Gestern noch im Namen verbunden - heute gibt es Geld. Der angeschlagene US-Autobauer Chrysler hat jetzt bei seinen beiden Großaktionären Cerberus und Daimler
nach langem Zögern einen teuer verzinsten Milliardenkredit aufgenommen. Den Autobauer Daimler
freut es - sitzt er doch seit dem Chrysler-Verkauf auf einer prallen Brieftasche.
HB STUTTGART. "Auf uns entfallen 1,5 Milliarden Dollar", sagte ein Sprecher des noch mit rund 20 Prozent an Chrysler beteiligten Stuttgarter Autobauers Daimler
am Dienstag. Die übrigen 500 Millionen Dollar stammen vom Finanzinvestor Cerberus, der Daimler
vor rund einem Jahr rund 80 Prozent des Chrysler-Kapitals abgekauft hatte. Der Kredit läuft bis 2014. Für Daimler
und Cerberus sind die Konditionen wegen der hohen Zinsen attraktiv.
In der Schlussphase der Übernahmeverhandlungen mit Cerberus über Chrysler vor einem Jahr hatte der Markt für Unternehmensanleihen zu bröckeln begonnen. Um die größtenteils über Fremdkapital finanzierte Transaktion noch zum Abschluss zu bringen, vereinbarten Cerberus und Daimler
die Kreditlinie zu Lasten von Chrysler. Der US-Autobauer hatte bis August Zeit, das Darlehen in Anspruch nehmen.
Bei Übernahmen durch Finanzinvestoren ist es üblich, dass den gekauften Unternehmen der Schuldendienst für die Transaktion aufgebürdet wird. Durch die Kreditaufnahme erhöhen sich die Finanzierungskosten des mit einem Absatzschwund ringenden US-Autobauers nochmals kräftig und vergrößern das Ausfallrisiko. Chrysler schreibt rote Zahlen und verkaufte im Mai 16 Prozent weniger Autos als im Vorjahr.
Als Zinssatz war ein Aufschlag von sieben Prozent über dem Bankenzinssatz Libor vereinbart worden. Daimler
sitzt nach dem mehrheitlichen Verkauf von Chrysler auf einer prallen Brieftasche und hat mehr als elf Milliarden Euro überschüssige Mittel, die nicht unmittelbar zur Finanzierung benötigt werden. Der Stuttgarter Konzern kann sein Ausfallrisiko mindern, indem er den nachrangigen Kredit am Markt weiterverkauft. Der Handel mit Unternehmenskrediten ist durch die Vertrauenskrise auf den Finanzmärkten allerdings in Mitleidenschaft gezogen worden. Daimler
könne die Kreditsumme ab 3. August jederzeit weiterverkaufen, sagte der Sprecher. Darüber gebe es aber noch keine Entscheidung.

