Milliardenfusion
Nippon Oil und Nippon Mining fusionieren

In Japans Ölindustrie bahnt sich eine Großfusion an. Der führende Ölraffineriekonzern des Landes, Nippon Oil Corp, und die Nummer Sechs Nippon Mining Holdings wollen sich 2009 zusammenschließen. Es wäre der achtgrößte Ölkonzern der Welt.

HB TOKIO. Die Unternehmen erhoffen sich von der geplanten Fusion vor dem Hintergrund der weltweit rapide gesunkenen Ölnachfrage und des Wettlaufes um Rohstoffe Kosteneinsparungen von jährlich mindestens 60 Milliarden Yen (rund 510 Millionen Euro). Beide Unternehmen teilten heute mit, ihre Aufsichtsgremien würden im Tagesverlauf zusammenkommen, um über eine Fusion zu beraten. Die Präsidenten beider Konzerne gaben heute in Tokio ein entsprechendes Grundsatzmemorandum über die Zusammenlegung ihres Managements bekannt. Sie wollen im März 2009 einen Vertrag unterzeichnen und im Oktober eine Holding gründen. Über den Namen des neuen Ölriesen und den Umfang des Geschäfts werde zu einem späteren Zeitpunkt beraten, hieß es weiter. Die Fusion solle jährliche Einsparungen in Höhe von bis zu 1,1 Milliarden Dollar bewirken, teilten beide Unternehmen mit.

Durch die Fusion entsteht ein Konzern mit zwölf Billionen Yen Umsatz, was der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg zufolge in etwa einem Drittel des Vorjahresumsatzes von Exxon Mobil entsprechen würde, dem größten Ölkonzern der Welt. Vor dem Hintergrund der stark gefallenen Ölpreise und sinkender Nachfrage wegen der globalen Wirtschaftskrise sollen die Kapazitäten zur Ölraffinerie innerhalb von zwei Jahren nach der Fusion von Nippon Oil und Nippon Mining um 400 000 Barrel pro Tag reduziert werden, wie Nippon Oil-Präsident Shinji Nishio mitteilte.

Es ist die größte Fusion in Japans Ölbranche seit 1999, als sich Mitsubishi Oil und Nippon Oil zusammenschlossen. Branchenkenner rechnen damit, dass die neue Fusion angesichts der weltweit rapide verschlechterten Wirtschaftsbedingungen weitere Umstrukturierungen in der Industrie auslösen wird. Japans Ölindustrie befinde sich in einem strukturellen Abwärtstrend und er habe die Gefahr gesehen, dass sich die Profitabilität verschlechtern werde, wenn nichts unternommen wird, wurde Nippon Mining-Präsident Mitsunori Takahagi zitiert.

Im Oktober hatte Branchenführer Nippon Oil seine Gewinnprognose für das noch bis 31. März 2009 laufende Geschäftsjahr um über 97 Prozent nach unten korrigiert. Nippon Mining, die derzeitige Nummer Sechs der heimischen Ölbranche, rechnet ebenfalls mit deutlich weniger Gewinn. Im Vorjahr hatte Nippon Oil einen Reingewinn von 148,3 Mrd Yen erzielt und Nippon Mining von 99,3 Mrd Yen.

Ziel des Zusammenschlusses seien vordergründig Einsparmöglichkeiten, da beide Unternehmen wegen des schwachen Marktes nicht mit einer Absatzsteigerung rechnen können, sagte Takashi Kamiya, Chef-Volkswirt bei T&D Asset Management. Ein Großteil der japanischen Raffinerien ist veraltet. Die Branche hat zudem mit einer geringen Handelsspanne zu kämpfen. Analysten hatten daher schon seit längerem mit einer Neustrukturierung gerechnet.

Seit vergangenem Sommer haben die Ölpreise um mehr als 100 Dollar nachgegeben. Allein in dieser Woche sind die Preise um rund zehn Dollar gesunken. Mitte Juli - vor der Zuspitzung der Finanzkrise im Herbst - hatten die Ölpreise noch Rekordmarken von knapp unter 150 Dollar erreicht. Seither sind die Preise aber im Zuge der globalen Wirtschaftskrise bis auf das Niveau von etwa 46 Dollar abgesackt. Nippon Oil und Nippon Mining betreiben in Japan zusammen landesweit derzeit etwa 13 000 Tankstellen. Im Zuge ihrer geplanten Fusion sollen unprofitable Tankstellen und Raffinerien geschlossen werden.

Die Börsianer in Tokio reagierten erfreut auf die Nachrichten. Die Anleger von Nippon Oil konnten sich über ein Plus von 3,4 Prozent freuen, Nippon Mining-Titel legten sogar 11,3 Prozent zu. Zusammen kämen beide damit auf einen Marktwert von umgerechnet etwa 8,6 Milliarden Dollar.

Die Regierung in Tokio begrüßte den Fusionsplan und erhofft sich davon zugleich eine verbesserte Energiesicherheit für das Land. Es sei „sehr wichtig“, dass Japans Energieindustrie auch im Hinblick auf die Energiesicherheit stärker werde, sagte der Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI), Toshihiro Nikai.

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