Milliardenübernahme der BG Group: Shell-Deal könnte Fusionswelle auslösen

Milliardenübernahme der BG Group
Shell-Deal könnte Fusionswelle auslösen

Es ist ein Deal, der die ganze Branche verändern könnte: Der Ölkonzern Shell will den britischen Gasproduzenten BG für 64 Milliarden Euro kaufen. Experten erwarten, dass nun eine Fusionswelle ins Rollen kommen könnte.
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London, New YorkDer Ölmulti Shell will den britischen Gaskonzern BG für umgerechnet 64 Milliarden Euro (47 Milliarden Pfund) kaufen und bläst damit zum Angriff auf den Marktführer Exxon Mobil. Shell will durch die Fusion zum führenden Anbieter von Flüssiggas aufsteigen und verspricht sich zudem bessere Geschäfte in Australien und Brasilien. Es ist die erste Großfusion in der Öl- und Gas-Branche seit mehr als zehn Jahren.

„Unsere Branche wird durch mutige strategische Schritte geformt“, sagte Shell-Chef Ben van Beurden, der das gemeinsame Unternehmen künftig leiten soll – und gibt damit einen Ausblick auf das, was Branchenexperten ohnehin vermuten: eine Fusionswelle. Im konkreten Fall war der Aktienkurs von BG im vergangenen Jahr um 30 Prozent gefallen. Die Energiegiganten BP und Shell dagegen verloren an der Börse trotz des Ölpreisverfalls nach Analystenangaben nur rund zehn Prozent. „Das macht sie eher zu Jägern als zur Beute“, sagte Analyst Marc Kimsey von Accendo Markets. Nun schlägt der erste Jäger zu.

Shell-Verwaltungsratspräsident Jorma Ollila erklärte, es entstehe ein „wettbewerbsfähigeres und solideres Unternehmen im derzeitigen Umfeld schwankender Ölpreise“. Energiekonzerne weltweit stehen unter Druck, weil sich die Rohölpreise seit dem Sommer halbiert haben. Grund dafür sind der Schiefergasboom in den USA sowie die hohen Öl-Fördermengen, für die es angesichts der schwächelnden Weltwirtschaft nicht genügend Abnehmer gibt. Die britisch-niederländische Shell begründete den BG-Kauf denn auch mit erwarteten Einsparungen: Pro Jahr soll er Synergien von rund 3,4 Milliarden Euro vor Steuern bringen.

„Wir gehen davon aus, dass das Geschäft Anfang 2016 perfekt gemacht werden kann“, sagte Andrew Gould, Chairman der BG Group mit Sitz im britischen Reading, westlich von London. Shell will sich gemeinsam mit dem Partner künftig vor allem auf die Stärken bei Tiefseebohrungen und beim Flüssiggas LNG konzentrieren. „Wir werden das Unternehmen auf eine kleinere Zahl von Operationen, dafür aber größeren Ausmaßes fokussieren“, sagte van Beurden bei einer Präsentation. Man habe eine Reihe von Möglichkeiten geprüft, BG habe aber immer ganz oben auf der Liste gestanden, hieß es weiter.

BG ist derweil ein Opfer des eigenen Erfolgs und des Ölpreises. Das Unternehmen mit Sitz in Reading hat seine Bilanz strapaziert, nachdem aus der relativ billigen Aufgabe, neue Vorkommen zu finden, das teurere Geschäft der Entwicklung der Felder zu neuen Produktionsstätten wurde.

Als Reaktion auf die Transaktion könnten die Karten in der Branche neu gemischt werden. „Jedwede Kombinationen liegen nun auf dem Tisch, und dieses Ereignis wird sicher zu Auswirkungen führen, sowohl bei strategische Unternehmen als auch bei Beteiligungsgesellschaften”, sagte Dennis Cassidy, Co-Leiter Öl- und Gas bei Alix Partners, in einem Interview mit Bloomberg News, bevor die Übernahme bekannt gegeben wurde.

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