Milliardenemission

Börsengang von Evonik scheitert an Euro-Krise

Es sollte der Börsengang des Jahrzehnts werden. Jetzt müssen die Eigentümer des Chemiekonzerns Evonik am Montag voraussichtlich einen peinlichen Rückzieher verkünden. Die Gründe sind ernüchternd.
Update: 17.06.2012 - 18:41 Uhr Kommentieren
Evonik hat seinen Börsengang endgültig abgesagt, berichten informierte Kreise. Quelle: dpa

Evonik hat seinen Börsengang endgültig abgesagt, berichten informierte Kreise.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/FrankfurtDer milliardenschwere Börsengang des Essener Chemiekonzerns Evonik scheitert nach Angaben aus Eigentümerkreisen an hohen Abschlägen wegen der Euro-Krise. Der Haupteigentümer RAG-Stiftung, der 74,99 Prozent an Evonik hält, werde den Börsengang bei einer Kuratoriumssitzung am Montag entweder ganz absagen oder auf unbestimmte Zeit vertagen, hieß es am Sonntag aus Stiftungskreisen. Die Abschläge, die internationale Investoren für ein Engagement bei Evonik wegen der Euro-Krise verlangt hätten, seien einfach zu hoch. „Es geht den Investoren nicht um Deutschland, es geht nicht um Evonik, es geht um die Euro-Zone“, hieß es aus den Kreisen.

Es wäre der größte Börsengang in diesem Jahr in Europa gewesen, der nun an den Finanzmarktturbulenzen gescheitert ist und damit weiteren Kandidaten den Weg an den Aktienmarkt erschweren dürfte. Bei den Beratungen mit den zuständigen Banken sei klar geworden, dass zentrale Voraussetzungen für Evoniks Sprung aufs Börsenparkett nicht erfüllt seien, sagten vier mit dem Vorgang vertraute Personen am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Der Konzern aus Essen sollte eigentlich Ende des Monats an die Börse gehen und dem Mehrheitseigner RAG-Stiftung sowie dem Finanzinvestor CVC Milliarden in die Kassen spülen.

Finanzkreisen zufolge war bei einem Treffen des Kuratoriums der RAG-Stiftung mit den Banken am Flughafen Düsseldorf am Freitag klar geworden, dass es trotz monatelanger Vorbereitungen der Deutschen Bank und von Goldman Sachs weder die vom Mehrheitseigner geforderte Klarheit für die Preisspanne und das Volumen eines Börsenganges gebe noch verbindliche Zusagen von Investoren, Anteile zu zeichnen. Das Scheitern der Pläne sei sicher, sagte ein zweiter Insider. Ein Sprecher der RAG-Stiftung wollte sich dazu nicht äußern. Eine CVC-Sprecherin wiederholte nur die Aussage, dass der seit vier Jahren mit 25,01 Prozent beteiligte Finanzinvestor sich in der Beurteilung der Lage mit dem Mehrheitseigner einig sei.

Das Kuratorium der RAG-Stiftung wolle am Montag ab 14.00 Uhr beraten, hieß es. Danach werde die Absage erfolgen. "Die Entwicklung auf den Finanzmärkten seit Ende Mai bewirkt eine zunehmende Unsicherheit, ob Erlöse erreichbar sind, die dem Wert der Evonik gerecht werden", hatte die RAG-Stiftung eingeräumt. "Eine angemessene Bewertung der Evonik und Transaktionssicherheit sind Voraussetzungen für den Börsengang", ohne die er abgebrochen werden müsse. Dies werde nun erfolgen, hieß es in Kuratoriumskreisen.

Die Stiftung hatte für den Börsengang eine Mindestbewertung von 15 Milliarden Euro für Evonik angepeilt. Diese war aber nicht zu erreichen - potenzielle Investoren wollten den Preis deutlich drücken. "Es gibt keine Ankerinvestoren mit verbindlichen Zusagen", sagte ein Insider.

An anderer Stelle hieß es, Investoren hätten durchaus Interesse an Evonik gezeigt, sie seien aber nicht bereit gewesen, angesichts der Turbulenzen an den Börsen und der Euro-Schuldenkrise den Preisvorstellungen der Stiftung nachzukommen. Ein Banker, dessen Institut an dem Plan mitgearbeitet hatte, sagte: "Wenn die möglichen Käufer allein den Preis diktieren können, muss man sich überlegen, ob ein Börsengang sinnvoll ist."

Welche deutschen Konzerne an die Börse drängen
Evonik
1 von 10

Evonik

Der Chemiekonzern Evonik wollte ursprünglich im Mai an die Börse gehen. Damit rückte der erste Milliarden-Börsengang in Deutschland nach der Finanzkrise in greifbare Nähe. Doch nun wird der Börsengang wohl vorerst abgeblasen.

