Milliardenofferten für Stahlkonzern
Offener Schlagabtausch um Corus

Der Übernahmekampf um den Stahlkonzern Corus spitzt sich zu. Binnen 24 Stunden haben der indische Bieter Tata Steel und der brasilianische Konkurrent CSN ihre Angebote für den zweitgrößten Stahlhersteller Europas erhöht.

LONDON/NEU DELHI/DÜSSELDORF. Zunächst hatte Tata am Sonntagabend 4,7 Mrd. Pfund geboten. CSN stockte am Monatg auf 4,9 Mrd. Pfund auf. Die Führung der britisch-niederländischen Corus nahm die Barofferte von CSN an. Inklusive der Schulden von Corus beläuft sich der Transaktionswert sogar auf fast sechs Mrd. Pfund. Obwohl die Bewertung für Corus mittlerweile deutlich höher ist als bei vorhergehenden Übernahmen in der Branche, spekuliert die Börse auf weitere Bieterrunden. Tata Steel erklärte, man werde sich zum „angemessenen Zeitpunkt“ zu dem brasilianischen Gegenschlag äußern.

Der Kampf um Corus bildet einen neuen Höhepunkt der Konsolidierungswelle. In diesem Jahr wird es nach Prognosen der Unternehmensberatung Pricewaterhouse-Coopers weltweit mehr als 180 Unternehmenskäufe und Fusionen in der Stahlbranche geben. Der spektakulärste Coup gelang Ende Juni dem Weltmarktführer Mittal Steel: Mittal übernahm den Luxemburger Konkurrenten Arcelor inkusive Schulden für 37,5 Mrd. Euro

Nach Ansicht von Michael Broeker, Stahlanalyst beim Frankfurter Wertpapierdienstleister Steubing, ist die hohe Unternehmensbewertung für Corus kaum noch zu rechtfertigen. „Wir laufen da auf ein Verhältnis von Unternehmenswert zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von mehr als sieben zu“, sagt der Branchenkenner. Im Schnitt sind die führenden Stahlhersteller in Europa und den USA derzeit nur mit dem 5,6fachen des Ebitda bewertet. Wie es in Finanzkreisen heißt, hatte der größte deutsche Stahlhersteller Thyssen-Krupp vor Jahren ebenfalls eine Corus-Übernahme durchgerechnet. Der Ruhrkonzern hielt damals einen Preis von 360 Pence je Aktie für angemessen – CSN will jetzt 515 Pence zahlen. Thyssen-Krupp hatte in den vergangenen Wochen mehrfach ein Übernahmeangebot für Corus ausgeschlossen.

Stattdessen hofft Konzernchef Ekkehard Schulz nach wie vor darauf, für knapp vier Mrd. Euro den kanadischen Stahlhersteller Dofasco übernehmen zu können. Branchenexperten zweifeln mittlerweile aber daran, dass Arcelor Mittal die kanadische Dofasco wie zugesagt tatsächlich noch an Thyssen-Krupp verkauft. Sie verweisen darauf, dass die Geschäfte des Weltmarktführers so gut laufen, dass er auf den Verkaufserlös nicht mehr angewiesen ist. Außerdem hatte Arcelor im letztlich erfolglosen Abwehrkampf gegen Mittal Dofasco in eine niederländische Stiftung ausgegliedert. Die Stiftung will sich nicht auflösen – womit der Verkauf an Thyssen-Krupp blockiert ist.

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