Milliardenschäden
Jedes fünfte Unternehmen ist Spionageopfer

Die größte Gefahr des Datenklaus geht von unvorsichtigen oder gekränkten Mitarbeitern aus, zeigt eine Handelsblatt-Exklusiv-Studie. Vor allem Vertriebsleute sind Ziel von Attacken.

DÜSSELDORF. Rund jedes fünfte Unternehmen in Deutschland ist bereits Opfer von Industriespionage geworden oder hat wichtige Firmendaten an Konkurrenten verloren. Der jährliche Schaden durch diese ungewollten Informationsabflüsse liegt bei 2,8 Mrd. Euro. Dies zeigt eine gemeinsame Umfrage von Corporate Trust, einem Unternehmen für Sicherheitsdienstleistung, dem Büro für angewandte Kriminologie in Hamburg und dem Handelsblatt. An der Befragung nahmen 741 deutsche Firmen teil.

Der Datenklau geschieht auf ganz unterschiedlichen Wegen: In annähernd 15 Prozent der Fälle haben sich Konkurrenten in die internen IT-Systeme gehackt, zudem wurden Firmen durch Geheimdienste abgehört. In 20 Prozent der Fälle haben treulose Mitarbeiter Daten abgezapft und die Informationen weitergegeben.

Nicht nur dieser Wert zeigt, dass die größte Gefahr von den eigenen Mitarbeitern ausgeht. In mehreren Fällen ließen sich Mitarbeiter auf einer Messe oder abends an der Hotelbar geschickt aushorchen – aus Vertrauensseligkeit oder Dusseligkeit. In 18,7 Prozent der Fälle ließen sich Mitarbeiter von Konkurrenten oder von ausländischen Geheimdiensten dazu bewegen, ihnen Firmeninformationen oder Details über Produkte und Bauteile zu überlassen.

Hier können Sie die aktuelle Studie downloaden (5 MB).

Das Motiv lautet zum einen Geldgier, denn die Infos werden in vielen Fällen gegen gute Bezahlung herausgerückt. Zum anderen passiert dies, wenn sich Mitarbeiter von Vorgesetzten gekränkt oder übergangen fühlen und sich auf diesem Weg rächen wollen. Zuweilen sind es auch Ex-Mitarbeiter, die Informationen heimlich mitgenommen haben und ebenso auf Rache sinnen.

Ein prominenter Fall geschah zuletzt im Formel-1-Team von Ferrari. 780 Seiten mit geheimen Informationen hatte ein Ferrari-Mechaniker Konkurrent McLaren-Mercedes zugespielt, nachdem er nicht befördert wurde. Die Sache kam raus, McLaren-Mercedes musste 100 Mill. Dollar Strafe zahlen.

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