Milliardendeal

Fiat übernimmt Chrysler komplett

Fiat rüstet sich für die knallharte Konkurrenz im Autogeschäft: Der italienische Konzern übernimmt die restlichen Anteile an seiner US-Tochter Chrysler komplett. Dafür muss er eine Milliardensumme aufbringen.
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Fiats wackelige Wette auf Chrysler

Turin/DetroitFiat sichert sich die volle Kontrolle über die US-Tochter Chrysler. Der italienische Autobauer übernimmt in einem 4,35 Milliarden Dollar (3,16 Mrd. Euro) schweren Geschäft den Minderheitsanteil, den bislang der Gesundheitsfonds der nordamerikanischen Autogewerkschaft UAW hält. Fiat stellt sich damit im knallharten Autogeschäft besser auf gegenüber Rivalen wie Volkswagen, der Opel-Mutter General Motors oder Ford.

„Dank der einheitlichen Besitzverhältnisse können wir nun unsere Vision eines globalen Autobauers umsetzen“, erklärte Konzernchef Sergio Marchionne am Mittwoch in Turin. Während Fiat seine Autos vor allem in Europa und Lateinamerika verkauft, ist Chrysler aus Auburn Hills nahe Detroit in Nordamerika stark. Zu dem Gesamtkonzern gehören auch die italienischen Marken Alfa Romeo, Lancia und Abarth sowie die amerikanischen Marken Jeep, Dodge und Ram.

Die Italiener waren 2009 bei Chrysler eingestiegen, als der US-Hersteller in der Wirtschaftskrise in die Insolvenz schlitterte und vom amerikanischen Steuerzahler gerettet werden musste. Fiat bot technisches Knowhow an und erhielt im Gegenzug nach und nach immer mehr Anteile. Die Partnerschaft erwies sich trotz aller Unkenrufe als Erfolg: Chrysler schreibt seit mehr als zwei Jahren Gewinne, was Fiat half, die Einbrüche im europäischen Automarkt zu überstehen.

Der vollen Integration von Chrysler in den Fiat-Konzern stand aber der 41,5-Prozent-Anteil der Autogewerkschaft entgegen, den diese für ihre Zugeständnisse in der Insolvenz erhalten hatte. Seit Monaten verhandeln beide Seite über die Komplettübernahme. Allerdings lagen die Preisvorstellungen meilenweit auseinander. Als Ausweg aus dieser Zwickmühle hatte Fiat einen Börsengang für Chrysler erwogen, den Plan aber Ende November verworfen.

Der Gesundheitsfonds der Gewerkschaft bekommt nun aus der Kasse von Chrysler 1,90 Milliarden Dollar ausgeschüttet, weitere 1,75 Milliarden Dollar zahlt Fiat beim Abschluss der Transaktion. Der Plan ist, dass die Anteile bis spätestens 20. Januar den Besitzer wechseln. Zudem bekommt der Fonds von Chrysler weitere insgesamt 700 Millionen Dollar in vier jährlichen Raten ausbezahlt.

Chrysler befand sich zuletzt im Aufwind. Im dritten Quartal 2013 stieg der Gewinn um 22 Prozent auf 464 Millionen Dollar, der Umsatz um fast 14 Prozent auf 17,6 Milliarden Dollar. Damit wird die Tochter immer wichtiger für den Fiat-Konzern, der vor allem auf dem Heimatmarkt zu kämpfen hat.

  • dpa
  • rtr
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9 Kommentare zu "Milliardendeal: Fiat übernimmt Chrysler komplett"

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  • WIR bleiben nicht auf den Schulden sitzen, denn WIR sind das Volk und nicht die Regierung. Diese Regierung hat sich selbst gewählt, Volksabstimmungen will sie nicht haben. Und im Gegensatz zu Russland dürfen wir nicht einmal unseren Regierungschef wählen.

    Also kümmern wir uns doch besser um unser Leben und unsere Aktien.

  • Zitat : Fiat übernimmt Chrysler komplett

    - Zwei Kranke werden durch eine Heirat nicht gesund : ihre Leiden verdoppeln sich !

  • Daß der italienische Staat nicht hinter FIAT steht, ist schlicht falsch. Natürlich ist der italienische Staat kein Eigentümer, aber er garantiert Kredite via der italienischen Banken. Da wir mittlerweile eine EU-Bankenunion haben, ist natürlich nolens volens auch der deutsche Staat indirekt beteiligt; derzeit "nur" am Risiko der Transaktion, aber vielleicht schon bald mit "Cash"!

