Milliardenübernahme
US-Konzern will Wincor Nixdorf haben

Der Geldautomaten- und Kassensystemhersteller Wincor Nixdorf dürfte eine feine Braut sein für die US-Firma Diebold. Beide Unternehmen versprechen sich erhebliche Synergieeffekte von dem 1,7-Milliarden-Deal.

PaderbornDie Spekulationen halten sich seit Monaten, jetzt wird es wirklich ernst: Der amerikanische Hersteller von Geld- und Kassenautomaten Diebold und sein deutscher Konkurrent Wincor Nixdorf befinden sich in aussichtsreichen Gesprächen über eine mögliche Übernahme des deutschen IT-Pioniers mit Sitz in Paderborn. Wincor als Nummer Drei im Markt hatte sich lange gegen einen solchen Schritt gewehrt. Angesichts der weiter schwierigen Marktsituation konnten sich die Paderborner aber letztlich nicht mehr der industriellen Logik eines solchen Zusammenschlusses und des aus Sicht der Aktionäre attraktiven Angebots der Amerikaner verschließen. So bietet Diebold 52,50 Euro für einen Anteilsschein von Wincor Nixdorf, das sind knapp 40 Prozent mehr als der Schlusskurs vom Freitag.

„Bei einem solchen Angebot musste Wincor mit Diebold das Gespräch aufnehmen“, hieß es dazu aus Branchenkreisen. Wincor-Chef Eckard Heidloff hatte sich noch im Sommer gegen einen solchen Schritt ausgesprochen, nun hat er zusammen mit Diebold Ende September die wesentlichen Eckpunkte eines möglichen Zusammenschlusses festgelegt. Ob die Amerikaner Wincor wirklich übernehmen werden, hängt von der jetzt folgenden Due-Dilligence-Prüfung und der Entscheidung der Anteilseigner ab. Branchenkreise gehen aber davon aus, dass der Deal im Wert von rund 1,7 Milliarden Euro zustande kommt.

Zu viele Argumente sprechen für eine Übernahme der Ostwestfalen. Zwar gilt Wincor derzeit als angeschlagen und hat sich ein aufwändiges Restrukturierungsprogramm verordnet. Noch sind die Paderborner aber stark in Europa vertreten, während Diebold hier kaum Geschäfte macht. Genau umgekehrt sieht es in Nordamerika aus, dem zweiten wichtigen Markt für die international operierenden Hersteller von Geld- und Kassenautomaten. Diebold hat zudem in den vergangenen Jahren das margenträchtige Servicegeschäft ausgebaut, während Nixdorf im zukunftsträchtigen Software-Bereich gut vertreten ist. Beide zusammen können erhebliche Synergieeffekte nutzen.

„Wenn Diebold und Wincor ihre Stärken bündeln, können sie gut im Markt bestehen“, sagte ein Branchenexperte. Vor allem im Hardwarebereich lassen sich erhebliche Mittel einsparen, wenn die Unternehmen verstärkt kooperieren. „Das gibt der Forschung und Entwicklung ganz neuen Schwung“, heißt es. Beide Unternehmen zusammen kämen zwar auf einen Umsatz von rund 5,5 Milliarden US-Dollar, würden damit aber immer noch um eine Mlliarde Dollar hinter Marktführer NCR – ebenfalls aus den USA – liegen.

Der Markt für Geld- und Kassenautomaten steckt derzeit mitten im Umbruch. Die Bankenkrise mit der Schließung tausender Filialen, aber auch die geringere Investitionsneigung großer Einzelhandelsketten setzt den Geschäften der Branche zu. Zur gleichen Zeit muss sie Antworten auf den Vormarsch von Bezahlsystemen im Internet wie Paypal oder Google Pay finden. Der Bau der reinen Kassenautomaten wirft zu wenig ab, alle drei großen Hersteller – NCR, Diebold und Wincor – haben daher zuletzt ihre Investitionen in den Ausbau ihres gewinnträchtigen Dienstleistungsgeschäftes, aber auch in die Entwicklung neuer Software verstärkt.

In seinem bis Ende 2017 geplanten Restrukturierungsprogramm will Wincor-Chef Heidloff den Anteil des Software-Geschäfts binnen fünf Jahren verdoppeln. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen 1100 der rund 9000 Stellen gestrichen werden. Ziel der Übernahmegespräche sei es jedoch nicht, die Spar- und Umbauanstrengungen bei Wincor Nixdorf noch einmal zu verschärfen. Man gehe davon aus, hieß es von beiden Seiten, dass es zu keinen weiteren Stellenstreichungen kommen werde.

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