Milliardenauftrag für Siemens
Milliardenauftrag vom Milliardenvolk

Die Volksrepublik China will bei Siemens 60 ICE-Züge im Wert von mehr als 1,3 Milliarden Euro kaufen. Wie das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen erfuhr, sollen die auf dem in Deutschland eingesetzten ICE 3 basierenden Züge für eine Spitzengeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern ausgelegt sein. Sie wären Chinas erste Hochgeschwindigkeitszüge, da bisher georderte Züge lediglich für Tempo 200 vorgesehen sind.

and/cr/ek PEKING/DÜSSELDORF. Die Bestellung will der chinesische Staatspräsident Hu Jintao neben weiteren großen Abschlüssen bei seinem Besuch in Deutschland vom 10. bis 13. November unterzeichnen, verlautet aus China. Siemens wollte sich zu dem möglichen Geschäft nicht äußern.

Für den Konzern wäre dies ein wichtiger Einstiegsauftrag bei der massiven Aufrüstung des chinesischen Eisenbahnnetzes. Die Regierung plant, 500 Mrd. Yuan (rund 50 Mrd. Euro) bis zum Jahr 2010 in sein Schienen- und Zugnetz zu investieren. Neben neuen Strecken sollen bestehende Verbindungen für höhere Geschwindigkeiten ausgebaut werden. „Die Chinesen planen den Neubau von jährlich 1 000 Kilometern Strecke, und das Faszinierende daran ist, dass sie bisher ihre Planungen immer eingehalten haben“, sagte Michael Clausecker, Geschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland, dem Handelsblatt.

Von dieser Aufrüstung will die deutsche Industrie massiv profitieren, zumal die technologische Entwicklung Chinas sich nicht auf das Verkehrswesen beschränkt. In deutschen Wirtschaftskreisen geht man davon aus, dass China in Zukunft ein wichtiger Standort für Hochtechnologie sein wird. Die steigende Abhängigkeit von Rohstoff- und Ölimporten zwingt China, alternativen Energien wie der Brennstoffzelle oder der Herstellung synthetischer Kraftstoffe mehr Beachtung zu schenken. „Für Deutschland bieten sich hier große Chancen“, sagt Christina Rentzmann, China-Expertin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). „Deutschland hat genau jene Ressourcen sparenden Produkte und Technologien, die China jetzt benötigt.“

Die Wandlung Chinas zum High-Tech-Partner Deutschlands vollzieht sich vor dem Hintergrund stark sinkender Exporte in traditionellen Branchen. Im ersten Halbjahr 2005 fiel der deutsche Export von KFZ und Zubehör nach China um 50 Prozent, die Lieferungen von Kunststoffmaschinen gingen um 45 Prozent zurück. Der China-Export insgesamt brach um 12,7 Prozent auf 9,5 Mrd. Euro ein. 2004 belief sich das deutsche Defizit im China-Handel auf 11,5 Mrd. Euro. Daher versucht die deutsche Wirtschaft jetzt, zukunftsträchtige Industriezweige zu erschließen. Allerdings nicht ohne Vorbehalte: „Vertrauen in den Schutz geistigen Eigentums ist die wichtigste Voraussetzung für Technologiekooperation“, sagt Rentzmann.

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