Milliarden-Transaktion: Türkei-Einstieg von Eon steht offenbar kurz bevor

Milliarden-Transaktion
Türkei-Einstieg von Eon steht offenbar kurz bevor

Eon ist stark am türkischen Energiemarkt interessiert. Dem österreichischen Versorger Verbund will Eon offenbar 50 Prozent am Versorger Enerjisa abkaufen. Der Vertrag könnte schon Anfang Dezember besiegelt werden.
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IstanbulEon-Chef Johannes Teyssen macht Kreisen zufolge Ernst mit seinen Plänen für einen Einstieg in den rasch wachsenden türkischen Energiemarkt: Der Düsseldorfer Energieriese wolle bereits in gut einer Woche einen entsprechenden Vertrag besiegeln, sagte mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Der österreichische Versorger Verbund soll Teyssen dabei die Tür in die Türkei aufstoßen: Verbund wolle seine Beteiligung von 50 Prozent den dem Versorger Enerjisa an Eon abtreten.

Die Übereinkunft solle am 3. Dezember unterschrieben werden. Eon wolle im Gegenzug Wasserkraftwerke in Deutschland und Österreich an Verbund abgeben. Das Volumen der Transaktion soll laut Insidern bei über eine Milliarde Dollar liegen. Eon und die türkische Sabanci-Holding, die die übrigen Anteile an Enerjisa hält, wollten sich nicht äußern. Verbund bestätigte Gespräche über einen Ausstieg aus dem Türkei-Geschäft mit einem "der größten Wasserkrafterzeuger Europas" ohne weitere Details zu nennen.

Eon hatte die Türkei bereits als interessanten Markt bezeichnet, den der Konzern genau beobachte. Insider hatten zudem von Verhandlungen um Enerjisa berichtet. Das Unternehmen war 1996 von Sabanci gegründet worden, Verbund war 2007 eingestiegen. Die Österreicher halten die Hälfte der Anteile und wollen sie den Kreisen zufolge an Eon weiterreichen. Enerjisa strebt bis 2015 einen Marktanteil von mindestens zehn Prozent am türkischen Strommarkt an. Das Unternehmen betreibt mehrere Gas- und Wasserkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 1650 Megawatt.

Für die Österreicher passt der Deal gut zu der Strategie, sich auf das Kerngeschäft mit Wasserkraftwerken in Österreich und Deutschland zu konzentrieren.

Teyssen prüft bereits seit längerer Zeit eine Expansion in die Türkei. Er will Eon unabhängiger vom deutschen Heimatmarkt machen. Der Energiehunger in der Türkei ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Die Düsseldorfer hatten dort bereits vor einigen Jahren Projekte, diese aber an den Konkurrenten RWE verkauft und stattdessen den russischen Strommarkt ins Visier genommen. Anfang des Jahres hatte Teyssen den Einstieg in den brasilianischen Markt angekündigt. Eon hat sich dazu an dem Versorger MPX des deutschstämmigen Milliardärs Eike Batista beteiligt.

Mit der milliardenschweren Ausweitung seiner Geschäfte ins Ausland hatte Eon indes nicht immer gute Erfahrungen gemacht. Wegen der schwächelnden Nachfrage in Teilen Europas hatte Teyssen jüngst seine Geschäftsprognosen für die kommenden Jahre gekippt und die Eon-Aktie auf Tiefststände geschickt.

"In Europa und mittlerweile auch in Deutschland wächst die Wirtschaft deutlich verlangsamt, manche Teile Europas gehen in Richtung Stagnation oder gar Schrumpfung", beklagte Eon. Der Konzern ist auch in Italien und Spanien vertreten, deren Regierungen mit harten Sparmaßnahmen die nationalen Haushalte sanieren. Die türkische Wirtschaft wies dagegen mit einem Wachstum von 8,5 Prozent im Jahr 2011 das höchste Plus in Europa aus. Eon-Aktien schlossen in einem freundlichen Umfeld 0,11 Prozent im Minus.

 

Kommentare zu " Milliarden-Transaktion: Türkei-Einstieg von Eon steht offenbar kurz bevor"

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  • Eon bedankt sich bei Planwirtschaftskanzlerin Merkel für ihre wohl durchdachte, schnörkellos umgesetzte Energiewende hahahaha!Unglaublich von welchen bornierten Nichtskönnern wir regiert werden, und quer durch alle Parteien nur selbstverliebte Grossmäuler ohne jegliche Kompetenz...ich muss weinen!!!!

  • Jawoll, jetzt wird schnell das Geld, das E.On über Jahre mit den Stromnetzen verdient hat, ins Ausland gebracht. Es könnte ja sein, der Altmaier merkt noch rechtzeitig, dass bei der Abspaltung der Stromnetze vergessen wurde, den Netzbetreibern den ihnen zustehenden Anteil am Vermögen der Stromkonzerne mitzugeben, so dass sie den Netzausbau für die Energiewende jetzt daraus bestreiten könnten. Man, man, man – wie bekloppt sind wir nur, solche Politiker zu wählen? Der Rösler und seine Stromkonzerne können vor Grinsen nicht mehr „Oh“ sagen und wir schauen tatenlos zu und bezahlen.

  • E.on bleibt nichts anderes übrig, als im Ausland ihr Glück zu versuchen. Hier in D. wurde das Unternehmen kalt enteignet, entgegen den geltenden Verträgen über den Ausstieg aus der Kernkraft. Die misslungene Energiewende lässt nicht einmal die konventionsellen Kraftwerke mit einer wirtschaftlichen Auslastung laufen. Die exorbitanten Preiserhöhungen beim Strom werden zudem noch den Energieversorgern angelastet. Das ist der Politik recht, denn damit wird von den wahren Verursachern der Kosten des Zufallsstroms abgelenkt. Die linksgrünen Klimahysteriker finden immer wieder bizarre Argumente, warum der Wahnsinn weitergehen soll. Davon unterscheiden sich CDU/CSU aber kaum.

    Es ist nur erstaunlich, warum die Energieversorger die staatliche Planwirtschaft so widerspruchslos hinnehmen. Man könnte doch in einer Anzeigenkampagne die Energiewende-Lügner entlarven.

  • Eon scheint aus seinen Misserfolgen bei den bisherigen Auslandsinvestitionen nichts gelernt zu haben.
    Aber besser, man verkauft seine an sich solide deutsche Ferngasgesellschaft an internationale Heuschrecken und investiert das Geld ebenfalls im Ausland. Dort mag es wachsende Märkte geben, allerdings kann es sein, dass man dort viel zu teuer einkauft.

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