  • Ich fürchte auch, dass an dem was dran sein könnte, was der Michel hier schreibt. Ich weiß nicht, wie der Deal finanziert wird, aber er ist mit Sicherheit sehr riskant. Es kann gut sein, dass sich die italienischen Banken erst dank der kürzlich beschlossenen Banken-Union dazu durchgerungen haben, das Risiko einzugehen. Shließlich können sie in ein paar Jahren auf Hilfsgelder aus dem Bankenrettungsfond beanspruchen, der in erster Linie (natürlich) wieder mal in erster Linie von Deutschlan zu füllen sein wird. So kann man sein Risiko natürlich schön vergemeinschaften und muss nicht so genau sein mit den Zahlen. Gleiches Muster wie immer. Auf jeden Fall finde ich den Zeitpunkt der Bekanntgabe sehr interessant, wurde doch erst eine Woche vor Weihnachten beschlossen, dass Deutsche Banken im Zweifel auch für (große) Verluste von Italienischen blechen müssen. Und bei einem Kaufpreis von über 4 Mrd. Dollar werden die Verluste hinreichend groß sein, wenn die Konsolidierung nicht den gewünschten Erfolg bringt. Ich bin gespannt

  • Das Trauerspiel geht weiter und weiter....
    Fiat (unter Marchionne), selbst in größten Schwierigkeiten, will nur, um seine eigenen Löcher zu stopfen, an das Geld in Chryslers Kassen. Dies können sie nur wenn kein anderer noch eine Sperrminorität hat um dies zu verhindern. Dumm nur das Fiat für den Kauf gar kein Geld hat und sich dieses bei Banken leihen muss. Diese wohl tatsächlich mit den Geld in Chryslers Kassen überzeugen konnte den Deal zu finanzieren. In Zukunft wird Fiat also nur Kredite bedienen. Dies wird aber nicht lange gut gehen denn nur gute, marktkonforme Produkte führen zu Gewinn und nachhaltigem Erfolg. Und genau daran mangelt es Fiat mit Marchionne als Vorstandsvorsitzenden. Dieser hat vom Produkt Automobil keine Ahnung. Er ist einzig darauf bedacht seinen Vertrag so lange wie möglich, seitens der noch bestimmenden Familie Agnelli (die über verschiedene Schachtelholdings immer noch eine Sperrminorität bei Fiat inne haben), verlängert zu bekommen um sich möglichst viel in die eigenen Taschen zu stopfen. Bei einem völlig unerfahrenen John Elkan, der sich von solcherlei Manövern beeindrucken lässt, kein großes Problem. Es wird wohl also nicht mehr lange dauern bis die Kreditgebebanken wirklich große Probleme haben werden und die gewehrten Kredite größtenteils abschreiben müssen. Das Leiden geht also in die nächste Runde....

  • Dann warten wir mal ab. Ich hoffe ich irre mich und Sie haben Recht.

    Zum Thema sachlich bleiben: Leider haben sich in Bezug auf die EU, oder wer wird das letztendlich finanzieren, schon viele "unsachlichen" Befürchtungen nachträglich als wahr herausgestellt. Eine Auflistung wäre ein Buch und würde hier den Rahmen sprengen! Bei Bedarf bitte googeln...

  • So wird das laufen.

    Man erinnere auch, daß Daimler seinerzeit viele Milliarden in Chrysler investiert hat, dazu das Wissen, wie man überhaupt brauchbare Autos baut. Alles verschenkt; im Gegensatz zu den Reparationszahlungen ab 1919 wird das noch nicht mal angerechnet.

  • Sorry, so ein Kommentar kann nur von einem "Deutschen-Michl" kommen. Denn im Gegensatz zur Deutschen Automobilindustrie steht in Italien keine Regierung dahinter. In Deutschland werden unsere Automobilkonzere, egal von welcher Regierung geschützt. Wie z. B. Durch das sogenannte VW- Gesetz, einschalten der Kanzlerin bei Festlegung der CO2 Grenzen innerhalb der EU etc. Bleiben Sie deshalb sachlich. Schon 2009 haben viele der sogenannten "Deutschen-Automobilexperten" den Deal mit Chrysler kritisch gesehen, die Unternehmenszahlen sprechen aber eine andere Sprache.

  • FIAT ist für Italien systemrelevant und somit wird die EU, sprich der Deutsche Steuerzahler mit Darlehen einspringen. Die Darlehen sind mit nahezu 0% Zins und seeeehr langer Laufzeit ausgestattet, so daß sich die Schulden über die Inflation kaufkraftmäßig selbst reduzieren. Somit finanziert der Deutsche Steuerzahler die Luxusgehälter, -Pensionen und -Abfindungen der Chrysler-Manager. Wenn dann gar nichts mehr geht, meldet Chrysler einfach "Insolvenz" an und FIAT, sprich wir, bleiben auf den Schulden sitzen.

    Wieder ein kluger Schachzug der Amerikaner, nachdem sie den europäischen Banken und Anlegern ihre Schrott-Immobilienkredite (ABS-Papiere) als hochwertige Anlagen verkauften und die Krise erst auslösten.
    Tja, liebe NSA-Mitleser, das ist die Wahrheit!

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