Milliardenofferte abgelehnt: BOC gibt Linde einen Korb

Milliardenofferte abgelehnt
BOC gibt Linde einen Korb

Der Wiesbadener Industriegase- und Gabelstaplerspezialist Linde hat ein milliardenschweres Gebot für den britischen Gasewettbewerber BOC abgegeben. Die Übernahmeofferte ist dem BOC-Management aber zu niedrig.

HB LONDON/FRANKFURT. Das Management von BOC habe eine Offerte von Linde einstimmig zurückgewiesen, teilte der britische Industriegase-Hersteller am Dienstag mit. Das Angebot habe die Wachstumsaussichten nicht ausreichend berücksichtigt und sei an eine Reihe von finanziellen und anderen Vorbedingungen geknüpft gewesen. Linde hat nach eigenen Angaben für den britischen Konkurrenten 15 Pfund je Aktie in bar geboten. Grundlage der Offerte sei die starke industrielle Logik eines Zusammengehens beider Unternehmen, teilte Linde am Dienstagabend mit.

Linde betonte, dies sei eine freundliche Annäherung. Eine mögliche Finanzierung sei weit fortgeschritten. Es sei aber nicht sicher, ob tatsächlich ein Angebot gemacht werde oder ob es zu einer Transaktion komme. Das Angebot sei den Briten vergangene Woche vorgelegt worden.

Die BOC-Aktie sprang nach Bekanntwerden der Offerte um 21 Prozent auf 1394 Pence. Die Linde-Aktie drehte ins Minus und war mit einem Verlust von 2,63 Prozent auf 62,68 Euro größter Verlierer im Deutschen Aktienindex Dax. „Die Linde-Aktien leiden vor allem unter zwei Faktoren. Zum einen befürchten Anleger, dass Linde beim Preis noch nachbessert“, sagte ein Händler. Außerdem sei nun die Phantasie einer Übernahme von Linde durch ein anderes Unternehmen etwas heraus.

Zweifel an feindlicher Übernahme

Analysten sprachen von einer deutlichen Zurückweisung für Linde. „Das ist sehr klare Ablehnung durch das Unternehmen“, kommentierte ING-Analyst Paul Satchell. BOC habe wiederholt erklärt, dass das Unternehmen keinen Sinn in einer Fusion mit oder einer Übernahme durch Linde sehe. „Bei allen Spekulationen der vergangenen 18 Monate ging es um Linde“, sagte der Experte. „Ich wäre überrascht, wenn Linde eine feindliche Offerte stemmen könnte“, fügte er hinzu.

Noch im Oktober hatte Linde-Chef Wolfgang Reitzle gesagt, es gebe keine Gespräche mit BOC über eine Fusion der Gase-Sparten. Gerüchte um ein Zusammengehen der beiden Konzerne waren mehrfach aufgeflammt. Analysten hatten stets darauf hingewiesen, dass beide Firmen gut zusammenpassten und sich vor allem regional gut ergänzten. So könne Linde mit einem Zusammenschluss das Geschäft in Asien erweitern und BOC stärker in Europa Fuß fassen.

Analysten erwarten, dass Linde nur mit einem Gang an die Kapitalmärkte eine so teure Übernahme stemmen könnte. „Rund zwölf Mrd. Euro für BOC auszugeben würde bedeuten, dass Linde sowohl an die Aktien- als auch an die Kreditmärkte herantreten müsste,“ kommentierte das Bankhaus Dresdner Kleinwort Wasserstein. Zudem müssten die Wiesbadener ihre Gabelstaplersparte im Wert von rund drei Mrd. Euro abstoßen. Manche Investmentbanker hatten Reitzle eine Trennung vom Gabelstaplergeschäft und eine Konzentration auf Industriegase vorgeschlagen. Linde und BOC arbeiten im Anlagenbau zusammen.

Die Industriegasebranche wird weltweit von wenigen großen Firmen dominiert. Branchenexperten hatte ein Zusammengehen von Linde und BOC stets als eine der wenigen möglichen Fusionen gesehen. BOC war zuletzt die Nummer zwei weltweit, Linde belegte den fünften Platz. Größter Industriegasehersteller weltweit ist die französische Air Liquide.

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