Milliardeninvestition
Bayer wird chinesischer

Die Industrie muss dahin gehen, wo die Kunden und das Wachstum sind. Und derzeit ist das China. Der Bayer-Konzern nimmt viel Geld in die Hand, um die Produktion dort auszubauen. Was das Unternehmen besonders freut: China will jetzt umweltfreundlich werden und braucht dafür deutsche Wärmedämmungen.
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HB SHANGHAI. Der Werkstoff- und Pharmahersteller Bayer will sein Geschäft in China kräftig ausbauen. Das Unternehmen plant dort in den kommenden fünf Jahren rund eine Milliarde Euro neuer Investitionen. "Die Erweiterung unserer Kapazitäten in China ist ein wichtiger Schritt, um unsere Präsenz in den Schwellenländern deutlich auszubauen", sagte Vorstandschef Marijn Dekkers.

Bayer rechnet im asiatisch-pazifischen Raum mit einem anhaltenden Wachstum in den Abnehmerbranchen. "China ist die treibende Kraft für die Gewinne von Bayer insgesamt, insbesondere aber der Sparte Material Science", sagte China-Chef Michael König dem Handelsblatt. Der chinesischen Markt soll damit bis 2016 über fünf Milliarden Euro zum Umsatz beitragen - gut das doppelte des bisherigen Wertes. Für einige Sparten und Produktgruppen im Konzern wäre China dann die wichtigste Region.

Bayer will in China vor allem das Geschäft mit Kunstostoffen erweitern. Im Mittelpunkt stehen Materialien für Wind- und Solaranlagen und leichte Werkstoffe für die Autoindustrie. China plant in seinem Wirtschaftsplan für die kommenden fünf Jahre einen konsequenten Politikwechsel hin zum Energiesparen und sauberer Umwelt. "Unser Produktprofil passt perfekt zu den Regierungsplänen", sagt König. Vor allem bei der Gebäudedämmung hätten Schaumstoffe aus Deutschland noch einen klaren technischen Vorsprung.

Wegen des schnellen Wachstums des chinesischen Umwelt- und Automarkts als wichtigsten Abnehmern der Bayer-Werkstoffsparte verlegt das Unternehmen eines seiner globalen Hauptquartiere nach Shanghai: Top-Manager Günter Hilken, der ein knappes Drittel der "Material Science" verantwortet, wird den Geschäftsbereich Polycarbonate künftig von China aus leiten.

Das Unternehmen erweitert in Shanghai auch sein Forschungszentrum kräftig, um neue Produkte besser gemeinsam mit seinen Kunden entwickeln zu können. Die Schuhhersteller beispielsweise legen in Europa höchstens noch die Gestaltung eines Schuhs fest - technische Entscheidungen etwa über wasserabweisende Materialien fallen längst mehrheitlich bei den Produzenten in China.

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  • ... interessensphären der USA.

  • W i K i L E A K S
    Meiner Meinung nach haben die Redakteure vergessen, noch einmal darauf hinzuweisen: bayer gehört zu den in Deutschland wichtigsten interessensphären.
    Darf ich daraus schließen, daß nunmehr bayer den interessensphären von China und den USA entspricht?
    G R A N D i O S !
    Und die Automobiler rufen:
    bin´ all´ schon hier!

  • bayer sollte komplett nach China gehen und in Deutschland das Feld räumen. Dies eröffnet den anderen Chancen, kommt dem neuen Chef entgegen, der unbedingt sparen will zur Polsterung der Quartalsbilanz, und befreit Deutschland von einem Subventionsloch und Erpresser.

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