Milliardeninvestitionen
Audi bekennt sich zu Ungarn

Die Premium-Tochter von Volkswagen investiert fast eine Milliarde Euro in ihr Werk im westungarischen Györ. Das Land verzeichnet damit innerhalb weniger Tage den zweiten großen Ansiedlungserfolg aus der Automobilbranche. Der Einfluss deutscher Hersteller auf Ungarns Wirtschaft wächst.
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WIEN. Trotz großer Wirtschaftskrise und immenser Geldnöte des Staates hat Ungarn den nächsten großen Auslandsinvestor an der Leine: Audi gibt noch einmal eine knappe Mrd. Euro für den Ausbau seines Werkes im westungarischen Györ aus. Audi-Vorstandschef Rupert Stadler kündigte am Donnerstag in Budapest auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban an, dass die Volkswagen-Tochter in Ungarn 1800 neue Arbeitsplätze schaffen werde.

Ungarn verzeichnet damit innerhalb weniger Tage schon den zweiten großen Ansiedlungserfolg aus der Automobilbranche. Opel hatte zu Wochenbeginn angekündigt, dass die deutsche General-Motors-Tochter etwa 500 Mio. Euro für den Ausbau ihres Motorenwerks im südungarischen Szentgotthard ausgeben und etwa 1000 neue Arbeitsplätze schaffen werde. Auch der Daimler-Konzern wird künftig in Ungarn mit einer eigenen Fabrik vertreten sein: 3000 neue Arbeitsplätze entstehen durch den Bau des A-Klasse-Werkes in Kecskemet südlich von Budapest. Ende nächsten Jahres ist der Produktionsbeginn geplant. Ungarn kann die neuen Investitionen gut gebrauchen. 2009 ist die Wirtschaft des Landes um mehr als sechs Prozent geschrumpft. Nach Berechnungen von Unicredit wird Ungarn in diesem Jahr so gerade eben eine positive Wachstumsrate erreichen.

Audi-Chef Stadler lobte die Ansiedlungsbedingungen in Ungarn. Die VW-Premiummarke habe in den vergangenen 16 Jahren, in denen sie mit einer Fabrik in dem osteuropäischen Land vertreten ist, überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Audi lässt seit Mitte der 90er-Jahre in Ungarn produzieren.

Die Audi-Fabrik in Györ ist vor allem wichtig als Standort für die Motorenfertigung im gesamten VW-Konzern. Zusätzlich werden in Györ auch die Audi Modelle TT und das A3 Cabrio zusammengesetzt. Mit seinen 5 600 Beschäftigten ist Audi Hungaria im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von knapp vier Mrd. Euro gekommen. Die Autos werden in Györ bislang aber nur montiert. Die Fahrzeugteile kommen aus den deutschen Audi-Werken fertig nach Ungarn. Die Fabrik wird jetzt zu einer kompletten Produktionsstätte aufgerüstet, in der die Autos nicht nur zusammengesetzt werden, sondern wo die Fahrzeuge den ganzen Fertigungsprozess von Grund auf durchlaufen. Dazu gehört etwa, dass Györ eine eigene Lackiererei bekommen wird.

Für den Aufbau der neuen Produktionsanlagen veranschlagt Audi einen Zeitraum von drei Jahren. 2013 soll das erste Auto von den Bändern laufen. In Györ wird voraussichtlich vor allem für den nordamerikanischen Markt produzieren. Das Werk in Ungarn soll nach Angaben von Audi-Chef Stadler einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass die VW-Tochter bis 2015 zum weltweit größten Premiumhersteller aufsteigt.

Staat subventioniert Investitionen

Der Staat wird bei Audi wie bei den meisten anderen Autoherstellern mit Subventionen parat stehen. Ministerpräsident Orban nannte gestern zwar noch keine konkrete Zahl. Industrieunternehmen können in Ungarn jedoch mit einer Hilfe zwischen fünf und zehn Prozent der Investitionssumme rechnen. Opel wird für die Erweiterung seines Motorenwerkes mehr als 25 Mio. Euro vom ungarischen Staat bekommen. Daimler kann für die neue Fabrik in Kecskemet mit Subventionen in Höhe von gut 80 Mio. Euro rechnen.