Über einen Börsengang müssen neben den Evonik-Eignern, die RAG-Stiftung sowie der britische Finanzinvestor CVC, der über 25 Prozent an dem Essener Unternehmen hält, entscheiden. Sollte die RAG-Stiftung und CVC insgesamt 30 Prozent der Anteile verkaufen, könnte Evonik leicht fünf Milliarden Euro schwer werden. Damit wäre das Unternehmen ein möglicher Kandidat für den Dax. Das es bei den Essenern schon vor dem Börsengang glänzend läuft, beweist ein Blick auf die Zahlen. Im letzten Jahr erzielte Evonik einen Umsatz von 14,5 Milliarden Euro, wovon über eine Milliarde Euro als Gewinn übrig blieb. Damit konnte das Chemieunternehmen seinen Gewinn um 38 Prozent steigern.

Talanx kauft BHW Leben
2 von 10

Talanx

Der Versicherer aus Hannover hält das derzeitige Marktumfeld ebenfalls günstig für einen Börsengang. Analysten prognostizieren der Hannover Rück Tochter ein Handelsvolumen von einer Milliarden Euro, sollten sie kommendes Quartal an die Börse gehen. Der drittgrößte deutsche Versicherer plant seine Börsennotierung mittlerweile schon seit einem Jahrzehnt. Dass es den Hannoveranern nun ernst ist, zeigt auch die Weigerung des Vorstandchefs Ulrich Wallin eine Gewinnprognose für 2012 abzugeben. In Börsenprospekten sind solche Prognosen hinderlich, weil Investoren das Unternehmen darauf festnageln könnten. Für das letzte Jahr sind die Zahlen allerdings bekannt. 2011 machte Talanx einen Gewinn von 520 Millionen Euro.

Kolbenschmidt Pierburg
3 von 10

Kolbenschmidt Pierburg (KSPG)

Das Unternehmen gehört zur Automobilsparte des Düsseldorfer Rüstungskonzerns Rheinmetall. Der Autozulieferer Kolbenschmidt Pierburg erwägt einen Börsengang bis Juni 2012. Die Unternehmensdaten können sich sehen lassen. Im letzten Jahr lag der Umsatz bei über zwei Milliarden Euro. Sollte der Mutterkonzern Rheinmetall 50 Prozent seiner Anteile verkaufen, könnten die Banken Aktien für rund eine halbe Milliarde Euro verkaufen.

huGO-BildID: 14521238 ARCHIV - Blick auf ein Verkaufsregal der Firma Schiesser in einem Modegeschaeft in Ravensburg, aufgenommen am 10. Februar 2009.
4 von 10

Schiesser

Aufsichtsratchef Volker Grub hatte seine Pläne für einen Börsengang mehrmals verschoben. In der Sommerpause soll es nun so weit sein. Die BHF-Bank und Equinet sollen die Börsennotierung begleiten. Das Traditionsunternehmen, dass für seine Feinrippunterwäsche bekannt ist, war erst im vergangenen Jahr nach zwei Jahren Sanierung aus der Insolvenz gekommen. Mit dem Erlös aus dem Börsengang sollen die Gläubiger ausgezahlt werden. 2010 hat das Unterwäscheunternehmen einen Umsatz von 124,5 Millionen Euro erzielt. 5,1 Millionen Euro blieben als Nettogewinn übrig.

H.C. Starck
5 von 10

H.C. Starck

Beim Spezialchemiekonzern H.C. Starck ist man sich derweil unsicher geworden, ob ein Börsengang riskiert werden soll. Derzeit prüfen die Finanzinvestoren Advent und Carlyle, die die Börsennotierung von H.C. Starck begleiten sollten, parallel auch wieder einen Verkauf. Um Ostern herum soll die Richtung klar sein. Das Unternehmen, dass sich auf Metall-Pulver, Bauteile und technische Keramik spezialisiert, konnte im letzten Jahr 883 Millionen Euro umsetzen, 28 Prozent mehr als 2010.

Börsengang von Osram geplant
6 von 10

Osram

Die Siemens-Tochter plant seit längerem einen Börsengang. Im Herbst letzten Jahres sollte Osram an der Börse notiert werden, doch damals stellte sich Siemens noch dagegen. Mit der Börsen-Rally seit Jahresanfang haben sich die Börsenpläne aber wieder vertieft. Im Zuge der Neuemission an der Börse strengt der Leuchtmittelhersteller eine Effizienzsteigerung an. Und die sieht vor bis 2014 3000 Stellen zu streichen. Davon sollen allein in Deutschland 1050 Arbeitsplätze wegfallen. Weltweit hat Osram 41.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2011 erreichte der Münchner Konzern einen Umsatz von fünf Milliarden Euro.

Heidelberger Druckmaschinen AG - Produktion
7 von 10

Flint

Der Druckfarbenhersteller Flint ist ein weiterer Börsenkandidat des Finanzinvestors CVC. Mit Flint käme ein etwas kleinerer Titel an die Börse. Das Unternehmen verdiente im vergangenen Jahr operativ (Ebitda) 310 Millionen Euro. Gegründet wurde Flint 1865. Über BASF wurde Flint später an CVC verkauft.

"Pleite für die Banken"
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Milliardenemission - Börsengang von Evonik scheitert an Euro-Krise

0 Kommentare zu "Milliardenemission: Börsengang von Evonik scheitert an Euro-Krise"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%