Milliardenerlös erwartet
Investoren buhlen um Bavaria Yachtbau

Deutschlands größter Hersteller von Freizeitschiffen, Bavaria Yachtbau, steht offenbar zum Verkauf. Die beiden Eigentümerfamilien stehen nach Informationen aus Branchenkreisen in Verhandlungen mit mehreren potenziellen Käufern. Es geht um einen Milliardenbetrag.

HB FRANKFURT. Mehrere mit der Transaktion vertraute Personen sagten, die bislang aufgerufenen Preise lägen über 1 Mrd. Euro. „Die Offerten waren zuletzt bei 1,2 bis 1,3 Mrd. Euro“, sagte ein Insider. Den Kreisen zufolge haben bereits mehrere potenzielle Käufer wegen zu hoher Preisvorstellungen der Verkäufer das Rennen verlassen. Maximal eine Hand voll Bieter sei noch im Rennen, darunter auch die Finanzinvestoren Cinven und Bain Capital, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen. Bindende Angebote müssten binnen weniger Wochen eingereicht werden. Weder Cinven noch Bain wollten sich zu den Informationen äußern.

Bavaria Yacht mit Sitz im fränkischen Giebelstadt bei Würzburg baute im vergangenen Geschäftsjahr gut 3 500 Schiffe. Der Umsatz des deutschen Branchenprimus lag nach Angaben des Unternehmens im Geschäftsjahr 2005/06 (zum 31. Juli) bei 271 Mill. Euro. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erwirtschafteten die Franken einen Gewinn von 79 Mill. Euro. Früheren Angaben zufolge will das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr mehr als 4 000 Schiffe ausliefern.

Bavaria ist 1978 aus einer Kunstofffenster-Fabrik hervorgegangenen. Neben Segelschiffen bauen die Franken auch Motoryachten. Besonderheit ist die Fließband-Fertigung, die den Bau der Boote billiger macht. An der Spitze des Unternehmens steht der über 60 Jahre alte Miteigentümer Winfried Herrmann.

„Die Eigentümerfamilien prüfen verschiedener Alternativen als Nachfolgelösungen für die Zukunft ihres Unternehmens“, sagte Frank Schönert, Managing Partner bei der mandatierten, auf Übernahmen spezialisierten Beratungsfirma Network Corporate Finance (NCF). „Aufgrund des großen Unternehmenserfolges sind Investoren in den letzten Jahren regelmäßig bei Bavaria Yachtbau vorstellig geworden. Entsprechend liegen eine Vielzahl an Interessenbekundungen vor, darunter von strategischen Investoren und Finanzinvestoren.“ Aber auch ein Börsengang sei nicht ausgeschlossen. Schönert wollte weder bestätigen noch dementieren, dass ein strukturierter Verkaufsprozess läuft. Auch zur Höhe vorliegender Angebote äußerte er sich nicht. Finanzkreisen zufolge vertritt NCF die Eigentümerfamilie Hermann; die zweite Eigentümerfamilie Meltl hat die Investment-Firma Ermgassen mandatiert.

„Die Preisregion, in der man sich bewegt, ist auch für ein so profitables Unternehmen sehr knackig“, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Die Angebote lägen bereits jetzt oberhalb des Zwölfachen des Ebitda, das sich im laufenden Geschäftsjahr in Richtung 100 Mill. Euro entwickeln werde. Womöglich werde bis zum Abschluss der Auktion sogar das 14-fache des operativen Gewinns gezahlt, sagte ein anderer Insider. Ein Dritter ergänzte: „Das könnte sogar in die Region von 1,5 Mrd. Euro laufen.“

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