Milliardenübernahme in US-Chemiebranche
Dow Chemical greift nach Rohm & Haas

Der US-Chemieriese Dow Chemical will das Spezialchemieunternehmen Rohm & Haas für 18,8 Milliarden Dollar in bar übernehmen. Dow biete 78 Dollar je Rohm & Haas-Aktie, teilte der Konzern am Donnerstag mit.

HB NEW YORK. Das entspricht einem Aufschlag von 74 Prozent zum Schlusskurs am Vortag, als die Anteilsscheine mit 44,83 Dollar aus dem Handel gegangen waren. Die an der New York Stock Exchange (NYSE) notierte Aktie hatte im Betrachtungszeitraum über 52 Wochen ein Hoch bei 62,69 Dollar, der niedrigste Kurs lag bei 44,13 Dollar.

Finanzpartner sind die Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway des US-Milliardärs Warren Buffett und der Staatsfonds Kuwait. Berkshire wird mit der Transaktion größter Aktionär von Dow.

In Deutschland hat Rohm & Haas nach eigenen Angaben rund 500 Beschäftigte. Deutschland kommt für rund 25 Prozent des Europaumsatzes von Rohm & Haas auf.

Die Übernahme erlaubt Rohm & Haas die Fortführung des eigenen Geschäfts unter eigenem Namen von ihrer Zentrale in Philadelphia. Dow wird einige seiner Spezialchemie-Einheiten bei dem Hersteller von Beschichtungen und elektronischen Stoffen einbringen, so dass der Umsatz von Rohm & Haas von 8,9 auf 13 Mrd. US-Dollar steigen wird. Die Boards beider Unternehmen haben bereits zugestimmt und auch den Segen von John C. Haas, dem 90-jährigen Familienoberhaupt, erhalten.

Im vergangenen Monat hatte Rohm & Haas die Entlassung von sechs Prozent der Mitarbeiter angekündigt und eine Kürzung des Geschäft mit Emulsionen um ein Drittel. Beide Maßnahmen begründete das Unternehmen mit den gestiegenen Rohstoffkosten, die auch Dow Chemical schon zu zwei Preiserhöhungen in diesem Jahr gezwungen haben. Außerdem kündigte Dow die Kürzung der Produktionskapazität für verschiedene Produkte an, da zu den hohen Energiekosten auch noch die schwächere Konjunktur in Europa und den USA das Geschäft belasteten.

Der 77-jährige Warren Buffet , laut „Forbes“ der reichste Mann der Welt, hatte erst kürzlich betont, er habe derzeit rund 40 Mrd. Dollar für Investitionen zur Verfügung. Eine Vorliebe für bestimmte Branchen habe er dabei nicht. „Ich investiere aber nur in Firmen, deren Geschäftsmodell ich verstehe“, sagte er. Ganz allgemein gesehen kenne er sich etwa im Bereich Konsumgüter oder Versicherungen gut aus. Buffett betonte, seine Firma Berkshire Hathaway wolle das Management übernommener Unternehmen an Bord lassen und die Firma gemeinsam mit der früheren Führungsriege weiterentwickeln. Grundsätzlich sollten die Kaufziele auf Jahre hinaus konkurrenzfähig und nicht sanierungsbedürftig sein. „Es gibt kein bestimmtes Rezept, in welche Firma man investieren soll“, sagte er. Es sei immer eine Entscheidung im Einzelfall.

Chemiewerte im Dax profitieren

Insgesamt kontrolliert Berkshire über 70 Firmen aus diversen Branchen. Darunter sind auch Beteiligungen an US-Konzernen wie Coca-Cola oder Procter & Gamble.

Die Aktien der deutschen Chemiewerte, aber auch der Gesamtmarkt profitierte von der Nachricht. „Das zeigt, dass auch in diesen schwierigen Marktververhältnissen derartige Transaktionen möglich sind“, kommentierte ein Händler. Zudem heize die Nachricht Übernahmespekulationen im Chemiesektor an, der zuletzt wegen Konjunktursorgen unter Druck geraten war.

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