative Energien anschieben. Aktuell arbeitet Wacker an den Anträgen für Steuererleichterungen, mit der die Regierung Obama die Ansiedlung der Solarindustrie im Süden der USA forcieren will. Dem deutschen Konzern kommt eine Schlüsselstellung für das Solarcluster zu: Wacker ist nach dem US-Konkurrenten Hemlock weltweit der zweitgrößte Hersteller von polykristallinem Silizium.

Wacker ist nicht das einzige deutsche Unternehmen, das an Amerikas Energiewende mitverdienen will. Schott Solar hat im Frühjahr im Bundesstaat New Mexico eine mehr als 100 Mio. Dollar teure Fertigungsstätte für Solartechnologien in Betrieb genommen. Die Anlage ist darauf ausgerichtet, in den nächsten Jahren kräftig ausgebaut zu werden. Auch die Solartechnikfirma SMA Solar geht in die USA. Um den dort stark wachsenden Markt besser mit Wechselrichtern bedienen zu können, will das Unternehmen in Colorado eine Produktionsstätte errichten. Kosten: 15 Mio. Euro. „Wir erwarten, dass sich der US-Markt mittelfristig zum weltweit größten Solarmarkt entwickelt“, sagte SMA-Chef Günther Cramer.

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