Milliardendeal
Abbott kauft Pharmasparte von Solvay

Der belgische Chemie- und Pharmakonzern Solvay hat einen Käufer für sein seit Frühjahr zum Verkauf gestelltes Pharmageschäft gefunden: Der US-Konzern Abbott Laboratories zahlt für die Sparte 4,5 Mrd. Euro in bar. Solvay weiß auch schon, wofür das Geld eingesetzt werden soll.

FRANKFURT. Mit dem Verkaufserlös will Solvay sein Chemie- und Kunststoffgeschäft ausbauen. "Wichtig ist, dass wir das Geld im Hause haben", sagte Konzernchef Christian Jourquin gestern vor Journalisten. Das belgische Unternehmen sondiert den Angaben zufolge bereits verschiedene Möglichkeiten, um sich durch Akquisitionen zu verstärken - sei es regional oder mit Blick auf neuartige Produkte.

Solvay ist neben Bayer und der Merck KGaA eines der letzten Unternehmen, das Chemie- und Pharmageschäft als Mischkonzern unter einem Dach vereint hat. Die belgische Firma macht mehr als 70 Prozent ihres Umsatzes von zuletzt 9,5 Mrd. Euro mit Chemieprodukten und Kunststoffen. Die Sparten hatten allerdings im Zuge der Wirtschaftskrise in diesem Jahr deutlich an Umsatz und Ertrag verloren.

Das Pharmageschäft von Solvay hat nach Einschätzung der Analysten von Unicredit nicht die nötige kritische Masse, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Zwar hatten sich die Belgier in den vergangen Jahren durch Zukäufe wie den Erwerb der französischen Laboratoires Fournier und der belgischen Biotechfirma Innogenetics gezielt im Pharmabereich verstärkt. Mit einem Pharmaumsatz von zuletzt 2,7 Mrd. Euro rangiert Solvay aber dennoch weltweit nur im hinteren Mittelfeld der Hersteller von Arzneimitteln.

Abbott zahlt für Solvay insgesamt bis zu 5,2 Mrd. Euro. Zum Barpreis kommen noch 400 Mio. Euro für Pensionszahlungen hinzu sowie 300 Mio. Euro von 2011 bis 2013 für das Erreichen bestimmter Entwicklungsschritte. Gemessen an diesem Preis würde Abbott für Solvay das 1,9-fache des Umsatzes sowie das zehnfache des Gewinns vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen bezahlen. Solvay hatte in der Pharmasparte, in der mehr als 9 600 Mitarbeiter beschäftigt sind, zuletzt einen Vorsteuergewinn von 509 Mio. Euro ausgewiesen.

Damit liegt der Kaufpreis etwas niedriger als bei anderen Pharmaübernahmen dieses Jahres: Bei den Megadeals Pfizer/Wyeth und Merck/Schering Plough etwa wurde das 2,5- bis dreifache des Umsatzes bezahlt, im Falle von Schering Plough mehr als das 20-fache des Umsatzes. Allerdings scheint Solvays Pharmasparte im internationalen Vergleich auch nicht die attraktivste zu sein: JP Morgan bewertete den Gesamtpreis von 5,2 Mrd. Euro als deutlich über den Markterwartungen, die bei einem Erlös von vier bis 4,5 Mrd. Euro gelegen hätten.

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