Milliarden-Refinanzierung: Schaeffler trennt sich von Continental-Aktien

Milliarden-Refinanzierung
Schaeffler trennt sich von Continental-Aktien

Der Autozulieferer Schaeffler hat sich mit seinen Banken auf ein umfangreiches Finanzkonzept geeinigt. Der Konzern baut seine Beteiligung an Continental ab und zahlt mit dem Erlös einen Teil seines Schuldenbergs ab.
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Frankfurt
Der Autozulieferer Schaeffler baut seine Beteiligung an Continental ab und zahlt mit dem Erlös einen Teil seines milliardenschweren Schuldenbergs ab. Das Herzogenauracher Familienunternehmen reduziert mit dem Befreiungsschlag seine direkte und indirekte Beteiligung an dem hannoverschen Konzern auf bis zu 60 von bisher 75 Prozent, wie Schaeffler am Sonntag mitteilte. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Conti-Aktien im Börsenwert von rund 1,8 Milliarden Euro an Investoren sollen die zweistelligen Milliardenschulden zum Teil getilgt werden. Für die restlichen Kredite hat Schaeffler nun deutlich bessere Konditionen ausgehandelt.

Schaeffler hatte sich mit der Übernahme von Conti verhoben, weil dem Wälzlagerhersteller die Finanzkrise in die Quere kam und ihm die Conti-Aktionäre angesichts einbrechender Märkte weit mehr Aktien andienten als geplant. Die dafür nötigen Kredite aber überforderten Schaeffler in der Wirtschaftskrise, weshalb die Gläubigerbanken, allen voran die Commerzbank und die britische RBS, sich auf Konzessionen eingelassen hatten - in der Hoffnung auf eine bessere Konjunktur.

Inzwischen läuft das Geschäft des fränkischen Konzerns tatsächlich deutlich besser, Conti ist an der Börse wieder gut zwölf Milliarden Euro wert. „Das ist eine Win-Win-Situation“, freute sich am Sonntag ein beteiligter Banker über die Einigung. „Das ist ein großer Schritt nach vorne für alle Beteiligten“, sagte ein anderer.
Fusion mit Conti möglich, aber unwahrscheinlich

Für Continental erhöht die Aktienplatzierung dank eines steigenden Streubesitzes die Chancen auf eine Rückkehr in den Blue-Chip-Index DAX. Zugleich hält Schaeffler eine spätere Fusion mit Continental offen. Diese war allerdings zuletzt in den Hintergrund gerückt, weil sie für die geplante Kooperation der beiden Autozulieferer für nicht nötig erachtet wird. Noch 2011 soll Schaeffler in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. „Auf dieser Basis prüft Schaeffler alle strategischen Optionen, um die Zusammenarbeit mit der Continental AG zu intensivieren“, hieß es in der Mitteilung. Mit der Gründung der Schaeffler AG erfüllen die Gesellschafter Georg Schaeffler und seine Mutter Maria Elisabeth aber auch eine Forderung der Gewerkschaften.

Die Investmentbank Goldman Sachs, die auch die Refinanzierung begleitet hatte, will noch am Montag bis zu 30 Millionen Conti-Aktien, die Schaeffler bisher bei den Banken M.M. Warburg und Metzler geparkt hatte, auf den Markt werfen. Weitere 15 Millionen der geparkten Papiere übernimmt Schaeffler selbst und erhöht seine direkte Conti-Beteiligung damit auf die nach einer Vereinbarung mit Conti maximal erlaubte Quote von 49,9 Prozent. Gut zehn Prozent liegen künftig noch bei den
beiden Privatbanken. In den nächsten zwölf Monaten soll sich an den neuen Beteiligungsverhältnissen auch nichts ändern.

Zuletzt lasteten auf Schaeffler noch rund 13 Milliarden Euro an Schulden. Sechs Milliarden davon waren in eine Holdingfirma ausgelagert worden, ein Großteil hiervon wurde bis zum Ende der Laufzeit 2015 gestundet. Nach der Teilrückzahlung werden die restlichen Kredite bis 2018 verlängert, wie ein Teilnehmer der Verhandlungen sagte. Der Zinssatz sinke von deutlich über zehn Prozent auf einen einstelligen Wert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Milliarden-Refinanzierung: Schaeffler trennt sich von Continental-Aktien"

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  • Na, da haben die Schaefflers ja echt den Deal des Lebens gemacht- 75 Euro pro Aktie mußten sie damals an die Aktionäre auskehren- und jetzt verkaufen sie Aktien die bei rund 61 Euro stehen - jetzt soll Schaeffler noch besser dastehen als zuvor und seinen Schuldenberg reduziert haben? Sorry, aber das ist doch wieder so eine Milchmädchenrechnung von Goldman Sachs... Ach, war das nicht die Bank, die auch die Griechen beim Euro Währungseintritt beraten haben ... Vertrau Bankstern...

  • LOL.
    So endet Selbstüberheblichkeit.

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