Milliardenschwerer Vergleich
ABB befreit sich von größter Asbest-Altlast

Der schweizerisch-schwedische Technologiekonzern ABB kann das Kapital Asbest nun beinahe schließen. Das mit Abstand wichtigste Verfahren ging zuende. Es hätte das Unternehmen beinahe die Existenz gekostet.

HB ZÜRICH. Das Unternehmen hat sich mit den Klägern gegen seine US-Tochter Combustion Engineering geeinigt und mit einer Zahlung von 1,43 Mrd. Dollar gegen alle anhängigen und künftigen Klagen abgesichert. Für ABB geht damit eine 16-jährige Leidensgeschichte zu Ende, die den Konzern vorübergehend an den Rand des Ruins gebracht hatte. Insgesamt haben haben die Klagen ABB seit 1990 über 2 Mrd. Dollar gekostet.

Wie ABB am Samstag mitteilte, sind bis zum Ablauf der Frist am 31. März um Mitternacht keine Einsprüche gegen den Vergleich eingegangen, wodurch die Vereinbarung rechtskräftig wird. Die endgültige Einigung sei ein Meilenstein in der Geschichte von ABB, erklärte Konzernchef Fred Kindle. Damit werde eine Unsicherheit aus dem Weg geräumt, die dem Konzern über Jahre hinweg geschadet habe.

Der Vergleich sieht vor, dass ABB rund 1,43 Mrd. Dollar in eine Art Treuhandfonds einzahlt. Die Zahlungen erfolgen teilweise in bar und teilweise über Vermögenswerte, wobei ABB die nötigen Rückstellungen schon länger zur Seite gelegt hat und kein neues Geld aufbringen muss. Aus dem Fonds werden alle noch offenen Zahlungsansprüche der Kläger sowie eventuelle künftige Klagen abgedeckt.

Das Tochterunternehmen Combustion Engineering wird unter Gläubigerschutz gemäß „Chapter 11“ des amerikanischen Konkursrechts gestellt und ist gegen alle weiteren Asbestklagen geschützt. Die ABB will das Unternehmen, das heute vor allem noch im Immobiliengeschäft tätig ist, reorganisieren und weiterführen.

Die Asbestklagen gegen die Combustion Engineering, die ABB 1990 für 1,6 Mrd. Franken gekauft hatte, waren mit ein Grund, weshalb der Konzern von 2001 bis 2004 tief in die roten Zahlen abstürzte und unter der Schuldenlast beinahe zusammengebrochen wäre. Zusätzlich zu den 1,43 Milliarden, die in den Trust gehen, hat ABB bereits rund 1,1 Mrd. Dollar an Kläger ausbezahlt. Eine halbe Milliarde davon war durch Versicherungen gedeckt.

Trotz der Einigung kann ABB das Kapitel Asbest aber noch nicht ganz abschließen. Noch anhängig sind Klagen gegen eine andere US-Tochter der ABB, die im Ölgeschäft tätige ABB Lummus. Auch in diesem Fall strebt ABB einen ähnlichen Vergleich an, der laut Konzernsprecher Thomas Schmidt demnächst stehen soll. Der Vergleichssumme ist aber mit einem zweistelligen Millionenbetrag deutlich geringer als bei Combustion Engineering.

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