Mit der Erweiterung des Audi-Werkes in Györ wird der Einfluss der deutschen Automobilhersteller in Ungarn noch größer. Schon jetzt geht ein Drittel aller ungarischen Exporte nach Deutschland. Auch die Zulieferer sind in Ungarn stark vertreten. Zu den wichtigsten Unternehmen gehört die Bosch-Gruppe mit vier eigenen Produktionsstätten. Für dieses Jahr hatte Bosch bereits angekündigt, dass 1 000 neue Mitarbeiter eingestellt werden sollen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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  • bei einem Unternehmenssteuersatz von 10% in Ungarn müsste man als Unternehmer - wenn man die Wahl hat - geradezu wahnsinnig sein, in Deutschland zu fertigen und nicht in Ungarn: http://www.realdeal.hu/20100804/new-corporate-tax-rate-said-to-make-hungary-a-tax-haven

    Witzig: durch die enormen deutschen Steuersätze werden - zumindestens jetzt - doch im wesentlichen lediglich Schrottanleiheninhaber (hauptsächlich banken) ausgezahlt und Riesenrenten an Ex-bankmanager, siehe Hypno Real...

    Kurios, daß das Deutsche Volk, das von dem allen ja überhaupt nichts hat, dies alles so schafhaft hinnimmt!

  • @ baby-boomer:
    Weil die Staatsquote in der bRD bei 52% liegt, d. h. welcher investor ist schon bereit, derart hohe Nebenkosten für einen Produktionsbetrieb in Kauf zu nehmen? Das rechnet sich absolut nicht! Jetzt können wir mal nachdenken, warum diese Staatsquote (also Steuern + Sozialabgaben + sonstige Nebenkosten) so hoch ist? Antwort: Zu viele beamte und öffentlich bedienstete in den überflüssigen Parallelverwaltungen in der EU, bund, Ländern, Kreisen und Gemeinden, die vom Steuerzahler mit dem 10 bis 20 fachen Hartz 4 Satz (ca. 130 Milliarden EURO jährlich) durchgefüttert werden und dazu noch zu viele andere Sozialschmarotzer, die ebenfalls durchgefüttert werden – diese allerdings nur mit dem einfachen Hartz 4 Satz.....

  • 2baby-boomer: Sie haben falschen Ansprechpartner gewählt. Stellen Sie ihre Frage an bundesregierung, die solche komplizierte und teuere Steuersystem macht.

    Man kann nur empfehlen mit eigenen Geschäft weg aus Deutschland zu gehen.

    Es gibt keine Partei in DE die ein normaler Mensch wählen kann.

    Die Linke und SPD sind populisten. Die wollen Atomkraftwerke abschaffen die 90% von Energie produzieren. Und die keine alternative haben.
    Solar und Wind Energie macht zusammen 0.1% von dem benötigen Verbrauch. Und kosten 10-20 mal mehr.

    Wenn Sie als bürger 60 cent/kWh zahlen wollen,
    ist ihre Problem, da die Unternehmer wollen es nicht.

    in Spanien kostet 1 kWh nur 10 cent. in USA 5 Dollar cent.

    Sie wollen mit ihren 60 cent eine Konkurenz machen,
    dann viel Glück!!!

    Die Grüner mischen sich überall dort wo die gar keine Ahnung haben. Eine Partei der Ahnungslosen.

    CDU hat nur ein richtigen Schritt gemacht um Lebensdauer von Atomkraftwerken zu verlängern, aber sonst machen die nur Sachen die kein Mensch verstehen kann. Milliarden Geschenke für Griechland
    Senkung von USt für Hotels. Usw. Also keinen Schritt
    in die richtige Richtung.

    bei der nächsten Wahlen werden Sie abgewählt und das Land geht an die Populisten - Grünen und Co.

    P.S. ich frage mich eher warum die Konzerne nicht schon jetzt alle weg sind? Das ist die Frage die man stellen soll.

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