Milliardenübernahme im Navi-Markt
Tom Tom buhlt um Kartenlieferanten Tele Atlas

Der Navigationsgeräte-Hersteller Tom Tom bietet rund 1,9 Milliarden Euro für den Kartenlieferanten Tele Atlas. Das Geschäft trifft die ganze Branche, ist Tele Atlas doch auch für andere Geräteanbieter enorm wichtig.

HB FRANKFURT. Tom Tom wird nach Angaben beider Unternehmen vom Montag je Aktie 21,25 Euro in bar bieten. Das bedeute einen Aufschlag von 32 Prozent gegenüber dem durchschnittlichen Schlusskurs der vergangenen drei Monate. Vorstand und Aufsichtsrat von Tele Atlas unterstützen das Angebot und wollen es den Aktionären zur Annahme empfehlen. Anteilseigner mit 17,4 Prozent der Aktien hätten ihre Beteiligungen Tom Tom bereits verbindlich angedient.

Die Offerte von 21,25 Euro je Aktie sei „ordentlich“, sagte ein Händler in einer ersten Reaktion. Am Freitag hatten Tele Atlas mit 16,68 Euro geschlossen.

Tom Tom, Marktführer in Europa, ist mit einem Drittel Umsatzanteil bereits heute der wichtigste Kunde von Tele Atlas. Beide Unternehmen kommen aus den Niederlanden und sind parallel mit dem Boom bei den Navigationsgeräten gewachsen, hatten aber in jüngerer Zeit Probleme mit sinkenden Preisen.

Kaum Konkurrenz

Tele Atlas ist einer von nur zwei Anbietern, die die Navi-Hersteller rund um den Globus mit dem nötigen Kartenmaterial versorgen. Tele Atlas wird als eigenständiges Unternehmen innerhalb des Tom-Tom-Konzerns bestehen bleiben und auch weiterhin andere Kunden beliefern, wie die beiden Partner mitteilten.

Branchenprimus unter den Kartenanbietern ist Navteq aus den USA. Die Analysten der UBS haben die Aktie dann auch prompt von neutral auf kaufen hochgestuft.

Gute Zwischenbilanz

Die Einzelheiten und Bedingungen der Offerte für Tele Atlas sollen im Oktober veröffentlicht werden. Bis zum Jahresende will Tom Tom den Zukauf unter Dach und Fach haben. Nach der Übernahme soll Tele Atlas vom Kurszettel der Börsen in Amsterdam und Frankfurt verschwinden. TomTom will „sobald wie möglich“ die Zwangsabfindung der Minderheitsaktionäre einleiten. Zu wesentlichen Stellenkürzungen soll es durch die Übernahme nicht kommen. Bei Tom Tom selbst arbeiten 2 400 Menschen.

Tom Tom kann es sich auch gar nicht leisten, Leute zu verlieren, boomt doch das Geschäft mit den Navigationsgeräten. Wie das Unternehmen ebenfalls am Montag mitteilte, kletterte der Umsatz im zweiten Quartal um 37 Prozent auf 380 Mill. Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Überschuss kletterte um 81 Prozent auf 68 Millionen Euro. Insgesamt seien 1,8 Mill. tragbare Navigationssysteme verkauft worden. Für das Gesamtjahr hielt Tom Tom an seiner Umsatzprognose von 1,6 bis 1,8 Mrd. Euro fest. Bis Jahresende sollen zwischen 8 und 9 Mill. Navigationssystem verkauft werden.

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