Milliardenspritze für Mitsubishi

Industrie
Milliardenspritze für Mitsubishi

Der Stuttgarter Autokonzern DaimlerChrysler und Unternehmen der Mitsubishi-Gruppe wollen nach einem Zeitungsbericht dem verschuldeten japanischen Autobauer Mitsubishi Motors mit 200 Milliarden Yen (1,5 Milliarden Euro) frischem Kapital unter die Arme greifen. Die Finanzspritze wäre damit doppelt so hoch wie bisher im Gespräch war.

HB STUTTGART. Allein auf den DaimlerChrysler-Konzern, der mit 37 Prozent an Mitsubishi Motors beteiligt ist, entfielen davon 70 Milliarden Yen (530 Millionen Euro), wie die Wirtschaftszeitung „Nihon Keizai“ in ihrer Dienstagausgabe berichtete. Der defizitären Mitsubishi Motors (MMC) solle das Geld zum Ende des Geschäftsjahres am 31. März zufließen. Es soll vornehmlich dazu dienen, die veraltete Modellpalette zu erneuern. Die bisherigen Beteiligungsverhältnisse von MMC blieben durch die Finanzspritze unberührt. Die MMC-Aktie stieg vorübergehend um neun Prozent auf ein Viermonats-Hoch nach oben und schloss mit 268 Yen um 2,3 Prozent fester. Die Aktie von DaimlerChrysler verlor am Dienstag 2,3 Prozent auf 37,19 Euro.

DaimlerChrysler-Finanzvorstand Manfred Gentz hatte im Januar erstmals eine Kapitalspritze für MMC nicht mehr ausgeschlossen, lehnt eine Aufstockung der Beteiligung aber ab. Ein MMC-Sprecher wollte sich nicht zu dem Bericht äußern und bezeichnete ihn als spekulativ. Es gebe zu dem Thema noch nichts zu vermelden. Auch ein DaimlerChrysler-Sprecher hatte gesagt, es gebe noch keine Entscheidung.

MMC hat für März zu einer außerordentlichen Hauptversammlung eingeladen, ohne bisher die Tagesordnung zu veröffentlichen. Das hatte Hoffnungen über eine Kapitalerhöhung genährt. Deren Umfang war in Medienberichten zunächst mit 100 Milliarden Yen angegeben worden. Der Gegenstand einer Hauptversammlung muss in Japan erst zwei Wochen im Voraus bekannt gegeben werden.

Laut „Nihon Keizai“ will MMC stimmrechtslose Vorzugsaktien ausgeben. Mitsubishi Heavy Industries und die Bank of Tokyo-Mitsubishi sollen Papiere für 70 Milliarden Yen zeichnen, DaimlerChrysler den gleichen Betrag beisteuern. Die übrigen Aktien gingen an weitere Unternehmen des Konglomerats wie den Handelskonzern Mitsubishi Corp, die bereits an MMC beteiligt sind. An den Beteiligungsverhältnissen ändere sich dadurch nichts. Damit hätte Gentz das Ziel erreicht, Mitsubishi Motors mit seinen Milliardenschulden vorerst nicht konsolidieren zu müssen.

Nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwochausgabe) regt sich in Stuttgart allerdings zunehmend Widerstand gegen eine Kapitalzufuhr für Mitsubishi Motors. „Man könnte das Engagement auch beenden“, zitiert die Zeitung nicht näher bezeichnete DaimlerChrysler-Kreise. Das könne zumindest bedeuten, dass der Stuttgarter Konzern die Kapitalerhöhung nicht mittragen wolle. Bei DaimlerChrysler war dazu für eine Stellungnahme zunächst niemand zu erreichen. Ein Ausstieg bei Mitsubishi, wo das Unternehmen de facto auch die unternehmerische Führung hat, würde das Ende der globalen Strategie von Vorstandschef Jürgen Schrempp bedeuten. Die Japaner sind in Kooperationsprojekte mit Chrysler, aber auch mit Smart eingebunden. „Das Überleben von Mitsubishi ist Schlüssel für die Strategie zur Wiederbelebung von Chrysler“, sagte ein Analyst. Es sei fraglich, ob dies das letzte Mal sei, dass Mitsubishi nach frischem Kapital rufe.

Mitsubishi Motors braucht dringend frisches Geld, um seine veraltete Modellpalette weiter zu erneuern. 52 Milliarden Yen (knapp 400 Millionen Euro) fließen dem Unternehmen bereits durch den Verkauf weiterer 22 Prozent an seiner früheren Lkw-Tochter Fuso an DaimlerChrysler zu. Damit kommt der Stuttgarter Konzern auf 65 Prozent an der profitablen Fuso. „Aber das hätte nicht ausgereicht, um neue Modelle zu entwickeln und die Produktion und den Vertrieb umzubauen“, sagte Analyst Noriyuki Matsushima von der Nikko Citigroup. „Eine Kapitalerhöhung durch Dritte ist absolut notwendig für das Überleben (des Unternehmens)“. 2003/04 erwartet MMC elf Milliarden Yen (83 Millionen Euro) Verlust.

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