Milliardensumme gespart

Porsche-Verkauf bleibt steuerfrei

1,5 Milliarden Euro hätten VW und Porsche eigentlich an das Finanzamt zahlen müssen. Doch der Verkauf der Porsche AG an VW bleibt wohl steuerfrei. Mit einem Trick können die beiden Autobauer den Fiskus umgehen.
Update: 09.06.2012 - 13:40 Uhr 46 Kommentare
Ein Porsche-Firmenlogo wird vor ein VW-Logo in Wolfsburg gehalten. Quelle: dpa

Ein Porsche-Firmenlogo wird vor ein VW-Logo in Wolfsburg gehalten.

(Foto: dpa)

Stuttgart/WolfsburgEine Lücke im Paragrafendschungel des Steuergesetzes dürfte in den Chefetagen von Volkswagen und Porsche wahre Jubelstürme auslösen. Monatelang hatten die beiden Unternehmen verzweifelt darüber gebrütet, wie sich das Sportwagengeschäft der Schwaben möglichst günstig bei den Wolfsburgern eingemeinden lässt. Die Hürde: eine milliardenschwere Steuerlast, die es zu mindern galt. VW und Porsche scharten Berater um sich, die über mögliche Tricks grübelten. Ohne eine rettende Idee wäre der Zusammenschluss erst Mitte 2014 steuerfrei gewesen. Monate vergingen so ohne eine Lösung.

Jetzt hat sich für die Wunschpartner ein verblüffend einfacher Weg aufgetan. Die bereits eng verbandelten Unternehmen sorgen dafür, dass VW das Sportwagengeschäft der Porsche AG komplett übernimmt und der Dachgesellschaft Porsche SE dafür neben einer Milliardensumme auch noch exakt eine VW-Stammaktie gibt. Folge des Deals: Laut der Lücke im Umwandlungssteuergesetz ist das dann kein Verkauf mehr, sondern eine Umstrukturierung. Und ohne Verkauf fallen auch keine Steuern an.

Für den braven steuerzahlenden Bürger mag das klingen wie die Nachricht aus einer Bananenrepublik. Doch VW und Porsche haben es schon amtlich schwarz auf weiß. Nach dpa-Informationen aus Kreisen der Finanzbehörden ist in Wolfsburg und Stuttgart eine sogenannte rechtsverbindliche Auskunft eingegangen, in der vereinfacht gesagt steht: Herzlichen Glückwunsch, Euer Trick funktioniert tatsächlich. Diese Zusicherung der Steuerbehörden ist eine feste Garantie, sie haben die Umsetzung der Idee gewissermaßen im Vorfeld durchgespielt.

Finanzminister Nils Schmid (SPD) dürfte schäumen vor Wut. Da das Geld am Porsche-Sitz in Baden-Württemberg ankommt, wäre es bei einer Besteuerung einem Geldregen für Schmids Kasse gleichgekommen. Ein Ministeriumssprecher lehnte am Wochenende auf Anfrage jeden Kommentar ab und verwies darauf, dass das Steuergeheimnis gelte. Schmid hätte allen Grund, das Schlupfloch zu verteufeln. Im Doppelhaushalt 2013/2014 will er rund 3,65 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen.

Der dpa liegt ein Schriftverkehr über die verbindliche Auskunft der Behörden vor. Darin heißt es, dass das gewählte Konstrukt mit der einen verschobenen Aktie den Steueranspruch tatsächlich vermeide: „Entsprechend der Zielsetzung des Umwandlungssteuergesetzes können daher aus Sicht der Unternehmen steuerliche Belastungen vermieden werden.“ Erste Reaktionen aus der Politik gibt es schon: „Es ist natürlich hoch ärgerlich, dass durch eine solche Gesetzeslücke dem Staat und damit allen Steuerbürgern Milliardensummen verloren gehen“, sagte Baden-Württembergs Oppositionsführer Peter Hauk (CDU) der dpa. „Die Konsequenz daraus ist klar: Die Lücke muss geschlossen werden.“

„Es hat ein Geschmäckle“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

46 Kommentare zu "Milliardensumme gespart: Schlupfloch erlaubt steuerfreien Porsche-Verkauf"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich finde das ok, wenn das innerhalb der Holding passiert. Was geht es den Staat an, wo innerhalb der Holding eine konkrete Firma hängt im Zeitpunkt t0 und im Zeitpunkt t1? Genauso sehe ich das mit Vererben, Verschenken. Da ändert sich auch nichts am Vermögensgegenstand, außer am Besitzer.

  • Meine Einlassung ist auch etwas anders zu verstehen:

    Es könnte jemand die Frage stellen, weshalb Entscheidungsträger der Finanzverwaltung eine solche Entscheidung treffen (sich zum Nachteil des Staates festlegen) und den Gummiparagraphen § 42 AO nicht als letzten trumpf im Ärmel behalten.

    In der Praxis erleben wir doch immer wieder, dass die Finanzverwaltung § 42 AO wegen jedem Mist "zieht".

    Also, weshalb ausgerechnet hier nicht ??

