Milliardensumme gespart
Schlupfloch erlaubt steuerfreien Porsche-Verkauf

1,5 Milliarden Euro hätten VW und Porsche eigentlich an das Finanzamt zahlen müssen. Doch der Verkauf der Porsche AG an VW bleibt wohl steuerfrei. Mit einem Trick können die beiden Autobauer den Fiskus umgehen.
  • 46

Stuttgart/WolfsburgEine Lücke im Paragrafendschungel des Steuergesetzes dürfte in den Chefetagen von Volkswagen und Porsche wahre Jubelstürme auslösen. Monatelang hatten die beiden Unternehmen verzweifelt darüber gebrütet, wie sich das Sportwagengeschäft der Schwaben möglichst günstig bei den Wolfsburgern eingemeinden lässt. Die Hürde: eine milliardenschwere Steuerlast, die es zu mindern galt. VW und Porsche scharten Berater um sich, die über mögliche Tricks grübelten. Ohne eine rettende Idee wäre der Zusammenschluss erst Mitte 2014 steuerfrei gewesen. Monate vergingen so ohne eine Lösung.

Jetzt hat sich für die Wunschpartner ein verblüffend einfacher Weg aufgetan. Die bereits eng verbandelten Unternehmen sorgen dafür, dass VW das Sportwagengeschäft der Porsche AG komplett übernimmt und der Dachgesellschaft Porsche SE dafür neben einer Milliardensumme auch noch exakt eine VW-Stammaktie gibt. Folge des Deals: Laut der Lücke im Umwandlungssteuergesetz ist das dann kein Verkauf mehr, sondern eine Umstrukturierung. Und ohne Verkauf fallen auch keine Steuern an.

Für den braven steuerzahlenden Bürger mag das klingen wie die Nachricht aus einer Bananenrepublik. Doch VW und Porsche haben es schon amtlich schwarz auf weiß. Nach dpa-Informationen aus Kreisen der Finanzbehörden ist in Wolfsburg und Stuttgart eine sogenannte rechtsverbindliche Auskunft eingegangen, in der vereinfacht gesagt steht: Herzlichen Glückwunsch, Euer Trick funktioniert tatsächlich. Diese Zusicherung der Steuerbehörden ist eine feste Garantie, sie haben die Umsetzung der Idee gewissermaßen im Vorfeld durchgespielt.

Finanzminister Nils Schmid (SPD) dürfte schäumen vor Wut. Da das Geld am Porsche-Sitz in Baden-Württemberg ankommt, wäre es bei einer Besteuerung einem Geldregen für Schmids Kasse gleichgekommen. Ein Ministeriumssprecher lehnte am Wochenende auf Anfrage jeden Kommentar ab und verwies darauf, dass das Steuergeheimnis gelte. Schmid hätte allen Grund, das Schlupfloch zu verteufeln. Im Doppelhaushalt 2013/2014 will er rund 3,65 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen.

Der dpa liegt ein Schriftverkehr über die verbindliche Auskunft der Behörden vor. Darin heißt es, dass das gewählte Konstrukt mit der einen verschobenen Aktie den Steueranspruch tatsächlich vermeide: „Entsprechend der Zielsetzung des Umwandlungssteuergesetzes können daher aus Sicht der Unternehmen steuerliche Belastungen vermieden werden.“ Erste Reaktionen aus der Politik gibt es schon: „Es ist natürlich hoch ärgerlich, dass durch eine solche Gesetzeslücke dem Staat und damit allen Steuerbürgern Milliardensummen verloren gehen“, sagte Baden-Württembergs Oppositionsführer Peter Hauk (CDU) der dpa. „Die Konsequenz daraus ist klar: Die Lücke muss geschlossen werden.“

Seite 1:

Schlupfloch erlaubt steuerfreien Porsche-Verkauf

Seite 2:

„Es hat ein Geschmäckle“

Kommentare zu " Milliardensumme gespart: Schlupfloch erlaubt steuerfreien Porsche-Verkauf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich finde das ok, wenn das innerhalb der Holding passiert. Was geht es den Staat an, wo innerhalb der Holding eine konkrete Firma hängt im Zeitpunkt t0 und im Zeitpunkt t1? Genauso sehe ich das mit Vererben, Verschenken. Da ändert sich auch nichts am Vermögensgegenstand, außer am Besitzer.

  • Meine Einlassung ist auch etwas anders zu verstehen:

    Es könnte jemand die Frage stellen, weshalb Entscheidungsträger der Finanzverwaltung eine solche Entscheidung treffen (sich zum Nachteil des Staates festlegen) und den Gummiparagraphen § 42 AO nicht als letzten trumpf im Ärmel behalten.

    In der Praxis erleben wir doch immer wieder, dass die Finanzverwaltung § 42 AO wegen jedem Mist "zieht".

    Also, weshalb ausgerechnet hier nicht ??

    Weshalb wurde so entschieden? Wer ist verantwortlich ?

  • Ja, da sieht man wieder- fähige Steueranwälte und schon findest du ein Schlupfloch! Warum auch Steuern zahlen, wenn es anders geht? Selbstständige und Kleinunternehmer können sich solche Leute nicht leisten. Hätte ich auch gerne.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%