Milliarden-Übernahme von Xstrata durch Glencore
Neue Hoffnung für Fusion der Rohstoff-Giganten

Die geplante Übernahme des Bergbaukonzerns Xstrata durch den Rohstoffhändler Glencore stößt auf Widerspruch aus Katar. Eigentlich sollten nun die Aktionäre entscheiden. Doch die Verschiebung deutet auf eine Lösung.
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Zürich/DüsseldorfDer Präsident des Verwaltungsrates des Rohstoffkonzerns Glencore, Simon Murray, hat überraschend die Hauptversammlung verschoben. Er begründete dies mit „jüngsten Entwicklungen, die in der vergangenen Nacht statt gefunden haben.“

Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Glencore-Chef Ivan Glasenberg sich doch noch im Bezug auf die geplante Fusion mit dem Minenkonzern Xstrata bewegt hat und seine Fusionsofferte noch nachgebessert hat. Die Aktien von Xstrata legten im Londoner Handel zeitweilig um rund vier Prozent zu. Der Kurs der Glencore-Papiere sackte dagegen um rund fünf Prozent ab.

Ursprünglich sollten heute die Aktionäre beider Konzerne auf außerordentlichen Hauptversammlungen über die geplante Fusion abstimmen. Es hatte sich bis dato ein Scheitern des mehr als 30 Milliarden Dollar schweren Zusammenschlusses abgezeichnet. Denn dem Staatsfonds aus Katar, der rund zwölf Prozent an Xstrata besitzt, war das von Glencore angebotene Tauschverhältnis von 2,8 Glencore-Aktien je Xstrata-Titel zu wenig. Gemeinsam mit anderen Xstrata Großaktionären drohten die Kataris, heute gegen das Fusionsprojekt zu stimmen. 

Die Hauptversammlung wurde bereits zum zweiten Mal verschoben, seit Katar die Fusionspläne durchkreuzte. Nun hat offenbar Xstrata-Chef Mick Davis die Streithähne Glencore und Katar dazu aufgerufen, vor der Kampfabstimmung eine Einigung zu erreichen.

Eine Lösung wäre überraschend. Denn Glencore-Chef Ivan Glasenberg weigerte sich hartnäckig, die Offerte aufzustocken. Das auf den Tisch gelegte Angebot sei „fair und angemessen“ gewesen. „Ich werde meine Aktionäre nicht verärgern, indem ich zu viel bezahle“, sagte Glasenberg noch bei der Vorlage der Geschäftszahlen. Zudem hatte er klar gemacht, dass ein Scheitern der Fusion „nicht das Ende der Welt“ sei.  

Katar hatte seinen Anteil an Xstrata in den vergangenen Monaten schrittweise erhöht. Der Staatsfonds der Golf-Nation hat in den vergangenen Monaten etwa sechs Milliarden Dollar ausgegeben, um sein Aktienpaket aufzubauen. Damit ist Katar zum zweitgrößten Xstrata-Aktionär aufgestiegen. Nummer eins ist Glencore mit 34 Prozent der Anteile.

Der Staatsfonds war nicht der einzige Anleger, der meuterte. Fünf weiteren Großaktionären war das Tauschangebot ebenfalls zu mickrig. Schon bei der Verkündung des Fusionsvorhabens im Februar monierten die britischen Vermögensverwalter Standard Life Investments und Schroders, dass der von Glencore angebotene Preis zu niedrig sei.

Auch Norwegens Ölfonds hat in den vergangenen Wochen für rund 500 Millionen Dollar Xstrata-Anteile erworben. Der Pensionsfonds hält rund drei Prozent an Xstrata. Auch die Norweger schlugen sich auf die Seite von Katar.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

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