    Weshalb wurde so entschieden? Wer ist verantwortlich ?

  • Ja, da sieht man wieder- fähige Steueranwälte und schon findest du ein Schlupfloch! Warum auch Steuern zahlen, wenn es anders geht? Selbstständige und Kleinunternehmer können sich solche Leute nicht leisten. Hätte ich auch gerne.

  • wer sagt das dass Hr. Winterkorn 50% Steuern zahlt? Auf Grund seines "öffentlich" bekannten Gehaltes? Grundsatz: Steuern zahlen letztendlich nur die, die so wenig erhalten ( bewusst nicht "verdienen" ), das sie keinen Gestaltungsraum haben; und das sind die Kleinverdiener bis ca. 2,5-3t brutto. Je mehr sie verdienen, je mehr gibt es zurück. Bei wem es nicht so ist, hat das System nicht verstanden.

  • Also ICH finde nix dabei, dass das Unternehmen hier sparen kann. Bei einer Abgabenrate von z.Zt 60% für Mittelständler wünschte ich mir auch so eine Steuersparmöglichkeit. Aber dem Mittelständler bleibt nur die Investition in Maschinen, Geräte und Software, die dann über Jahre abzuschreiben sind. Also man muss 5 mal mehr "investieren" als man tatsächlich benötigt damit man von einer Abschreibung dauerhaft was hat. Kein Wunder also, dass es so viele überschuldete Unternehmen gibt...

  • Das verstehe ich nicht, schließlich ist etwas, wenn man es tut nur um Steuern zu sparen für die Steuerfestsetzung nicht beachtlich. Hier ging es in den Medien eindeutig darum Porsche kaufen, nicht VW umstrukturieren. Damit ist das doch Gestaltungsmißbrauch. Jetzt fragt sich doch, ob diese verbindliche Zusage verbindlich ist. Sprich die Finanzämter haben ja nur auf die Frage geantwortet, ist aber außerhalb der Frage etwas anders, dann kann das Finanzamt sehr wohl....

  • Sorry für meinen Kommentar,aber bei der Ungerechtigkeit in Deutschland kann man nur sehr schwer die Fassung behalten.Herr Winterkorn zahlt keine 50% Steuern,da der Spitzensteuersatz bei 42% liegt.Schauen wir uns mal unser Sozialversicherungssystem an.Bei einem Einkommen bis 5000€ Brutto zahlt man 20% ein.Danach zahlt man nur noch 889,93€ pauschal,das nennt man Beitragsbemessungsgrenze.Egal wieviel man verdient,es bleiben immer 889,93€.Mit einem Einkommen von 5000€ zahlt man 20%,bei 20.000€ nur 5% und je mehr man verdient desto niedriger werden die Prozente.Ärzte,Anwälte,Beamte,Politiker und Architekten zahlen nicht ein.In der Schweiz zahlt jeder mit Einkommen in das Sozialsystem ein.Würde jader einzahlen,würde jeder eine ausreichende Rente bekommen.Man hört immer die starken Schultern tragen unser System,das ist eine Mediale Verarsche.Je mehr man hat desto weniger zahlt man Prozentual und Steuertricks stehen einem damit auch offen.Das ist unsere Gerechtigkeit in Deutschland.Informieren ist alles,denn mit leerem Kopf nickt es sich leichter.

  • Haben Sie den Artikel nicht richtig gelesen, die ganze Sache wurde mit einer verbindlichen Auskunft abgesichert. Also nichts mit 42 AO...

  • Und wieder tobt der grenzdebile Mob.

    Überzogene Managergehälter: Herr Winterkorn zahlt in Deutschland knapp 50 Prozent steuern. Wir sollten froh sein über jeden Angestellten mit hohem Gehalt. Wenn in Deutschland etwas nicht stimmt, ist es der überzogene Sold von vielen Beamten in Behörden. Beispiel: Daniel Rousta (Facebook Affäre) hat Besoldungsgruppe B9, also 9683,57 Euro bekommen für nichts.

    Nicht gezahlte Steuern: Man hätte einfach bis 2014 gewartet. Man hätte auch sofort einfach fusionieren können ohne Steuerlast. Da hier in Deutschland zu viele Juristen herumlungern, haben wir hier eine Klagetradition wie in den USA. Die Fusion wurde nur nicht gemacht um den Schmeißfliegen von Anwälten kein Geld für nichts zu geben. Wie auch immer, Steuern wären in keinem Fall gezahlt worden.

    Stimmberechtigte Aktien werden bevorzugt: Wer den Unterschied zwischen Vorzugs- und Stammaktien nicht kennt, sollte die Finger von Aktien lassen. Oder wurde jemand genötigt Porsche oder VW Vorzugsaktien zu kaufen? Da sollte am eher mal über die eigene Gier nachdenken.

  • Und die nicht stimmberechtigten Aktionäre können nur zuschauen wie der Wert ihrer Aktien einbricht und die Piechs und Porsches gehen als Gewinner heraus - wenn das nicht schon lange so geplant war!?

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%