Milliarden-Tausch mit Sanofi
Boehringer steht vor größtem Zukauf der Firmengeschichte

Boehringer Ingelheim plant den großen Wurf: Der familiengeführte Pharmakonzern will die lukrative Tierarznei-Sparte des Konkurrenten Sanofi kaufen. Im Gegenzug geben die Rheinhessen Thomapyrin und Mucosolvan ab.

Paris/IngelheimDeutschlands zweitgrößter Pharmakonzern Boehringer Ingelheim steht vor dem größten Zukauf seiner Geschichte. Das familiengeführte Unternehmen aus Ingelheim am Rhein greift nach dem milliardenschweren Tierarznei-Geschäft des französischen Pharmakonzerns Sanofi. Dafür will Boehringer sein Geschäft mit rezeptfreien Arzneien und Gesundheitspräparaten an die Franzosen abgeben. Weil diese Sparte aber weniger wert ist, würde Boehringer noch zusätzlich rund 4,7 Milliarden Euro an Sanofi zahlen, wie beide Unternehmen am Dienstag mitteilten.

„Unser gemeinsames Geschäft für Tiergesundheit wäre für weiteres Wachstum hervorragend aufgestellt – damit würde ein weltweit führendes Unternehmen entstehen", erklärte Boehringer-Chef Andreas Barner, der im kommenden Sommer nach 24-jähriger Tätigkeit für das Unternehmen in den Ruhestand geht. Durch den Zusammenschluss von Boehringer und der Sanofi-Sparte Merial entstünde nach dem US-Konzern Zoetis der zweitgrößte Anbieter im Markt für Tiergesundheit mit einem Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro.

Abschließende Verträge sollen in den kommenden Monaten nach Gesprächen mit den Sozialpartnern unterzeichnet werden. Beide Unternehmen wollen den Tausch im vierten Quartal 2016 abschließen. Die Kartellbehörden müssen aber noch zustimmen. 2017 werde die Transaktion voraussichtlich noch keinen Einfluss auf den Gewinn je Aktie haben, teilte Sanofi mit. Danach werde der Deal diese Kennzahl aber steigern.

Merial wird mit 11,4 Milliarden Euro bewertet, die Selbstmedikations-Sparte (CHC) von Boehringer, also das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten, kommt auf einen Wert von 6,7 Milliarden Euro. Dazu gehören Mittel wie die Kopfschmerztabletten Thomapyrin, der Hustensaft Mucosolvan und das Bauchschmerzmittel Buscopan. Das CHC-Geschäft in China soll von der Transaktion ausgeschlossen bleiben.

Boehringer hatte sein Tiermedizin-Geschäft schon 2009 mit der Übernahme von Teilen des US-Tiergesundheitsspezialisten Fort Dodge gestärkt. Details zu der Transaktion wurden nie genannt, das Volumen war aber deutlich geringer als der nun geplante Zukauf. Eine Finanzierung des Deals dürfte für Boehringer kein Problem sein: Der 1885 gegründete Konzern hat laut Geschäftsbericht rund 8,5 Milliarden Euro auf der hohen Kante.

Die Tiermedizin gilt als lukratives Feld, da in den Industrieländern viel Geld für Haustiere ausgegeben wird und durch den Wandel der Ernährungsgewohnheiten die Nutztierhaltung in den Schwellenländern zunimmt. Außerdem ist der Tiermedizin-Markt im Gegensatz zur Hausmedizin nicht staatlich geregelt.

Auch für Sanofi zahlt sich der Spartentausch aus: Die Franzosen würden nach eigenen Angaben mit einem künftigen Umsatz von gut fünf Milliarden Euro in diesem Jahr und einem globalen Marktanteil von rund 4,6 Prozent auf Platz eins der Anbieter von frei verkäuflichen Arzneimitteln vorrücken und an GlaxoSmithKline und Bayer vorbeiziehen.

Finanzkreisen zufolge hatte Sanofi auch einen Börsengang seiner Tierarznei-Sparte geprüft. Der neue Firmenchef Olivier Brandicourt hatte Anfang November erklärt, sich vorerst auf magere Jahre einzustellen. Mit Investitionen in neue Medikamente will sich das Unternehmen gegen Einbußen im wichtigen Diabetes-Geschäft rüsten.

Agentur
Reuters 
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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